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Corona: Warum sind unsere Altenheime nicht sicher?

Ohne einen Corona-Schnelltest sind Besuche bei Angehörigen in Heimen zwischen Görlitz und Niesky nicht möglich - auch nicht nach einer Impfung.

Vor jedem Besuch im Altenheim steht für die Angehörigen ein Corona-Schnelltest an.
Vor jedem Besuch im Altenheim steht für die Angehörigen ein Corona-Schnelltest an. © dpa

Eigentlich wollten Altenheime im Landkreis Görlitz nicht zu Schnelltestcentern werden. Nun sind sie es doch. Nach schwierigen Monaten mit bislang 670 Corona-Toten, die meisten wohl aus den Altenheimen, sind die Schnelltests nun eine Möglichkeit, das Coronavirus draußen zu halten. Sächsische.de hörte sich in Alten- und Pflegeheimen zwischen Görlitz und Niesky um.

Wer wird in den Altenheimen getestet?

In den Altenpflegeeinrichtungen wird täglich getestet. Auch beim DRK. In den ambulanten und stationären Pflegebereichen des Kreisverbandes werden alle Mitarbeiter zwei Mal pro Woche mittels POC-Test getestet. Dieser Point-of-Care-Test ist vor Ort zu machen und bindet keine Laborkapazitäten.

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Zusätzlich werden beim DRK anlassbezogene Tests sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Bewohnern und Patienten durchgeführt, informiert DRK-Vorstand Rüdiger Neumann. Ein Anlass besteht, wenn eine Person Symptome zeigt, die auf eine Corona-Infektion hindeuten. Ganz ähnlich ist die Vorgehensweise im Altenpflegeheim des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) am Grenzweg in Rauschwalde, bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Görlitzer Krölstraße und im Altenpflegeheim "Abendfrieden" in Niesky.

Besucher werden beim Eintritt in das Heim mittels Schnelltest auf eine mögliche Covid-19-Infektion getestet. Senioren, die neu in ein Altenpflegeheim einziehen, werden grundsätzlich auf eine Covid-19-Infektion getestet.

Welchen Aufwand betreiben die Heime für die Tests?

"Der Aufwand für den Schutz von Bewohnern und Mitarbeitern vor dem Corona-Virus ist riesengroß", beschreibt es Cornelia Brussig stellvertretend für andere Heimleitungen. Cornelia Brussig ist die Leiterin des ASB-Heims in Görlitz.

Das Test-Prozedere ist aufwendig. Carsten Seitz, Fachbereichsleiter Altenhilfe bei der Awo, berichtet: Die Schnelltests nehmen geschulte Mitarbeiter vor. Dafür werden separate Räume bereit gestellt, ebenso Schutzausrüstungen für die Mitarbeiter, die den Test vornehmen. 15 bis 20 Minuten dauert er. Er gilt für maximal 48 Stunden.

Allerdings müssen für Besuche von Angehörigen in den Heimen im Vorfeld Termine vereinbart werden - auch wegen der Eintaktung in die Schnelltests. Aber nicht in allen Heimen sind Besuche derzeit möglich, weil die Häuser wegen Corona-Infektionen unter Quarantäne stehen.


Das Zentralhospital, ein Altenheim der Awo, in der Krölstraße in Görlitz.
Das Zentralhospital, ein Altenheim der Awo, in der Krölstraße in Görlitz. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

Wer bezahlt die Schnelltests?

Die Kosten für die Schnelltests übernehmen in der Regel die Pflegekassen im Rahmen der Corona-Hilfen. Einige Heimbetreiber, darunter das DRK, erhielten vom Freistaat Sachsen und vom Bund Schutzmaterialien und Schnelltests zur Verfügung gestellt. "Dies jedoch im begrenzten Maße", betont Rüdiger Neumann.

ASB -Altenheim am Grenzweg in Görlitz-Rauschwalde.
ASB -Altenheim am Grenzweg in Görlitz-Rauschwalde. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

Woher kommt Unterstützung bei Personalnot?

Da sich in den Heimen auch zahlreiche Mitarbeiter mit dem Virus infizierten oder Personal wegen Kontakten zu Infizierten in Quarantäne mussten, stießen manche Altenheime an ihr Personallimit. Die Träger der Heime reagierten, um die Betreuung der Heimbewohner zu sichern. Bei der Awo zum Beispiel halfen Erzieherinnen aus, die wegen der Kita-Schließung nicht mehr die volle Stundenzahl ihrer Arbeit erreichten. Im "Abendfrieden" sprangen Mitarbeiter aus anderen Emmaus-Bereichen ein. Beim ASB unterstützen Mitarbeiter aus der gesamten gemeinnützigen GmbH die Betreuung im Heim.

Zum Jahresende 2020 waren einige Angehörige der Bundeswehr in Altenheimen im Einsatz, darunter in Bethanien in Görlitz und im Kursana in Weißwasser. Kreissprecherin Franziska Glaubitz betont, dass deren Arbeiten aber keine pflegerischen Tätigkeiten und keinen Kontakt zu Bewohnern vorsahen. Im Moment unterstützt die Bundeswehr keine Altenpflegeeinrichtungen im Landkreis mehr.

Altenpflegeheim "Abendfrieden" von Emmaus in der Plittstraße in Niesky.
Altenpflegeheim "Abendfrieden" von Emmaus in der Plittstraße in Niesky. © André Schulze

Warum sinkt die Zahl der Infektionen in Heimen?

Derzeit verzeichnet der Landkreis ein Sinken der Infektionszahlen, gerade auch in Altenheimen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Allerdings bestehen sie in der Regel nicht darin, dass in den Heimen erst verspätet mehr auf Hygiene und Abstand geachtet werde, betont Carsten Seitz. Er vermutet, dass Sorgfalt und Vorsicht bei den Angehörigen von Heimbewohnern größer geworden seien. Eine Rolle könnte auch spielen, dass viele Heimbewohner die Infektion überstanden und Antikörper gebildet haben.

In den vier befragten Altenheimen gibt es derzeit (Stand Dienstag letzter Woche) keine aktiven Corona-Fälle unter den Bewohnern. Lediglich zur Awo kam vergangenen Dienstag eine Person mit der Infektion, die aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Im Landkreis Görlitz gibt es nur noch eine Handvoll an Einrichtungen, die bislang Corona frei geblieben sind, berichtet die Kreissprecherin auf Nachfrage. Alle anderen waren oder sind entweder Hotspots oder hatten zumindest einzelne Corona-Fälle im Haus. Verschont geblieben seien bislang je eine Einrichtung in Friedersdorf bei Neusalza-Spremberg, in Weißwasser, Großschweidnitz und Eibau.

Das DRK-Altenheim in Görlitz-Königshufen.
Das DRK-Altenheim in Görlitz-Königshufen. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

Werden geimpfte Heimbewohner besser gestellt?

Mittlerweile begann die Impfung gegen Covid-19 in Altenheimen. Weil es nicht genügend Impfstoff gibt, warten viele auf einen Termin, wann Bewohner und Personal geimpft werden. So auch das "Abendfrieden" in Niesky. "Dabei könnte es sofort losgehen", sagt Heimleiterin Viola Knappe.

Geimpft werden Altenheim-Bewohner auf Wunsch. Wer eine Corona-Infektion überstand, wird in den nächsten drei bis sechs Monaten aber nicht geimpft. Hier geht man von einer Immunität aus.

Dass geimpfte Personen Vorteile gegenüber Ungeimpften hätten, kann Viola Knappe aus der am Wochenende aktualisierten Verordnung nicht entnehmen. Für Besucher heißt das, sich weiter bei jedem Besuch einem Schnelltest zu unterziehen. Geimpfte Heimbewohner können derzeit nicht mit Privilegien gegenüber ungeimpften Mitbewohnern rechnen.

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