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Die Oberlausitz hat bald ein Football-Team

Die Görlitz Grizzlies haben sich gegründet. Ihr ehrgeiziges Ziel: Ein Football-Team aus dem Nichts aus dem Boden stampfen – eine echte Herausforderung, die Hilfe braucht.

Von Frank Thümmler
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Starke Männer suchen Mitspieler und Unterstützer: Die American Footballer der Görlitz Grizzlies haben bereits einen Kern von Spielern beisammen – nahezu aus dem gesamten Kreisgebiet. Daniel Kislicyn (mit Helm in der Hand) ist der Chef.
Starke Männer suchen Mitspieler und Unterstützer: Die American Footballer der Görlitz Grizzlies haben bereits einen Kern von Spielern beisammen – nahezu aus dem gesamten Kreisgebiet. Daniel Kislicyn (mit Helm in der Hand) ist der Chef. © Hans-Ernst Friedrich

Görlitz. American Football erlebt seit mehreren Jahren einen Zuschauerboom – vor dem Fernseher. Die Quoten bei Spielen der amerikanischen NFL sind immer besser geworden. Superstar Tom Brady kennt jeder Sportbegeisterte. Am 13. November wird der Quarterback mit seinem Team, den Tampa Bay Buccaneers, das erste NFL-Spiel in Deutschland bestreiten – in München gegen die Seattle Seahawks.

Nur gespielt wird in Deutschland der amerikanische Sport wenig. Auch der Landkreis Görlitz ist ein weißer Football-Fleck. Das wollen „Football-Verrückte“ um den 23-jährigen Daniel Kislicyn jetzt ändern. Aus dem Nichts will der Görlitzer Student (Soziale Arbeit) ein Football-Team aufbauen, dass im Idealfall bereits 2023 in den Ligaspielbetrieb einsteigen soll.

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Der Name der Neugründung: Görlitz Grizzlies. „Grizzlies passen wegen der Alliteration mit dem GR von Görlitz. Und ein Freund hat uns schon ganz schnell ein passendes Logo gestaltet, erste Hoodies mit dem Logo drauf sind schon angeschafft“, sagt der junge Footballer, der den Riesenaufwand auf sich nimmt, weil er selbst große Lust hat, wieder seinem geliebten Sport nachzugehen.

Daniel Kislicyn, der aus Limbach-Oberfrohna stammt, hatte 2014 mit dem amerikanischen Sport in Chemnitz angefangen, sofort Feuer gefangen und später verschiedene Positionen (Running Back, Receiver, auch Quarterback) gespielt. Mit seinem Studium in Görlitz wechselte er 2019 nach Dresden zur zweiten Mannschaft der Monarchs. Aber letztlich wurden zeitlicher und auch finanzieller Aufwand für die vielen Trainingsfahrten nach Dresden zu groß.

Die Idee, dann eben ein Football-Team vor Ort aus dem Boden zu stampfen, ist langsam entstanden. Es gab einen Versuch, Flag-Football (ohne harten Körperkontakt und mit weniger Spielern) als Hochschulsport anzubieten, der aber mangels Interesse kläglich scheiterte. Für Daniel Kislicyn war das eher Ansporn als Grund, das Vorhaben schnell wieder zu begraben: „Dann machen wir es eben richtig, nicht an der Hochschule und mit richtigem Football!“

Relativ schnell, dank der Sozialen Medien – Kislicyn: „Ohne Instagram gäbe uns es nicht“ –, fanden sich Interessenten aus dem gesamten Landkreis. Gut 40 Mitspieler hat der junge Trainer in seiner Kartei, knapp 20 sind jeden Freitag beim Training im Stadion der Freundschaft. Trainiert wird von 16.45 bis 19 Uhr, wer sich interessiert, kann jederzeit vorbeikommen.

So gelungen der Start aus dem Nichts auch war, der Aufbau eines Footballteams ist eine Mammutaufgabe, die Daniel Kislicyn und seine Mitstreiter aber nicht abschreckt. Das sind die wichtigsten Probleme, die es zu lösen gilt:

Football braucht viele Mitspieler

„Zum Training wären 25 Spieler gut, für richtige Spiele 35, wobei wir ab 18 Spielern mit gültigen Spielerpässen spielberechtigt sind“, erklärt der Cheftrainer. Auf dem Feld stehen immer elf Spieler – in aller Regel unterschiedliche für die Offensive und Defensive. Dazu benötigt man für diesen harten Sport Wechselspieler und zum Beispiel einen Kicker und einen Punter.

„Wir müssen möglichst schnell die Basis der Mitspieler zu unserem bereits vorhandenen Kern verbreitern, sind deshalb aktiv auf Mitspielersuche. Bei uns ist wirklich jeder willkommen. Wir brauchen genauso die schnellen, wendigen Typen wie die großen dicken, die bei anderen Sportarten immer abgewählt wurden. Unser Sport bietet wirklich allen eine Chance“, sagt Kislicyn, der die Offensive trainieren und dafür seinen Trainerschein aufwerten wird. Der Nieskyer Manuel Ressel übernimmt das Training der Defensive.

Die Football-Regeln sind kompliziert

Das Grundprinzip des American Football ist relativ leicht verständlich. Es geht darum, den eiförmigen Ball in die gegnerische Endzone zu tragen oder wenigstens per Kick durch die beiden Stangen zu schießen. Dann gibt es Punkte. Für jeweils 10 Yards in Richtung Endzone hat das angreifende Team maximal vier Versuche. Insgesamt aber sind die Regeln so umfangreich, dass es selbst für erfahrene Spieler manchmal nicht einfach ist.

„Bei Spielen wird ein Moderator den Zuschauern das Wichtigste erklären. Und damit die Spieler es verstehen, gibt es bei jedem Training einen Anteil Theorieschulung.“

American Football ist teuer

Das ist nicht abzustreiten, schon allein durch die Anzahl der Spieler, die alle zwei Trikots (heim und auswärts) benötigen. Die gesamte Ausrüstung (Helm, Protektoren, Schuhe usw.) kostet an die tausend Euro. Dazu kommt die Trainingsausstattung. Zum Beispiel gibt es spezielle Dummies für die harten Tacklings, die trainiert werden müssen.

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Für die Trainingsausstattung benötigen die Grizzlies dringend Unterstützung, sammeln Geld mit einer Crowdfunding-Aktion. 6.000 Euro sollen es werden. Knapp 3.000 Euro sind jetzt, eine Woche vor Ende der Aktion, erreicht. Es braucht also einen starken Endspurt. Spender bekommen etwas zurück – vom Grizzlies-Armband über die Teilnahme an einem echten Tackling-Training bis zum freien Eintritt zum ersten Heimspiel. Das soll es vielleicht schon im Herbst geben.

Mehr Infos zu den Görlitz Grizzlies gibt es hier.

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