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Wer bekommt Corona-Prämie?

Der Bund macht den Weg frei für bis zu 1.500 Euro zusätzlich. Davon profitieren auch Arbeitnehmer in Görlitz und Niesky. Doch nicht jeder, der es verdient.

Bauarbeiter bekommen eine Corona-Prämie, allerdings nur, wenn sie in einer tarifgebundenen Firma tätig sind.
Bauarbeiter bekommen eine Corona-Prämie, allerdings nur, wenn sie in einer tarifgebundenen Firma tätig sind. © Foto: IG Bau

Mitarbeiter in der Pflegebranche, von Supermärkten, auf dem Bau und in anderen Branchen bekommen für ihren außergewöhnlichen Einsatz in der Corona-Krise eine Sonderzahlung. Das kündigte der Bund an. Doch wer bekommt die Prämie tatsächlich?

SZ und sächsische.de fragte nach bei Gewerkschaften, in Altenheimen, Krankenhäusern und im öffentlichen Dienst. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt das aber nicht.

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Auf dem Bau: Prämie, wo Tarifvertrag gilt

Neben der normalen Lohnsteigerung sollen Bauarbeiter im Kreis Görlitz mit der November-Abrechnung eine steuerfreie Corona-Prämie von 500 Euro erhalten. Azubis bekommen 250 Euro. Das erklärt die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt. Im Landkreis Görlitz könnten rund 3.600 Menschen also etwas mehr auf dem Lohnzettel haben. So viele Menschen sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im Bauhauptgewerbe tätig. Aber nicht jeder dieser Bauarbeiter bekommt tatsächlich mehr Lohn und Corona-Prämie. Denn die Summen gelten nur für Betriebe, die tarifgebunden sind. Aber das sind nach Gewerkschaftsangaben nur 34 von 194 Betrieben in Ostsachsen.

Die Abhängigkeit bei Sonderzahlungen in der Corona-Pandemie von der Tarifbindung des Arbeitgebers unterstreicht auch Dana Dubil. Die Regionalgeschäftsführerin des DGB Ostsachsen weiß, dass zum Beispiel Beschäftigte bei Obi in Niesky eine Corona-Prämie bekamen. Auch bei Lidl und anderen Einzelhändlern wurde der große Einsatz der Mitarbeiter honoriert. Siemens belohnte seine Mitarbeiter ebenso wie einige kleine und mittelständische Unternehmen im Landkreis.

Krankenhäuser: Prämie aus eigenen Mitteln

Klinikum Görlitz, Eingang Girbigsdorfer Straße.
Klinikum Görlitz, Eingang Girbigsdorfer Straße. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

"Die vom Bund bereitgestellten Gelder für Krankenhäuser, die in der ersten Corona-Welle besonders viel zu tun hatten, stehen uns nicht zur Verfügung, da wir in der ersten Corona-Welle zum Glück nicht so stark betroffen waren", erklärt Ines Hofmann, Personalleiterin im Städtischen Klinikum Görlitz. Trotzdem waren auch schon im März und April einige Mitarbeiter besonders beansprucht - damals vor allem logistisch und organisatorisch. "Es war absehbar, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer zweiten Welle kommt, die uns mehr trifft und belastet", sagt Frau Hofmann. Deshalb schlug das Klinikum dem Tarifpartner ver.di vor, allen Mitarbeitern, die unter den Hausvertrag fallen, eine Prämie zu zahlen - in Anerkennung des während der Corona-Pandemie gezeigten Engagements und zur Abmilderung der zusätzlichen Belastungen durch die Krise. Daher erhalten alle Mitarbeiter im Klinikum, die unter den Verdi-Haustarif fallen, eine Zusatzzahlung von 1.300 Euro.

Das Kreiskrankenhaus Weißwasser und das Klinikum Oberlausitzer Bergland mit den Standorten in Ebersbach-Neugersdorf und Zittau erhalten ebenfalls keine staatliche Finanzierung dieser Prämie. Dennoch hat die Geschäftsführung bei den Aufsichtsräten die Ausschüttung einer Corona-Prämie aus Eigenmitteln beantragt. Für das Klinikum Oberlausitzer Bergland sind das insgesamt 250.000 Euro und für das Kreiskrankenhaus Weißwasser 90.000 Euro.

Das Malteser-Krankenhaus St. Carolus in Görlitz war während der ersten Welle die erste und Hauptanlaufstelle für Corona-Kranke. "Das war für das St. Carolus mit erheblichem Aufwand verbunden", sagt Malteser Sprecherin Stephanie Hänsch. Die Frage, ob Mitarbeiter im St. Carolus eine Corona-Prämie bekommen, beantwortet sie nicht.

Öffentlicher Dienst: Sonderzahlung bis zu 600 Euro

"Im öffentlichen Dienst regeln Tarifverträge die Ausschüttung von Corona-Prämien", informiert Kathrin Burkhardt, Leiterin der Hauptverwaltung im Görlitzer Rathaus. Die Auszahlung erfolgt an alle tariflich Beschäftigten der Stadtverwaltung Görlitz, auch für den Eigenbetrieb Städtischer Friedhof, aber nicht an Beamte. Die Beträge sind nach den Entgeltgruppen gestaffelt von einmalig 600 Euro für den einfachen und mittleren Dienst, 400 Euro für den gehobenen Dienst und 300 Euro für den höheren Dienst. Auszubildende erhalten eine Sonderzahlung in Höhe von 225 Euro.

In der Landkreisverwaltung Görlitz erhalten alle Beschäftigten eine einmalige Sonderzahlung, die genauso geregelt ist wie im Görlitzer Rathaus. Azubis und hier auch ein Teil der im Landratsamt tätigen Praktikanten bekommen ebenfalls 225 Euro.

Görlitzer Altstadt mit Untermarkt und Blick vom Braunen Hirsch auf das Rathaus mit dem Rathausturm.
Görlitzer Altstadt mit Untermarkt und Blick vom Braunen Hirsch auf das Rathaus mit dem Rathausturm. © André Schulze

Altenheime: Prämien kommen von den Pflegekassen

Die Mitarbeiter in Altenheimen und bei Pflegediensten stellte und stellt die Pandemie vor besondere Herausforderungen. In Abhängigkeit von der Tarifbindung werden Prämien gezahlt. Aber kaum jemand möchte darüber sprechen. Von den angefragten Altenheimen gibt lediglich der Görlitzer Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) eine Antwort. Mitarbeiter in der ambulanten und stationären Pflege und der Sozialstationen erhalten als Anerkennung eine Prämie. "Diese einmalige Sonderleistung wurde bei den zuständigen Pflegekassen beantragt", heißt es aus der Geschäftsführung des ASB, ohne Zahlen zu nennen.

ASB-Altenheim am Grenzweg in Görlitz.
ASB-Altenheim am Grenzweg in Görlitz. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

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