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Zwangsversteigerung: Wer hat eine Idee für diese Villa?

Die Fabrikantenhäuser sind typisch für Neugersdorf. Jetzt wird für ein weiteres ein neuer Besitzer gesucht. Es ist ziemlich marode. Viele Einwohner kennen noch bessere Zeiten des Hauses.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Die Villa an der Käthe-Kollwitz-Straße kennen viele Neugersdorfer noch als Jugendklub.
Die Villa an der Käthe-Kollwitz-Straße kennen viele Neugersdorfer noch als Jugendklub. © R. Altmann-Kühr

Ein weiteres einstiges Schmuckstück von Neugersdorf kommt jetzt unter den Hammer: Die Villa an der Käthe-Kollwitz-Straße 3 wird zwangsversteigert. Vielen Neugersdorfern ist das ehemalige Fabrikantenanwesen noch als Jugendklub bekannt. Der war hier zu DDR-Zeiten drin. Die Gaststätte "Bürgerhaus" und Fremdenzimmer waren außerdem in dem Haus untergebracht. Gebaut wurde es laut Denkmalschutzbehörde um 1910 herum. Seit Jahrzehnten aber steht es leer und ist dem Verfall preisgegeben.

Zum riesigen Gelände mit insgesamt über 7.000 Quadratmetern Grundstück gehört auch ein Komplex mit 16 Garagen, die zu DDR-Zeiten errichtet wurden. Laut Auskunft des Gerichts sind sie zum größten Teil noch genutzt.

Nicht nur das Haus selbst, auch der dazugehörige Park auf dem Grundstück - allein knapp 5.000 Quadratmeter groß - steht unter Denkmalschutz. Diese park-ähnlich angelegten Gärten sind typisch für die ehemaligen Fabrikantenanwesen, gehören zum Stadtbild von Neugersdorf und sollen erhalten bleiben. Im Fall der Käthe-Kollwitz-Straße müsste der Garten erst einmal instand gesetzt werden.

Villa ist nicht nutzbar

Das Gutachten zum Haus, das ein Zittauer Unternehmen im Vorfeld der Versteigerung erstellt hat, stellt dem Anwesen allerdings keine gute Prognose aus. Das Gebäude sei in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Durch das kaputte Dach und die undichte Terrasse sei Wasser eingedrungen. Die Folge: Schwammbefall und durchgebrochene Decken im Inneren.

"Das Villengebäude ist nicht nutzbar", heißt es im Gutachten. Eine Komplettsanierung sei wirtschaftlich nicht rentabel für einen potenziellen Käufer. Sie würde die Kosten, die nach einer Sanierung wieder eingenommen werden könnten - zum Beispiel durch Vermietung - bei Weitem übersteigen. Einzig die Garagen seien in einem soliden Zustand, stellt das Gutachten fest.

Was das Haus betrifft, sei ein Abriss hier wirtschaftlicher, heißt es im Gutachten weiter, aber aus Denkmalschutzgründen nicht möglich.

Wohnhaus oder Seniorenresidenz?

Was also hat die geschichtsträchtige Immobilie überhaupt für Aussichten? Auch dazu hat das Gutachten Vorschläge: Denkbar wäre ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus oder zum Beispiel auch eine Seniorenresidenz - wenn die Finanzierung passt.

Mit 41.600 Euro setzt das Gericht den Verkehrswert an. Versteigert wird die Villa am 25. November um 11 Uhr am Amtsgericht in Görlitz.

Das Haus befindet sich in Nachbarschaft zu einer weiteren ortsbildprägenden Neugersdorfer Fabrikantenvilla: der sogenannten Roschervilla nahe Kreisverkehr und Bahnhof. Die war ebenfalls vor Jahren zwangsversteigert worden und steht nun nach zwei Bränden als Ruine da.