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Oberliga: Riesenärger nach Neugersdorfs Spielabsage

Der FC Rot-Weiß Erfurt droht mit fünfstelligen Forderungen. Lothar Berndt, Vorstandssprecher des FC Oberlausitz, tritt verärgert zurück.

Von Frank Thümmler
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Im August war die Neugersdorfer Fußballwelt nach dem Sieg in Bautzen noch in Ordnung. Inzwischen verhagelt der Umgang des Verbandes und eines Kontrahenten mit Corona die Stimmung.
Im August war die Neugersdorfer Fußballwelt nach dem Sieg in Bautzen noch in Ordnung. Inzwischen verhagelt der Umgang des Verbandes und eines Kontrahenten mit Corona die Stimmung. © Archiv: Florian Richter

Neugersdorf. Das für Sonnabend geplante Fußballspiel des Oberligisten FC Oberlausitz beim Ligafavoriten Rot-Weiß Erfurt hat nicht stattgefunden. Neugersdorf ist nach mehreren Coronafällen im Team nicht angetreten.

Der Verein begründet diese Entscheidung auf seiner Homepage so: „Ab Donnerstag meldeten sich mehrere FCO-Spieler krank und erhielten positive Corona-Befunde. Aufgrund der zeitlichen Häufung musste von einer weiteren Ausweitung der Infektionen ausgegangen werden, da alle Spieler und das Funktionsteam untereinander Kontakt gehabt haben. Daraufhin wurde am Donnerstagnachmittag der NOFV telefonisch und am Freitagmorgen noch einmal per Mail über den Corona-Ausbruch informiert. Da mit Stand Freitag, 9 Uhr, nur noch zehn nicht positiv getestete Spieler des Oberliga-Kaders der Männer zur Verfügung standen, wurde eine Spielverlegung beim Verband beantragt.“

Empörung in Erfurt

Dieser Antrag sei gegen Mittag per Telefonat abgelehnt worden, verbunden mit der Auflage, die Mannschaft mit Spielern des Kaders der A-Junioren aufzufüllen und damit zum Spiel anzutreten. Der Einwand, dass die A-Jugend am Sonntag selbst ein Punktspiel in der Regionalliga zu bestreiten habe, hatte zur Folge, dass der Verband dieses A-Jugend-Spiel absetzen ließ. Die verbleibenden Spieler des Männerkaders seien am späten Nachmittag über diese Umstände informiert worden.

„Der Mannschaftsrat lehnte es dann einhellig ab, sich unter diesen Bedingungen für die Spielteilnahme zur Verfügung zu stellen“. Begründet hat der Mannschaftsrat das mit Sorgen um die eigene Gesundheit und auch dem Schutz für die Spieler der gegnerischen Mannschaft. „Alle noch nicht positiv getesteten Spieler hatten noch am Mittwoch im Training direkten Kontakt zu den mittlerweile positiv getesteten Spielern, so dass die Unsicherheit, selbst betroffen zu sein, einfach zu groß ist.“ Der Vorstand, so erklärt Sprecher Lothar Berndt, sah keine Handhabe, die eigenverantwortliche persönliche Entscheidung der Amateurspieler anderweitig zu beeinflussen.

Beim Kontrahenten in Erfurt ist die Empörung groß. Die Nachricht der Spielabsage habe den Verein am Sonnabend völlig überraschend getroffen. „Die Begründung des Gastvereins ist für uns keinesfalls akzeptabel und wir werden gegen dieses amateurhafte Verhalten rechtliche Schritte einleiten“, heißt es auf der Erfurter Homepage. Erfurts Sportdirektor Franz Gerber erklärt über die Homepage: „Diese Nachricht ist ein Schock und ein weiterer Nackenschlag für den FC Rot-Weiß Erfurt in dieser schweren Zeit.“ Das „amateurhafte Verhalten des Gegners“ werde zusätzlich zu den coronabedingten finanziellen Schäden „sicherlich einen weiteren fünfstelligen Betrag kosten. Das werden wir so nicht hinnehmen und uns wehren.“

Zwei Gründe für Berndts Rücktritt

Für Neugersdorfs Lothar Berndt, mit seinen 67 Jahren im Rentenalter und nach vielen Jahrzehnten im Fußball ein erfahrener Mann, bringt diese Sache das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen. Er hat seine Vorstandskollegen beim FC Oberlausitz informiert, dass er von seinem Amt als Vorstandsmitglied und Vorstandssprecher zurücktritt. Ihn ärgert das Verhalten des Verbandes – und auch jenes der Erfurter. Deren Unmut über die aktuelle Absage wirkt durchaus fragwürdig. Denn: Die Partie war ursprünglich bereits für Oktober 2021 angesetzte gewesen, damals aber auf Antrag des FC Rot-Weiß verlegt worden. Die Begründung: Corona-Fälle im Erfurter Spielerkader. „Und ja, wir sind Amateure und stehen dazu“, erklärt Berndt. „Unsere Spieler gehen arbeiten oder studieren.“

Bezüglich des Nordostdeutschen Fußballverbandes ärgern ihn zwei Dinge: Die sächsischen Vereine hatten den Verband auf der Staffeltagung darum gebeten, vier Wochen Vorbereitungszeit zugestanden zu bekommen. „Zugebilligt wurden dann aber gerade mal drei Wochen.“ Nach der langen Unterbrechung seit Mitte November sowie aufgrund des Umstandes, dass Spieler wegen Berufstätigkeit oder Ausbildung nur in den Abendstunden trainieren können, sei dies nach Einschätzung des Trainers sehr problematisch. „Mangelnde Fitness und erhöhte Verletzungsanfälligkeit sind als Folge-Erscheinungen nicht auszuschließen“, sagt Berndt. „Vereine aus den anderen Bundesländern hatten wegen lockerer Coronabestimmungen nur kürzere und geringere Einschränkungen hinzunehmen, was einen eindeutigen Wettbewerbsnachteil für den FCO und die anderen sächsischen Vereine bedeutet.“

Die Entscheidung, jetzt auf der Spielaustragung in Erfurt zu beharren, kann Berndt nicht nachvollziehen, zumal bis hoch in Liga 3 Spiele aus verschiedenen Gründen ausgefallen sind. „Wir müssen die Entscheidung unserer Männer-Spieler, die sich der sportlichen Herausforderung als krasser Außenseiter gestellt hätten, akzeptieren“, sagt er. Es sei den Spielern um einen verantwortungsvollen Umgang mit den Corona-Infektionen gegangen. Außerdem: Laut der sächsischen Corona-Schutzverordnung müssten unter Umständen einige Spieler sogar in Quarantäne.

Die Argumentation des Verbandes, die Mannschaft einfach mit A-Junioren aufzufüllen, findet Berndt falsch. „Wir haben diese Spieler ja nicht für den Oberligakader gemeldet, um mit ihnen als Mannschaft bei den Männern anzutreten, sondern um jenen, die sich das mit ihren Leistungen und ihrem Trainingseinsatz verdient haben, eine Extra-Motivation durch eine Berufung in den Spieltagskader oder gar einen Kurzeinsatz zu geben. Das, was der Verband jetzt fordert, passt aus meiner Sicht nicht zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesen jungen Spielern.“

Fragwürdige Regelung des NOFV

Für den Verband kämen diese Probleme zudem nicht überraschend. „Die Spielordnung wurde durch den NOFV so angepasst, dass bei Häufung von Corona-Erkrankungen ein Verein auch dann spielen muss, wenn mindestens 15 Spieler verfügbar sind. Dabei zählen auch nicht geimpfte Spieler bei Spielen unter 2G-Bedingungen als verfügbar, obwohl sie nicht spielen dürfen. Weiterhin zählen auch verletzte Spieler als verfügbar. Mehrere Vereine – nicht der FCO – haben auf dem Klageweg erfolglos versucht, diese Regelung zu kippen“. Er jedenfalls, so sagt Lothar Berndt, spüre eine große Resignation, die ihn veranlasse, nicht mehr weiterzumachen.

Der FC Oberlausitz wird einen Nachfolger finden müssen und muss mit einer Wertung des Spiels in Erfurt zu seinen Ungunsten rechnen – womöglich inklusive einer Strafe. Hinzukommen könnte noch eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem FC Rot-Weiß Erfurt.