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Will Lawalde Buchholz als Bürgermeister?

Als Löbauer OB ist Dietmar Buchholz der Gesundheit zuliebe abgetreten, er überlegt aber, 2022 in Lawalde zu kandidieren. Dabei hat er im Ort keine strahlende Bilanz.

Löbaus Ex-OB Dietmar Buchholz war schon mal Bürgermeister in Lawalde. Nun erwägt er, für dieses Ehrenamt in Lawalde nochmals zu kandidieren.
Löbaus Ex-OB Dietmar Buchholz war schon mal Bürgermeister in Lawalde. Nun erwägt er, für dieses Ehrenamt in Lawalde nochmals zu kandidieren. © Matthias Weber/photoweber.de

Seit Lawaldes Bürgermeisterin Nadja Kneschke das SZ-Interview mit Dietmar Buchholz gelesen hat, war ihr klar, dass diese Frage kommt. Wie sie es findet, dass ihr Amtsvorgänger nach seinem Rücktritt in Löbau nun überlegt, wieder in Lawalde Ortschef zu werden? "Was soll ich dazu sagen? Gar nichts", kommentiert sie - und lacht. Ein bisschen verblüfft von Buchholz' Ankündigung, eine Bürgermeister-Kandidatur in Erwägung zu ziehen, sei sie schon gewesen, gibt sie zu. Aber bis zur Wahl sei noch rund ein Jahr Zeit - das sei noch nicht ihr Thema: "Aber ja, man muss in Lawalde immer mit allem rechnen."

Auch die beiden Parteien AfD und CDU, die mit je fünf Sitzen den Löwenanteil im zwölfköpfigen Gemeinderat stellen, haben Buchholz' Ambitionen überrascht. Die Lawalder AfD-Gemeinderäte haben über dieses Thema bislang nicht gesprochen, sagt Dieter Jutte, einer der fünf. Buchholz' Erwägungen habe er bis zur SZ-Nachfrage nicht gekannt. "Das ist dann seine Entscheidung - ich habe da nichts dagegen oder dafür", sagt Jutte. Dass Buchholz im Ort Unterstützung fände, glaubt Jutte durchaus. Von der CDU ist die von Buchholz beschriebene Unterstützung aber offenbar nicht ausgegangen: "Das ist derzeit gar kein Thema für uns, bis zur Wahl ist ja noch Zeit", sagt Ringo Hensel, einer der beiden stellvertretenden Bürgermeister. Was in einem Jahr sei, wer für die CDU kandidiere oder wen man unterstütze - alles völlig offen.

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Keine offene Unterstützung - aber Verblüffung

Sehr unterschiedlich sind auch die Reaktionen bei den Vereinen: Heiko Proft vom Karnevalclub Lawalde sagt spontan: "Ich habe das ehrlich gesagt für einen Scherz gehalten!" Thema im Verein sei das jedenfalls noch nicht gewesen. Überrascht gibt sich auch Hagen Heinrich vom Kleintierzüchterverein Lauba und Umgebung, wo man Dietmar Buchholz gut kennt. Aber wegen Corona sei das Vereinsleben in diesem Jahr noch nicht ins Rollen gekommen. Thema war eine Unterstützung von Buchholz bei den Kleintierzüchtern daher nicht. "Er kriegt doch Rente und kann seinen Lebensabend genießen, warum sollte er das noch mal unbedingt machen?", meint Heinrich.

Skeptisch, ob es Dietmar Buchholz wirklich ernst meint, ist Gemeindewehrleiter André Jähne: "Das glaube ich erst, wenn er wirklich antritt", sagt er. Bei der Feuerwehr war das bislang kein Thema, sagt er. Und mit der Bürgermeisterin arbeite man - auch wenn es mal Diskussionen gebe - derzeit gut zusammen. Wie groß die Chancen für den Ex-Bürgermeister sind, könne er schlecht abschätzen, fügt Jähne hinzu.

Das kann auch Jürgen Israel nicht. Der langjährige Gemeinderat für die CDU und erste stellvertretende Bürgermeister weiß um Buchholz' Wirken als Gemeindechef von 1994 bis 2001: Viel Straßenbau, das neue Orts- und Fremdenverkehrszentrum mit Minigolf und Kunsteisbahn - das waren die großen Investitionen bevor er nach Löbau wechselte, zählt Israel auf. "Er hat seine Verdienste - allerdings zulasten einer hohen Verschuldung der Gemeinde." Israel weiß das nur zu gut. Er kennt die mühevollen und zähen Sparanstrengungen der vergangenen Jahre. "Wenn sich Dietmar Buchholz in die Kommunalpolitik einbringen will - muss er es ja nicht unbedingt als Bürgermeister tun", meint er deshalb.

Buchholz' Erbe hat finanzielle Schattenseiten

Tatsächlich hat Lawalde nach Buchholz' Wechsel nach Löbau hart gekämpft, musste eisern sparen, konnte sich wenig leisten - das bestätigt auch Karl Ilg, Kommunalamtsleiter des Landkreises. In seinem Amt werden die Haushaltszahlen der Gemeinden geprüft und gegebenenfalls Auflagen erteilt. Ilg bestätigt auf Nachfrage: "Schwierig war vor allem die Zeit zwischen 1999 und 2005." Ein Fehlbetrag von einer halben Million Euro, zu Hochzeiten von bis zu 700.000 Euro stand da im Etat. Und das bei einem Haushalt, der insgesamt nur um die zwei Millionen Euro beträgt.

Hauptursachen waren damals die großen Investitionen der vergangenen Jahre, die zum Teil teurer geworden waren. Gleichzeitig kamen nennenswerte Gewerbesteuerausfälle hinzu. Damals hatte unter anderem die Entsorgungsgesellschaft EGLZ ihren Hauptsitz nach Zittau verlegt, was sich auswirkte. Zusätzlich schwebten noch mögliche Zahlungen für Grundstücke mit unklarem Eigentumsanspruch über der Gemeinde - für das "Stadt Hamburg" zum Beispiel.

Die Folge: Auch wenn Lawalde ab 2006 wieder einen "normalen" Haushalt aufstellen und das Minus ausgleichen konnte, war auch in den Folgejahren Schmalhans Küchenmeister: "Die letzten 15 Jahre konnte die Gemeinde nicht übermäßig viel investieren", konstatiert Ilg. Auf vieles mussten die Bürger in den Jahren verzichten: Die Schulküche wurde geschlossen, zwei Bauhof-Mitarbeiter mussten entlassen werden. Selbst zum Dorffest konnte die Gemeinde zeitweise kaum etwas beisteuern, an der Zwangsverwaltung rutschte der Ort nur knapp vorbei.

Das ist bis heute zu spüren. Auch in den jüngsten Etatplanungen fällt von Bürgermeisterin Nadja Kneschke immer wieder der Satz: "Mehr können wir uns nicht leisten." Dabei ist die Investitionsliste lang - von einer neuen Kita bis zum zentralen Feuerwehrdepot bis zur Sanierung des "Stadt Hamburg". Dies alles nun dem früheren Wirken von Dietmar Buchholz anzulasten, wäre allerdings nicht fair, zumal auch äußere Faktoren sich ungünstig entwickelten. Aber der Ausgangspunkt der finanziellen Krise und der Schuldenklotz am Bein der Gemeinde liegt in den großen Investitionen der Jahre um die Jahrtausendwende. Eine Lösung dafür musste Buchholz' Nachfolgerin finden.

Apropos: Wie steht es eigentlich um die Motivation von Nadja Kneschke bei der kommenden Bürgermeisterwahl? "Ich trete wieder an - na klar", sagt sie. Ob sie dabei gegen Dietmar Buchholz kandidieren muss, bleibt eine spannende Frage.

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