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Meißen

Aktion Dachstein für das Wasserschloss

Bei der Dachsanierung sollen auch gleich Sandsteinelemente erneuert werden. Das kostet aber viel Geld. Woher nehmen? Der Schlossverein hat eine Idee.

Das Wasserschloss Oberau soll in diesem Jahr ein neues Dach bekommen. Doch der Förderverein plant noch etwas anderes.
Das Wasserschloss Oberau soll in diesem Jahr ein neues Dach bekommen. Doch der Förderverein plant noch etwas anderes. © Claudia Hübschmann

Niederau. Wer ein altes Haus saniert, für den ist es eine Binsenweisheit: Man beginnt immer mit dem Dach, erst danach kommen Fenster und Fassade dran. Im Wasserschloss Oberau ist das aber anders. Der Grund: Eine Dachsanierung ist verdammt teuer. Das Geld, das dafür notwendig ist, haben weder die Gemeinde Niederau noch der Verein Wasserschloss Oberau. Beide bemühen sich seit vielen Jahren, das Kleinod vor dem Verfall zu bewahren.

Doch in diesem Jahr könnte es klappen. Mit Fördermitteln des Dresdner Heidebogens aus dem Leader-Förderprogramm, die Ende vergangenen Jahres kurz vor Ablauf der Förderperiode doch noch bewilligt wurden, kann voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte mit der Dachsanierung begonnen werden. Insgesamt 336.000 Euro sollen die Arbeiten kosten. 235.000 Euro kommen vom Förderverein Dresdner Heidebogen, der Förderverein Wasserschloss Oberau wird 20.000 Euro beisteuern. Den Restbetrag zahlt die Gemeinde Niederau als Eigenmittel.

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45.000 Euro Spenden nötig

Der Verein will dies aber nutzen, um weitere wichtige Arbeiten gleich mit durchführen zu lassen. "Da für die Dacharbeiten ohnehin ein Gerüst aufgebaut wird, könnten bei dieser Gelegenheit und ohne zusätzliche Gerüstkosten gleich viele verwitterte Sandsteinelemente an der Fassade saniert werden", sagt Jens Kutschke, der im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und mit 41 Jahren eines der jüngeren der 40 Vereinsmitglieder ist.

Die Elemente müssen allerdings bereits vor Beginn der Baumaßnahmen gefertigt werden. Insgesamt sind 36 Obelisken und 16 Voluten notwendig, davon zwölf neue Obelisken und sechs Voluten für die „Postkartenansicht“ von Osten, 24 weitere Obelisken und zehn weitere Voluten für das gesamte Schloss.

Billig ist das Ganze nicht gerade. Die Herstellung eines Obelisken kostet rund 500 Euro, die einer neuen Volute sogar 1.700 Euro. Insgesamt werden also mehr als 45.000 Euro nötig sein. Das Problem daran: Die Sandsteinelemente sind nicht Teil der Dachsanierung, werden also auch nicht gefördert. Woher das Geld also nehmen? Der Verein hat eine Idee. Das Geld soll durch Spenden aufgebracht werden. "Das ist schon ein sehr ambitioniertes Ziel. Wir haben zwar schon andere Spendenaktionen erfolgreich durchgeführt, aber nicht mit einer solch hohen Summe", sagt Jens Kutschke.

Postkartenansicht hat Priorität

Der Verein hat nun die Spendenaktion "Dachstein" gestartet. Spender können sich in Form einer Patenschaft für ein Element beteiligen, auch Kleinspenden sind möglich. "Interessierte Paten werden auf Wunsch vorab vor Ort und aus erster Hand über das Vorhaben informiert und können einen Blick in das Schloss und auf die notwendigen Arbeiten werfen", so Kutschke.

Der aktuelle Spendenstand wird auf der Homepage des Vereins veröffentlicht und wöchentlich aktualisiert. Mit Stand 18. Januar gingen bisher 6.500 Euro an Spenden ein. Da ist es noch ein langer Weg bis zur angestrebten Summe. "Unser Ziel ist es, das Geld bis zur zweiten Jahreshälfte zusammen zu haben", sagt der Niederauer. Sollte die Summe nicht zusammenkommen, soll aber die Gemeinde nicht belastet werden. "Dann könnten wir eben nur einen Teil der Sandsteinelemente erneuern. Priorität hat für uns die Postkartenansicht", so Jens Kutschke. Gern würde der Verein weiteres Geld durch Veranstaltungen am und im Wasserschloss generieren. Das sei aber derzeit wegen Corona ausgeschlossen.

Hoffnung für die Nebengebäude

Der Förderverein hat in den letzten Jahren mit Unterstützung der Gemeinde und von Bürgern und Vereinen das Wasserschloss als kulturelle Bereicherung für die Gemeinde Niederau und Umgebung etabliert. Der Verein engagiert sich seit seiner Gründung im Jahr 2012 für den Erhalt des Schlosses und dessen kulturelle Nutzung. Konzerte, Vorträge und die Oberauer Schlossweihnacht haben sich in den letzten Jahren als eine feste Größe etabliert. Im vergangenen Jahr musste aber auch die Schlossweihnacht ausfallen.

Nicht nur für das Schloss selbst könnte dieses Jahr mit der Dachsanierung ein entscheidendes werden. Auch für die teils ruinösen Nebengebäude hat sich jetzt ein potenter und ernsthafter Investor gefunden. Er will in den ehemaligen Scheunen moderne Wohnungen bauen. Auch Tiefgaragen und ein Blockheizkraftwerk sollen entstehen. Noch steht das Projekt ganz am Anfang. Doch die Bauvoranfrage wurde schon vom Gemeinderat positiv entschieden.

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  • Spenden können auf das Konto IBAN: DE75 8505 5000 0500 120 838, BIC: SOLADES1MEI, der Sparkasse Meißen unter dem Betreff "Spendenaktion Dachstein" eingezahlt werden. Im Betreff sollte eine Kontaktinformation wie die Email-Adresse aufgeführt werden, damit eine Spendenbescheinigung zugestellt werden kann.

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