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Pirna: Wie zwei Kulturstätten nicht nur den Beatles eine Bühne geben

Pirnas Kultur profitiert von der Pandemie. Was aus und in der Not geboren wurde, soll darüber hinaus Zukunft haben.

Von Dresden nach Pirna zu den Beatles: Familie Gehmlich hatte die Karten geschenkt bekommen.
Von Dresden nach Pirna zu den Beatles: Familie Gehmlich hatte die Karten geschenkt bekommen. © Marko Förster

Es klingt absurd: In einer Zeit, da die Kultur immer noch mit den Folgen der Lockdowns kämpft, blüht sie in Pirna auf. Einen Monat lang an der Elbe. Hier haben sich für 17 Veranstaltungen im Kultur-August das Tom-Pauls-Theater und die Kleinkunstbühne Q24 erstmals zusammengetan. Am Sonnabend ließ das Freddie Ommitzsch Studio Ensemble die Beatles aufleben.

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Einkaufsnacht am 1. Oktober in Dresden

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Viele im Publikum sind im doppelten Sinne des Wortes "alte" Beatles-Fans. Die Gehmlichs aus Dresden zum Beispiel. Sie haben die Karten von den Kindern geschenkt bekommen. Die Beatles, das war ihre Zeit. "Mal sehen, was die Beatles zu bieten haben", sagen sie vor Konzertbeginn. Später dann wippen sie wie die meisten kräftig mit. Es erklingen zunächst viele zumindest für den nicht eingefleischten Beatles-Fan eher unbekannte Lieder. Der Aufforderung zum Tanzen kommt das Publikum erst nach, als es dunkel ist. Volkmar Hollstein ist da schon gegangen. Er hatte die ganze Zeit gestanden und sich über die steif sitzenden Besucher mokiert. Aber nicht deshalb ging er eher, er wollte noch Fußball gucken.

Als es dunkel wurde, trauten sich die Pirnaer Besucher und tanzten vor der Bühne, auf der die guten alten Beatles-Titel gespielt wurden.
Als es dunkel wurde, trauten sich die Pirnaer Besucher und tanzten vor der Bühne, auf der die guten alten Beatles-Titel gespielt wurden. © Marko Förster

Bis zum Ende geblieben sind die Brauns aus Pirna mit ihren Magdeburger Enkelinnen, die zu den jüngsten Besuchern gehörten. Während Annika wirklich Beatles-Fan ist, wird das Michelle trotz des Namens eines Beatles-Lieds und der geschenkten Karten nicht. Nächstes Jahr wollen Oma und Opa mit Annika nach Liverpool ins Beatles-Museum fahren. Vielleicht überlegt es sich Michelle ja bis dahin. Ab und zu mit gewippt hat sie ja schon am Sonnabendabend.

Nächstes Jahr mit mehr Plätzen

Ein paar Leute haben es sich außerhalb des abgegrenzten Bereiches an der Elbe und dem Radweg gemütlich gemacht. Bei anderen Veranstaltungen, zum Beispiel von Stern Meißen, waren es mehr. Auch drinnen waren am Sonnabend noch Sitze frei. Dennoch soll die Kapazität von 300 nächstes Jahr auf 500 erhöht werden.

Noch ist der diesjährige Kultur-August nicht vorbei, da scheint schon festzustehen, er soll fortgesetzt werden. Von den Tom-Pauls-Leuten ebenso wie von denen vom Q24 ist immer wieder ein Satz zu hören: Warum haben wir das nicht schon eher gemacht?

Ein Interview, ein Anruf, ein Monat

Weil die beiden nur eine gefühlte Armlänge voneinander liegenden Pirnaer Kulturstätten zu verschieden sind, im Repertoire, der Machart, der Organisation. Das Theater privatwirtschaftlich geführt, die Kleinkunstbühne ehrenamtlich von einem Verein. Man hatte nichts gegeneinander, schickte sich schon mal Besucher, aber es gab eben auch nichts miteinander. Als man in beiden Häusern allein im Dunkeln saß, gab es erst ein Interview bei sächsische.de, dann einen Anruf und schließlich das Gemeinschaftswerk. Uwe von Schroeter hatte in dem Gespräch im Januar gesagt: Wir müssen den Sommer verlängern. Das ließ sich Tom Pauls nicht zweimal sagen. So entstand der kulturvolle August.

Grinsen im Gesicht

Es ist ein Gemeinschaftswerk im mehrfachen Sinne geworden. Zwar haben beide Häuser jeweils "ihre" Veranstaltungen, bei denen sie den Hut aufhaben. Doch es sind immer auch die anderen da. So wie am Sonnabend. Am Eingang steht Annemarie Jaschinski vom Tom-Pauls-Theater, Frank Tittel vom Q24 macht wieder Videoaufnahmen und Gert Lorenz ist bis auf einmal bisher stets da gewesen. Er ist der Mann für den Aufbau und den Abbau und alles dazwischen und schwärmt vom Gelände, das Atmosphäre hat, von der Gastronomie, den Künstlern und dem Publikum, von allem. "Ich laufe immer mit einem Grinsen im Gesicht rum", sagt er.

Die Veranstaltungen am letzten Kultur-August-Wochenende:

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Die 15 Veranstaltungen an der Elbe haben eine Vorgeschichte, die im Januar begann und erstmals zwei Theater zusammenführt. Gert Lorenz führt beim Aufbau Regie.

  • 26. August, 19 Uhr: Starfucker, Rolling Stones Coverband;
  • 27. August 19 Uhr: Tom Pauls, "Deutschland, deine Sachsen";
  • 28. August, 10.30 Uhr: Konzert für die ganze Familie, Liedermacher Whysker aus Freital, Eintritt frei, Reservierung erforderlich;
  • 28. August, 19 Uhr: Die Zöllner;
  • 29. August, 18 Uhr: Peter Flache, "Kessel Flaches";
  • Informationen/Reservierungen für Tom-Pauls-Theater 03501 7793122; für Q24 03501 506800 sowie www.tom-pauls-theater-pirna.de und www.q24pirna.de.

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