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Auf Boofer-Streife im Nationalpark

Die Felslandschaft in der Sächsischen Schweiz ist auch nachts gut besucht. Ranger und Polizei kontrollieren, dass niemand Feuer macht.

Polizei und Ranger kontrollieren eine Boofe am Winterstein: Kein Feuer, kein Verstoß.
Polizei und Ranger kontrollieren eine Boofe am Winterstein: Kein Feuer, kein Verstoß. © Daniel Schäfer

Ranger Michael Hörenz schabt mit seinem Wanderstiefel durch die schwarze Asche. Dass hier jemand Feuer gemacht hat, ist im Sand noch deutlich zu sehen. Die Feuerstelle ist jedoch schon ein paar Tage oder Wochen alt, aktuell ist die Boofe nicht belegt. Das darf sie auch gar nicht sein: Der Felsvorsprung am Vorderen Pechofenhorn, in dem der Nationalparkwächter gerade steht, ist nicht als offizielle Boofe ausgewiesen. Das Draußenschlafen ist an dieser Stelle nicht gestattet. Feuern ist ohnehin in allen sächsischen Wäldern immer verboten. Zwei Verstöße - ohne greifbaren Urheber.

Die Nationalparkwacht ist auf einem ihrer täglichen Kontrollgänge - an diesem Donnerstagabend einmal mehr in Begleitung der Polizei. Sechs Teams von jeweils einem Ranger und zwei Polizisten sind in der Felsenlandschaft rings um das Kirnitzschtal unterwegs. Das Elbsandsteingebirge ist voller Besucher, nach tagelanger Hitze herrscht Waldbrandstufe drei. 

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Im Sommer 2018 hatte es 19 Waldbrände in der Sächsischen Schweiz gegeben, die meisten davon ausgelöst durch illegale Feuerstellen. Erst Anfang Juni stand ein Steilhang unterhalb der Schrammsteinaussicht in Flammen - mutmaßlich ausgelöst durch eine heruntergeschnippte Zigarettenkippe. 

Ranger Michael Hörenz (li.) und Nationalparksprecher Hanspeter Mayr: In der Kernzone des Nationalparks ist es streng verboten draußen zu übernachten.
Ranger Michael Hörenz (li.) und Nationalparksprecher Hanspeter Mayr: In der Kernzone des Nationalparks ist es streng verboten draußen zu übernachten. © Daniel Schäfer

Es geht um Präsenz. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass man sich im Nationalpark an bestimmte Regeln zu halten hat", sagt Nationalparkleiter UIf Zimmermann. Wer sich daran hält, ist gern gesehen - wer nicht, der nicht. Der seit Juni amtierende neue Chef des Schutzgebiets ist an diesem Abend selbst mit draußen unterwegs. Schon mehrfach haben Polizei und Nationalparkwacht per Hubschrauber nach illegalen Feuerstellen gesucht. Heute geht es zu Fuß ins Gelände. 

Auf dem Weg zum Winterstein, auch Hinteres Raubschloss genannt. Ranger Michael Hörenz steigt, gefolgt von zwei Polizisten, einen wurzeligen Pfad nach oben. An einem Samstagmorgen früh um sechs hat er kürzlich ganze 17 Menschen in Schlafsäcken auf dem Gipfelplateau ertappt, berichtet er. Die Schlafgäste bekommen demnächst Post mit einem Bußgeldbescheid. Am Winterstein gibt es drei zugelassenen Boofen, auf dem Gipfelplateau selbst darf jedoch niemand nächtigen. 

Lärmende Menschen verschrecken die Tiere

Hörenz ist von Haus aus Ornithologe. Im Frühjahr hat er mit dem Fernglas ein Wanderfalken-Weibchen beim Nisten beobachtet. Ein paar Besucher standen auf dem Winterstein und riefen laut ins Tal, weil sie ihr Echo hören wollten, erzählt er.  Obwohl sich die Brutstelle gut 500 Meter entfernt befand, fühlten die Wanderfalken sich gestört und verließen wenig später den Horst. 

Fünf junge Leute und ein Hund kommen den Weg zum Winterstein hinaufgestapft. Sie sind mit Rucksäcken, Isomatten und einem Kühlbeutel von Lidl bepackt. Boofer - das ist offensichtlich. Nationalparksprecher Hanspeter Mayr, der heute ebenfalls mit auf Streife ist, spricht die Gruppe auf Englisch an. Es sind internationale Studenten, die in Dresden studieren. Von Freunden wissen sie, dass man hier draußen übernachten kann. Jetzt sind sie auf der Suche nach einem Unterschlupf. 

Ein paar Minuten später ist klar, dass das nichts wird. Zumindest nicht hier am Winterstein. In Boofe Nummer eins am Fuße der Felswand sind bereits vier Isomatten ausgerollt, Socken und T-Shirts hängen zum Lüften über den Ästen. Ein Felsband weiter oben, in Boofe Nummer zwei, das gleiche Bild. Die Studenten sind zu spät dran. Auf dem Gipfel hätten sie keinesfalls schlafen wollen, erklären sie lachend, schon wegen des kleinen Hundes, den sie dabei haben. Hanspeter Mayr erklärt ihnen noch den Weg zur nächsten zugelassenen Übernachtungsstelle. Ob sie es vor Einbruch der Dunkelheit schaffen und was sie tun, wenn dort auch kein Platz mehr ist, bleibt offen.

Über zwei Stiegen und eine eiserne Leiter geht es durch enge Felsspalten auf den Gipfel des Wintersteins. Oben herrscht kurz nach 20 Uhr Hochbetrieb. Ein Dutzend junger Menschen sitzt auf dem Felsplateau und wartet auf den Sonnenuntergang. Eine Dreiergruppe aus Kassel ist gerade fertig mit Schnippeln: Eine große Pfanne voller Zucchinischeiben steht startbereit auf dem Gaskocher, die Gemüsespieße mit Tofuwürfeln liegen daneben bereit. 

Selbst Gaskocher gelten als gefährlich

Die Nationalparkmitarbeiter haben schlechte Nachrichten für die hungrigen Urlauber: Die Küche muss kalt bleiben. Lange Zeit wurden Gaskocher noch geduldet, auf Drängen der Feuerwehren sei dies aber nun vorbei, erklärt Nationalparksprecher Mayr. Das Gleiche gilt für Kerzen. Die Gefahr sei einfach zu groß, dass doch mal etwas umkippt und den ausgetrockneten Waldboden entzündet. 

Kochen in der Boofe: Gaskocher wurden lange Zeit geduldet, das ist inzwischen anders.
Kochen in der Boofe: Gaskocher wurden lange Zeit geduldet, das ist inzwischen anders. © Dirk Schulze

Die Jugendlichen nehmen die Ansage ohne Diskussion hin. Sie haben vorab extra nach den zugelassenen Boofen recherchiert und sogar im Nationalparkzentrum in Bad Schandau nachgefragt. Alles vorbildlich. Das Gleiche gilt für eine Vierer-Gruppe aus Rostock, die schon seit einer Woche draußen campiert. Einer von ihnen ist Kletterer, auch sie versichern, nur die offiziellen Boofen zu nutzen und kein Feuer zu entzünden.  

Auf einem Felsmassiv gegenüber sieht es anders aus. Dort haben die Ranger an der Aussicht an den Westelschlüchten ein Zelt erspäht - mitten in der Kernzone des Nationalparks. Die beiden Wildcamper müssen abbauen und mit einer Geldstrafe rechnen. 

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