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Bohren für den Bahntunnel

Die nächste Etappe auf dem Weg nach Prag: In Großsedlitz arbeitet sich der Bohrer jetzt 95 Meter in die Erde.

Großer Bohrer für ein großes Vorhaben: Brunnenbauer Vincent Ott bedient das Gerät, das derzeit in Großsedlitz steht.
Großer Bohrer für ein großes Vorhaben: Brunnenbauer Vincent Ott bedient das Gerät, das derzeit in Großsedlitz steht. © Daniel Schäfer

So viel Aufmerksamkeit für seine Arbeit ist Vincent Ott nicht gewohnt. Der Brunnenbauer  bedient den großen Bohrer am Ende der Pflaumenallee in Großsedlitz. Am Mittwoch sehen ihm etliche Bahn-Leute, Fotografen und Journalisten dabei zu. Den jungen Mann stört das nicht. Geduldig beantwortet er Fragen und behält immer den Monster-Bohrer im Blick. Der arbeitet sich in den nächsten Wochen insgesamt rund 95 Meter in die Erde. Ein Klacks im Vergleich zu Otts tiefster Bohrung. Die reichte 400 Meter ins Innere der Erde. Das war für seismologische Messungen. Diesmal geht es um einen Tunnel. Den, den die Bahn für Personen- und Güterzüge zwischen Heidenau  bei Dresden und Prag bauen will. 

Geheimnisse aus 800 Millionen Jahren

Um zu wissen, wie der Tunnel beschaffen sein muss, muss man wissen, wie die Erde beschaffen ist - und dafür sind die Bohrungen notwendig. In Großsedlitz liegen mächtige Ablagerungen aus der Eiszeit. Das sind lockere Gesteine wie Sand und Kies, dazwischen Lehm und Kreide. Die Geologen sagen Dreck. Es ist also kein kompaktes Gestein. Dazu kommt das Grundwasser. Von der Geologie erwartet sich die Bahn wichtige Aussagen über das, was in dem bis zu 800 Millionen Jahre alten Gestein liegt.

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Die Gesteinsproben aus der Tiefe der Großsedlitzer Erde werden nun untersucht.
Die Gesteinsproben aus der Tiefe der Großsedlitzer Erde werden nun untersucht. © Daniel Schäfer

Die Kerne, die der Bohrer aus der Erde herausschraubt, werden untersucht, zum Beispiel in der Bergakademie Freiberg und an der Universität Aachen. Proben werden außerdem im Kernlager in Pirna aufbewahrt. Mindestens bis zum Baubeginn. Dafür gibt es nach wie vor keinen konkreten Termin. Zu viele Unwägbarkeiten sind noch zu klären. Die Bohrungen sind ein Teil, sie auszuräumen. 

Bis 2024 will die Bahn erst einmal die Voruntersuchungen abgeschlossen haben. Das ist jetzt die nächste Etappe, nachdem die Landesdirektion ihre Untersuchungen abgeschlossen hat. Danach sind von den sieben Varianten für den Verlauf der Bahnstrecke vier übrig geblieben. Bei drei von ihnen verläuft die Strecke im Volltunnel, bei einer zum Teil offen. 

Die Bohrungen in Fakten

  • Neun Bohrungen zwischen August 2020 und Mai 2021.
  • Gebohrt wird in Großsedlitz, Niederseidewitz, Borna, Gersdorf, Börnersdorf und Breitenau.
  • Die tiefste Bohrung ist 400 Meter. 
  • Der Bohrdurchmesser beträgt 146 Millimeter.
  • Etwa zehn Meter schafft der Bohrer am Tag.

Konkrete Trassen sind damit noch nicht festgelegt. Das ist erst nach den Bohrungen möglich. Nach jeder muss abgewogen werden, wie groß sind Risiko und Aufwand. Beide zu minimieren ist Aufgabe von Projektleiter Kay Müller. Dabei wirft jede Bohrung neue Fragen auf, sagt er. Und die neun Bohrungen jetzt sind nicht die ersten und auch nicht die letzten. Dramatisches aber erwartet er nicht. Auch nicht, auf Gold oder Erdöl zu stoßen.  "Am Ende ist die Geologie ein Kriterium dafür, wo am Ende die Bahnstrecke entlang führen wird", sagt Müller.

Kay Müller ist der Herr über das Bahnprojekt "Eisenbahnstrecke Dresden-Prag".
Kay Müller ist der Herr über das Bahnprojekt "Eisenbahnstrecke Dresden-Prag". © Daniel Schäfer

Dass Heidenau eine der Hauptlast der Strecke tragen wird, steht inzwischen fest. Egal, wie der Tunnel konkret verläuft, in Heidenau soll der Eingang sein. Und vor diesem müssen die Züge sortiert werden. Das bedeutet mehr Gleise und mehr Gleise bedeuten mehr Lärm. Heidenau wird damit noch mehr zerschnitten, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Marion Franz. 

Vom Bohrer bald nichts mehr zu sehen

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Von sieben Varianten sind vier übrig geblieben. Welche gebaut wird, ist noch offen. Die Bürgerinitiative ist unzufrieden und Heidenau erwischt es besonders hart.

Während sich die Besucher seines Arbeitsplatzes noch umschauen, widmen Vincent Ott und sein Kollege sich wieder dem Bohrer. Der bringt gerade einen Schwall Wasser und das nächste Kernstück zutage. Für den weiten Blick in Richtung Dresden und die Sächsische Schweiz hat Ott keine Zeit. Wenn der Bohrer in etwa vier Wochen weiterzieht, soll an der jetzigen Stelle in Großsedlitz nichts mehr an ihn erinnern. 

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