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Dresdner Pflege-Azubis in der Krise

Statt ihre Ausbildung zu starten, mussten die Pflege-Neulinge des Uniklinikums zu Hause lernen. Jetzt starten sie im Crashkurs in die Praxis.

Die Plege-Azubis Laura Tesch (r.) und Peppa Zoe Scharfenberg lernen, eine Infusion vorzubereiten.
Die Plege-Azubis Laura Tesch (r.) und Peppa Zoe Scharfenberg lernen, eine Infusion vorzubereiten. © Marion Doering

Dresden. Der Start war holprig. Für alle. Wenn jemand Neuland betritt, kann das passieren. In diesem Fall hieß das Neuland Corona. Dass die 45 jungen Frauen und Männer Anfang März eine Ausbildung begonnen haben, die es so zuvor nicht gab, spielte dabei eine untergeordnete Rolle. 

Mussten sich Jugendliche bisher entscheiden, ob sie Gesundheits- und Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger oder Altenpfleger werden wollen, absolvieren sie nun die neue, generalisierte Ausbildung zur Pflegefachkraft. Näher dran an der Praxis soll sie sein und offen lassen, ob ein künftiger Pfleger einmal im Seniorenheim oder im Krankenhaus arbeiten wird. 

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Endspurt - jetzt geht es um alles! Denn das Ende der Schulzeit rückt in greifbare Nähe und damit auch die Chance auf einen der heiß begehrten Wunschausbildungsplätze.

Die Pflege-Azubis des Dresdner Universitätsklinikums sind die ersten der Stadt, die diesen Weg gehen - zusammen mit ihren Lehrern der Carus Akademie, wo der theoretische Unterricht stattfindet, und ihren Anleitern auf den Stationen. Denn das Uniklinikum begrüßt nicht wie andere Ausbilder ausschließlich im Sommer ihre Neulinge. Auch im März starten junge Leute dort ihre Ausbildung. 

Dann platzten vorerst alle Pläne und Träume. Wie jede andere Schule der Stadt musste auch die Akademie den Betrieb einstellen und stieg auf Beschulung zu Hause um. Die Schwierigkeit: Noch gab es keinen Schulstoff, den die angehenden Pflegefachfrauen und -männer hätten vertiefen und üben können. Wissen auf Distanz zu vermitteln, ist eine schwierige Sache. Das weiß auch Lehrer Mario Zado. Doch, um zu vermeiden, dass seine Schüler all zu viel Zeit verlieren, stellte er rasch Unterrichtsstoff für das Homeschooling zusammen.

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"Neben zahlreichen Belehrungen gehören zum ersten Modul die Themen Erste Hilfe, Schmerz, pflegerische Grundversorgung und das Selbstverständnis im Pflegeberuf", erklärt er. Über letzteres hatten sich die neuen Azubis bereits viele Gedanken gemacht, bevor sie sich überhaupt für diesen Ausbildungsplatz beworben haben: Dass Schichtdienste mit körperlich und seelisch anstrengende Aufgaben auf sie zukommen. Dass der Respekt vor helfenden, sozialen Berufsgruppen in der Gesellschaft immer noch nicht so groß ist, wie sie es verdienen. Und dass in manchen Unternehmen Wertschätzung und Entlohnung zu wünschen übrig lassen.

"Für mich steht das Geld nicht an erster Stelle", sagt Peppa Zoe Scharfenberg. Sie gehört zu jenen, die gerade das erste Lehrjahr begonnen haben. "Mir gefällt, dass ich etwas für Menschen tun kann, die sich nicht allein helfen können." Ihre Interessen, Medizin und die Arbeit mit Kindern, kann die 17-Jährige am Uniklinikum vereinen. Sie hat sich für den vertiefenden Ausbildungsschwerpunkt Pädiatrie entschieden.

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Am Dienstag startete sie zusammen mit gut 40 Jugendlichen ins erste Praktikum und wird in der Kinderchirurgie arbeiten. Darauf freut sie sich schon sehr, auch wenn die drei Einführungstage, die zu jedem Praxisbeginn gehören, auf einen Tag reduziert werden mussten. Belehrungen, Anleitungen und Übungen dürfen nur in kleinen Gruppen stattfinden, Kontakt mit Patienten ist zur Zeit verboten, und etliche Lehrkräfte fehlen, weil sie sich gerade in Lehrgängen selbst für den Ernstfall schulen lassen, beispielsweise im Umgang mit Beatmungsgeräten.

Mit den entscheidenden Informationen ausgestattet, geht es für Peppa und die anderen nun auf Station. Dazu gehört zu forderst das Thema Hygiene. Was Corona-Schutz bedeutet, darin sind die Azubis trotz knapper Übungszeit fit. Angst vor Ansteckung haben sie nicht. "Wenn ich mich fürchten würde, wäre ich nicht in dieser Ausbildung", sagt Peppa. 

Ihre Mitschülerin Laura-Michelle Dittmann ist sogar dankbar für diese besondere Situation: "Ich kann meine Arbeit gleich zu Beginn im Krisenmodus kennenlernen. Das empfinde ich als eine super Vorbereitung." Bei allen Schwierigkeiten sei das eine große Chance.

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