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Dresden: Infektionsgefahr in Sommerferien?

Gibt es wieder mehr Fälle, wenn die Dresdner bald Urlaub machen? Dieter Teichmann, Infektiologe am Städtischen Klinikum, über die Lage.

Ist die Infektionsgefahr in den Ferien höher als in Dresden?
Ist die Infektionsgefahr in den Ferien höher als in Dresden? © picture alliance / dpa

Dresden. In zwei Wochen bekommen die Dresdner Schüler ihre Zeugnisse und die für sie schönste Zeit des Jahres beginnt: die Sommerferien. Steigt dann möglicherweise die Gefahr einer Corona-Infektion wieder an? Dieter Teichmann ist Leitender Oberarzt und Infektiologe am Städtischen Klinikum. Er beantwortet die wichtigsten Fragen zu möglichen Regeln für den Urlaub, zum Ende des Homeoffice und möglichen Spätfolgen einer Corona-Erkrankung.

Herr Dr. Teichmann, welche Gefahr für das Geschehen in Dresden geht von den Sommerferien aus? Rechnen Sie wieder mit mehr Corona-Fällen, wenn Dresdner nach Italien und Co. reisen? 

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Natürlich gibt es eine gewisse Gefahr, wenn die Dresdner jetzt wieder in den Sommerferien reisen. Doch auch im Urlaub gilt wie in Dresden: Wenn wir Maßnahmen beachten wie Mundschutz tragen, wenn wir auf viele Menschen treffen, regelmäßiges Händewaschen und Abstand halten, können wir das Risiko minimieren.

Ist denn das Risiko in europäischen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich, die viele Fälle hatten, höher als an der Ostsee? 

Das Risiko ist da, aber händelbar. Sonst hätte die Bundesregierung die Reisewarnung für diese Länder nicht aufgehoben. 

In Dresden gibt es aktuell sehr wenige Fälle, ist die Pandemie hier überstanden? 

Das Virus ist nach wie vor da, das sehen wir in den USA und Brasilien, aber auch in Deutschland bei den Ausbrüchen in Gütersloh oder Warendorf. Bisher wurden 5.446 Menschen in Sachsen positiv getestet, davon sind 222 gestorben. In Dresden sind dies bisher 627 positiv Getestete mit 10 Verstorbenen. Mit 134 Corona- Nachweisen pro 100.000 Einwohner liegt Sachsen im Vergleich der Bundesländer im unteren Drittel, in dem sich alle neuen Bundesländer befinden. Zum Vergleich: Bayern mit 370 Fällen pro 100.000 Einwohner oder Baden-Württemberg mit 322 auf 100.000. 

Dr. med. habil. Dieter Teichmann ist Facharzt für Innere Medizin, Tropenmediziner, Infektiologe und Leitender Oberarzt am Städtischen Klinikum Dresden.
Dr. med. habil. Dieter Teichmann ist Facharzt für Innere Medizin, Tropenmediziner, Infektiologe und Leitender Oberarzt am Städtischen Klinikum Dresden. © Städtisches Klinikum Dresden

Viele Dresdner scheinen jetzt nachlässiger zu werden, tragen immer häufiger keine Maske und halten keinen Abstand, ist das zu sorglos? 

Wie die letzten Infektionshäufungen und auch Ausbrüche der Erkrankung in verschiedenen Betrieben einzelner Landkreise in Deutschland zeigen, ist das Virus natürlich auch aus Deutschland nicht verschwunden. Schnell können dadurch einzelne Landkreise - wie geschehen in Gütersloh und Warendorf - oder auch ganze Regionen wieder mit deutlich höheren Infektionszahlen konfrontiert werden. Das könnte wieder zu höheren Einschränkungen führen.

Immer mehr Dresdner Betriebe holen ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück, ist das zu früh? 

Auch hier gilt es, die Hygienemaßnahmen einzuhalten. Wir kennen die Ausbrüche in großen Firmen aktuell unter anderem von fleischverarbeitenden Betrieben, Erntehelfern, Restaurants oder bei religiösen Zusammenkünften. Dies kann aber in weiteren Betrieben passieren, insbesondere dort, wo viele Beschäftigte mit beengtem Platzangebot und schlechter Belüftung arbeiten. Maßnahmen wie Teambildung in Verbindung mit Abstand und Hygiene können hierbei zur Minimierung eines Risikos beitragen. Hierbei muss man einen Weg zwischen Hysterie und Sorglosigkeit finden. Beide sind keine guten Ratgeber. 

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob in den Dresdner Schulen nach den Sommerferien zum Regelbetrieb zurückgekehrt werden kann. Wie bewerten Sie das? 

Wenn die Zahlen sich weiter auf diesem niedrigen Niveau bewegen, steht dem aus meiner Sicht nichts entgegen, aber auch hier sollte weiter auf die Hygiene- und Abstandsregeln geachtet werden.

Gibt es denn inzwischen neue Erkenntnisse zu den Risikofaktoren für eine Covid-19 Erkrankung? 

Am Städtischen Klinikum Dresden haben wir mittlerweile eine höhere zweistellige Anzahl an SARS-CoV-2 erkrankten Patienten stationär betreut. Der überwiegende Anteil dieser Patienten hatte chronische Vorerkrankungen von Herz und Kreislauf, Lungen- oder Stoffwechselerkrankungen beziehungsweise ein höheres Lebensalter als Risikofaktor für die Entwicklung einer schweren Covid-19-Erkrankung. Auch aktuell befinden sich Patienten aufgrund Covid-19 in unserer Betreuung. 

Was wissen wir inzwischen über die Langzeitschäden nach einer Covid-19-Erkrankung?

Es mehren sich Hinweise auf langfristige Folgeschäden nach überstandener Virusinfektion wie unter anderem Lungengerüsterkrankungen (Fibrose) und Herz- und Nierenschädigungen. Sorglosigkeit ist aus medizinischer Sicht nicht angebracht, denn eine medikamentöse Therapie, die die Ursachen der Erkrankung beseitigt und Heilung bringt, also eine antivirale Therapie, ist trotz der bestehenden Fortschritte noch nicht etabliert.   

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