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Dresden

Startet der Striezelmarkt früher?

Händler, Gastronomen und Hotelbetreiber fordern Verlängerungen für Dresdens große Weihnachtsmärkte. Einige Politiker unterstützen das, es gibt aber auch Kritik.

In den Striezelmarkt setzen Händler, Gastronomen und Hoteliers große Hoffnung nach Corona.
In den Striezelmarkt setzen Händler, Gastronomen und Hoteliers große Hoffnung nach Corona. © Sven Ellger

Dresden. Der Tourismus in der Landeshauptstadt ist am Boden. Die Corona-Krise bedeutet erhebliche Einbußen für Hotels, Händler und Gastronomen. Deshalb wird händeringend nach Anlässen gesucht, Besucher in die Stadt zu bekommen. Da Dresden sich auch als Weihnachtshauptstadt sieht, rücken vor allem die Märkte in den Fokus, um mehr Menschen nach Dresden zu lotsen. Deshalb sollen die großen Weihnachtsmärkte länger als bisher öffnen, fordern Branchenvertreter und einige Politiker.

Was würde das für den Striezelmarkt bedeuten?

Industrie- und Handelskammer, Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, Handelsverband, City Management, Tourismusverband und Vertreter der Dresdner Hotels haben die Stadtratsfraktionen und die Verwaltung aufgefordert, den Striezelmarkt als Besuchermagneten zehn bis 14 Tage früher als bisher zu öffnen. 

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Die CDU hat diese Forderung zur Diskussion gestellt und gleichzeitig gefordert, auch die Weihnachtsmärkte auf der Prager Straße, dem Neumarkt, der Hauptstraße und der Piazza zwischen Kulturpalast und Schloss früher und diese auch bis in den Januar zu öffnen - nur der Striezelmarkt solle Heiligabend enden. 

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Damit hätten Dresdens große Weihnachtsmärkte bereits vor den Gedenktagen Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag geöffnet. An diesen Tagen sollen sie zwar schließen, aber es wäre ein Novum. Bisher hat der Striezelmarkt zuerst geöffnet und zwar am Donnerstag nach Totensonntag.

Die FDP will nicht ganz so früh starten. "Zwei Wochen früher wäre zu lange, da ist noch keine Weihnachtszeit", so FDP-Stadtrat Robert Malorny. Eine Woche eher würde laut ihm genügen. Malorny schlägt vor, den Striezelmarkt am 19. November, also unmittelbar nach Buß- und Bettag zu öffnen. Ob Heiligabend Schluss sein soll, wolle die FDP mit den Schaustellern, Händlern und Gastronomen besprechen.

Weihnachtsmärkte bis in den Januar?

Was für den Striezelmarkt noch unklar ist, wird für die anderen Märkte direkt gefordert. Die Märkte, die die Stadt per Konzessionen an Betreiber vergeben hat, sollen bis in den Januar öffnen dürfen.

Die CDU spricht davon, bis zum 10. Januar die Märkte Prager Straße, Neumarkt, Haupstraße und Piazza - und auch das Winterdorf auf dem Postplatz  - geöffnet zu lassen. "Wir würden das an die sächsischen Weihnachtsferien koppeln und sie bis zum 3. Januar zulassen", so Malorny. Außerdem sollen Sondernutzungs- und Konzessions-gebühren für diese Saison wegen der Corona-Krise entfallen.

Was sagen die Händler?

Frederic Günther, Chef des Verbandes erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller, würde gerne früher starten, den Striezelmarkt aber nicht länger als bis Heiligabend öffnen wollen. "Zwei Wochen eher, wäre uns aber zu viel. Wenn der Striezelmarkt am 19. oder 20. November startet, wäre es gut."

Günther stellt klar: "Es ist absolut wichtig, dass die Weihnachtsmärkte in Dresden überhaupt stattfinden können." Die erzgebirgischen Kunsthandwerker sind in der Stadt jedes Jahr mit rund 50 Ständen auf den Märkten in der Innenstadt vertreten. Der Verkauf an Touristen sei eine wichtige Umsatzmöglichkeit. "Weihnachtsmärkte, die sich vom Hauptbahnhof bis zum Albertplatz nahezu durchgängig ziehen - das gibt es sonst nirgendwo", beschreibt Günther die Bedeutung der Märkte für die Holzkünstler.

Aber eine Verlängerung des Striezelmarktes über Heiligabend hinaus sei für die Händler von Pyramiden und Schwibbögen nicht interessant. "Vor und bis Weihnachten wird unsere Ware gekauft, danach nicht mehr", so der Verbandschef. Dann lohne sich der Personalaufwand nicht mehr. "Auf den anderen Weihnachtsmärkten wäre es vielleicht interessant, aber maximal bis Silvester." Und auch die Weihnachtsfeiertage sollten die Märkte laut Günther geschlossen bleiben.

Für einen früheren Start ist auch Heiko Meyer. Der Vorsitzende des Fördervereins historischer Altmarkt und Betreiber des "Altmarktkellers" denkt aber auch maximal an einen um eine Woche zeitigeren Beginn. Auf dem Striezelmarkt hat Meyer den Imbiss "Platzhirsch". "Das zusätzliche Wochenende würde auch der Hotelerie helfen."

Eine Verlängerung der Weihnachtsmärkte über Heiligabend hinaus sei durchaus eine gute Idee, meint Meyer. "Das würde vor allem den Gastronomen etwas bringen. Die Stadt ist in der Zeit meist ziemlich voll." Bis zum 10. Januar nehme er viele Besucher wahr. "Das wäre wahrscheinlich ein gutes Geschäft." Allerdings rechne er dann auch mit Personalproblemen. "Wir beschäftigen viele Studenten, viele davon sind zwischen dem 23. und 29. Dezember gar nicht in der Stadt."  

Wie stehen die Kirchen dazu?

Unterschiedlich: Die evangelische Kirche lehnt einen Start vor dem Totensonntag, der auch als Ewigkeitssonntag bezeichnet wird, ab. "Der Auftakt nach dem Ewigkeitssonntag bleibt für uns unverrückbar", so Dresdens Superintendent Christian Behr. Der gemeinsame ökumenische Eröffnungsgottesdienst in der Woche vor dem 1. Advent sei inzwischen zur "guten Tradition" geworden. "Den Striezelmarkt verlängern – warum nicht", erklärt Behr weiter. "Das wird auch in anderen Städten so praktiziert. Am Epiphanias, 6. Januar, endet bei uns die Weihnachtszeit, während orthodoxe Christen an diesem Tag Christi Geburt feiern. Das wäre auch für den Weihnachtsmarkt ein guter Abschluss."

Die katholische Kirche kann sich dagegen auch einen früheren Start vorstellen. "Als Katholischer Kirche ist es uns vor allem ein Herzensanliegen, dass der Advent neben allem vorfröhlichen Trubel auch seinen Charakter behalten darf, sich in Ruhe auf Weihnachten, das Fest der Menschwerdung Gottes, besinnlich vorzubereiten", so Michael Baudisch, Sprecher des Bistums Dresden-Meißen.

Die Corona-Krise habe in diesem Jahr allerdings für besondere Herausforderungen gesorgt. "Wenn es einem allgemeinen Wunsch entspricht, durch verlängerte Weihnachtsmärkte hier helfen zu können, würde sich die Kirche dem sicher nicht verschließen", so Baudisch. "Es besteht sogar die Chance, dass damit die bis in den Januar reichende Weihnachtszeit deutlicher ins Bewusstsein gerät. Als Kirche finden wir wichtig, dass diese Zeit und auch die Advents- und Weihnachtsmärkte durch Angebote geprägt werden, die Sinnfragen eröffnen und Deutungsmöglichkeiten anbieten."

Bereits Ostern oder im August öffnen?

Am Ende entscheidet der Stadtrat darüber, ab und bis wann die Märkte in Dresden öffnen dürfen. Wie dieser darüber entscheidet, ist noch nicht abzusehen. Die Grünen, als größte Fraktion, wollen zunächst mit den Händlern sprechen, haben noch keine feste Position.

Eindeutig ablehnend äußern sich Linke und SPD. "Einige Parteien versuchen jetzt, die Corona-Krise zu benutzen, um ihre lang gehegten Träume aus der neoliberalen Mottenkiste doch noch wahr werden zu lassen", so Linke-Fraktionschef André Schollbach. "Warum öffnen wir die Weihnachtsmärkte nicht schon im August? Da werden schließlich auch die Supermarktregale mit Schokoladen-Weihnachtsmännern und Lebkuchen bestückt." Nicht weniger sarkastisch war die Reaktion der SPD. "Warum fangen wir nicht gleich Ostern an", so SPD-Fraktionschefin Dana Frohwieser. "Weihnachtsmärkte gehören in die Weihnachtszeit." Das solle nicht weiter aufgeweicht werden.

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