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Sachsens erster Archäologiepfad in Dresden

Zwischen Prohlis und Nickern gibt es jetzt eine besondere Attraktion. Was es auf dem kulturhistorischen Rundweg zu entdecken gibt.

Archäologe Thomas Westphalen (l.) und Stadtbezirksamtschef Jörg Lämmerhirt freuen sich, dass der Archaeo-Pfad fertig ist. Sie stehen in Altnickern an der Info-Tafel zu den jungsteinzeitlichen Siedlungen.
Archäologe Thomas Westphalen (l.) und Stadtbezirksamtschef Jörg Lämmerhirt freuen sich, dass der Archaeo-Pfad fertig ist. Sie stehen in Altnickern an der Info-Tafel zu den jungsteinzeitlichen Siedlungen. © Foto: Marion Doering

Dresden. Während Dresden vor allem durch seine Barockbauten bekannt ist, liegen die Ursprünge der ersten Ansiedlungen jedoch am Stadtrand. Genau deshalb ist hier Sachsens erster Archäologiepfad entstanden. Dieser kulturhistorische Rundwanderweg am Geberbach kann jetzt erkundet werden. Offiziell heißt er Archaeo-Pfad Dresden.

Der Ursprung: Klima und gute Böden locken erste Siedler

Im Südosten gibt es zwischen Prohlis, Nickern und Kauscha ein gutes Klima und mit die besten Böden Sachsens. Die nach der Eiszeit aus Löss-Substrat entstandenen Böden zeichnen sich durch außerordentliche Fruchtbarkeit aus. Die Ablagerung ist teilweise mehrere Meter stark. Deshalb haben sich hier die ersten Bauern aus Böhmen vor etwa 7.500 Jahren im Raum Dresden angesiedelt, erklärt Abteilungsleiter Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie. „Nickern ist einer der Orte in Sachsen, der die meiste Archäologie zu bieten hat“, sagt er. Schließlich sei das Gebiet in der warmfeuchten Phase der Jungsteinzeit ein idealer Siedlungsstandort gewesen.

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Die Funde: 60.000 Jahre alte Mammutknochen entdeckt

Doch die ersten Funde sind viel älter, erklärt Westphalen. Die heutige Landschaft im Elbtal sei vor allem während der Weichsel-Eiszeit entstanden, also vor 80.000 bis 12.000 Jahren. Vor etwa 60.000 Jahren hatte sich das Klima soweit abgekühlt, dass der Wald verschwand und eine baumlose Steppentundra entstand. Das sei ein idealer Lebensraum für Mammuts oder Wollnashörner gewesen. Deren etwa 60.000 Jahre alten Reste wurden später ab dem 19. Jahrhundert gefunden.

In den 1920er- und 1930er-jahren wurden in der Lehmgrube der Prohliser Ziegelei Kunath wiederholt Knochen- und Zahnreste von Mammuts und anderen eiszeitlichen Großsäugetieren freigelegt.
In den 1920er- und 1930er-jahren wurden in der Lehmgrube der Prohliser Ziegelei Kunath wiederholt Knochen- und Zahnreste von Mammuts und anderen eiszeitlichen Großsäugetieren freigelegt. © Archivfoto: Landesamt für Archäologie

Damals wurde dort Lehm abgebaut. „Er wurde für zahlreiche Ziegeleien gebraucht, die hier ansässig waren“, sagt der Archäologe. Die letzte Ziegelei in dem Gebiet wurde nach der Wiedervereinigung geschlossen.

Ab 1993/94 habe es vor allem im Zuge des Straßen- und Gewerbebaus umfangreiche Ausgrabungen gegeben. So wurde bei Altnickern an der Fritz-Meinhardt-Straße eine jungsteinzeitliche Siedlung in der Nähe des Geberbachs entdeckt, die etwa 19 Hektar groß war. Sie erstreckte sich beiderseits der heutigen Fritz-Meinhardt-Straße. Gefunden wurden dabei Gefäße mit eingeritzten geometrischen Bandmustern. Diese sogenannten bandkeramischen Siedlungen waren ab 5.500 vor Christus entstanden, erläutert der Experte. Dazu gehörten Häuser, ein Friedhof und große Kreisgrabenanlagen, die von Gräben umschlossen waren. „Es könnten vermutlich Kultstätten gewesen sein“, sagt Westphalen. Aber das stehe nicht genau fest.

1996 wurden bei Ausgrabungen nordwestlich von Kauscha diese frühbronzezeitlichen Keramikgefäße der Aunjetitzer Kultur (2.200-1.600 v.Chr.) gefunden.
1996 wurden bei Ausgrabungen nordwestlich von Kauscha diese frühbronzezeitlichen Keramikgefäße der Aunjetitzer Kultur (2.200-1.600 v.Chr.) gefunden. © Foto: J. Lipták

Entdeckt wurden bei Grabungen unter anderem auch Urnengräber aus der jüngeren Bronzezeit (1.300 – 750 v.Chr.) und auch Gräber der spätgermanischen Langobarden.

„Das ist Dresdens bedeutendste archäologische Fundstätte“, erläutert Westphalen.

Die Idee: Nickerner drängt auf Anlage von Lehrpfad

Der Nickerner Heimatforscher Steffen Bösnecker habe sich dafür engagiert, diese Forschungen zu Zeugnissen der Vergangenheit für einer breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erklärt der Prohliser Stadtbezirksamtsleiter Jörg Lämmerhirt. Außer bei Anwohnern seien diese Siedlungen mit ihren Kreisgrabenanlagen kaum bekannt gewesen. Also fasste der Stadtrat 2014 einen Beschluss. Geprüft werden sollte, wie die Anlagen auf geeignete Weise erlebbar gemacht werden können. Damals wurde unter anderem vorgeschlagen, einen Rundwanderweg anzulegen.

„Dresden ist eben wesentlich älter als 800 Jahre, wie wir sie 2006 gefeiert hatten“, sagt Lämmerhirt. Vor drei Jahren wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, bei der unter anderem das Landesamt für Archäologie, das städtische Denkmalamt, das Palitzsch-Museum und auch Heimatforscher Bösnecker sowie die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden mit dabei waren.

Das ist ein Ausschnitt aus dem Modell der Siedlung in Nickern, die ab 5.500 v. Chr. entstanden war. Es steht im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz. Im Hintergrund ist die Rekonstruktion einer einfachen Kreisgrabenanlage zu sehen.
Das ist ein Ausschnitt aus dem Modell der Siedlung in Nickern, die ab 5.500 v. Chr. entstanden war. Es steht im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz. Im Hintergrund ist die Rekonstruktion einer einfachen Kreisgrabenanlage zu sehen. © L. Farkas, Landesamt für Archäologie

„Wir wollten für Dresdner und Touristen etwas bieten, aber auch eine für die Öffentlichkeit gut verständliche Bildungsmöglichkeit schaffen“, sagt der Stadtbezirksamtschef. So sollte mit einem Lehrpfad das Angenehme beim Wandern mit dem Nützlichen verbunden werden. „Dabei hat uns die 2019 beschlossene Stadtbezirksförderung geholfen.“ Denn so bekam Prohlis 20.000 Euro zur Herstellung der Informations-Tafeln für den Archaeo-Pfad Dresden. Die Stelen hat ein Niedersedlitzer Handwerksbetrieb hergestellt.

So verläuft der Rundwanderweg, von Prohlis bis Kauscha und zurück. An Info-Stelen erfahren die Wanderer viel Wissenswertes zur Geschichte.
So verläuft der Rundwanderweg, von Prohlis bis Kauscha und zurück. An Info-Stelen erfahren die Wanderer viel Wissenswertes zur Geschichte. © SZ-Grafik

Der Rundwanderweg: Elf Stelen mit vielen Informationen

Der Wanderweg beginnt am Prohliser Palitzschmuseum auf der Gamigstraße 24. Dort gibt es auch eine Wanderkarte zum Archaeo-Pfad Dresden, die in einer Auflage von 2.500 Stück gedruckt wurde. Die elf Kilometer lange Runde führt von dort über Nickern bis nach Kauscha und dann wieder über Nickern zurück nach Prohlis. „Man braucht etwa vier Stunden für die Wanderung“, sagt Lämmerhirt. „Die Strecke führt erstaunlicherweise viel durchs Grüne:“ Allerdings ist sie nur eingeschränkt barrierefrei. Es gibt zwar keine Treppen, aber Steigungen, beispielsweise zum nach dem Abbruch der Russenkasernen künstlich aufgeschütteten Trutzsch. „Von dort hat man einen herrlichen Blick auf Dresden“, berichtet der Stadtbezirksamtschef.

Die Informationen auf den elf Stelen wurden vom Landesamt für Archäologie und von der Archäologischen Gesellschaft Sachsen erarbeitet. Auf jeder Tafel gibt’s Infos zu einem speziellen Thema. So können sich kulturhistorisch interessierte Wanderer unter anderem über die jungsteinzeitliche Besiedlung, den jungsteinzeitlichen Friedhof und den Lehmabbau und Ziegeleien informieren. In der Nähe der Langobardenstraße dreht es sich um das spätgermanische Volk der Langobarden und am Trutzsch um die Landschaft.

60 solcher Wegweiser werden an dem insgesamt elf Kilometer langen Rundkurs angebracht.
60 solcher Wegweiser werden an dem insgesamt elf Kilometer langen Rundkurs angebracht. © Foto: Marion Doering

„Das wird sicher viele interessieren“, zeigt sich Lämmerhirt zuversichtlich. Eigentlich sollte der Lehrpfad am 16. Mai offiziell übergeben werden. Doch aufgrund der Coronakrise wird es keinen offiziellen Termin geben. Bis dahin werden auch die letzten der insgesamt 60 Wegweiser am Archaeo-Pfad angebracht sein.

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Das Landesamt für Archäologie hat das Begleitheft „Nickern und Prohlis – Archäologie am Geberbach in Dresden“ zum Archaeo-Pfad herausgebracht. Online kann es zum Preis von 6,80 Euro bestellt werden. 

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