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"Fami" weitet Angebote auf Ost aus

Das Familienzentrum Radebeul samt Café hat wieder geöffnet. Sein Trägerverein möchte aus dem Kultur-Bahnhof einen vergleichbaren Treff machen.

Matthias Abraham, Edna Ressel und Anja Schenkel (v.l.n.r.) öffnen die Tore zum Familienzentrum Radebeul am Dorfanger in Altkötzschenbroda wieder. Viele bewährte Angebote stehen auf dem Programm.
Matthias Abraham, Edna Ressel und Anja Schenkel (v.l.n.r.) öffnen die Tore zum Familienzentrum Radebeul am Dorfanger in Altkötzschenbroda wieder. Viele bewährte Angebote stehen auf dem Programm. © Norbert Millauer

Radebeul. Nach coronabedingter Zwangspause sowie einzelner Angebote während des Sommers startet das Familienzentrum Radebeul nun richtig durch. „Unser Café ist wieder offen“, sagt Mathias Abraham, Geschäftsführer des Trägervereins Familieninitiative. Auch Mittagessen gibt es wieder am Dorfanger Altkötzschenbroda 20. Kurse und Beratungen für Familien und Senioren finden statt. Auch der Einkaufsservice fährt wieder. Zudem hat die Familieninitiative im 30. Jahr ihres Bestehens neue Pläne. Sie baut neue Angebote in Radebeul-Ost auf.

Bevor Abraham auf den „Neuanfang“, wie er es nennt, im Kultur-Bahnhof eingeht, blickt er noch einmal kurz auf den 16. März dieses Jahres zurück. An jenem Tag stand eigentlich eine reguläre Dienstberatung im Terminkalender. Statt die üblichen Abläufe zu besprechen, beherrschte nur ein Thema die Diskussion - die Corona-Pandemie. „Uns hatten die Bilder aus China und Italien total erschrocken“, erinnert sich Abraham. Weil viele Angebote des Hauses ältere Menschen nutzen, die zur Risikogruppe gehören, war schnell klar: „Wir müssen schließen“, so Abraham, „denn für uns war das Wichtigste, dass alle gesund bleiben.“ So schloss das Familienzentrum seine Pforten, noch bevor die Verordnungen mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen in Kraft waren.

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Zwangspause ab 16. März

Abraham und sein Team berieten, welche Angebote sie trotz Schließung aufrechterhalten können. Telefonisch waren sie weiterhin für Beratungsgespräche erreichbar. Zudem haben sie sich intensiv mit der digitalen Welt vertraut gemacht, unter anderem mit Videokonferenzen vom Homeoffice aus, um so mit Ratsuchenden auch in visuellen Kontakt treten zu können. Außerdem organisierten sie zusätzliche Fahrzeuge für Versorgungsfahrten. Während der Ausgangsbeschränkung haben sie Dutzende Einkaufszettel eingesammelt und für Menschen, die sich nicht aus dem Haus trauten oder schon vorher auf den Einkaufsdienst angewiesen waren, Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs besorgt.

Mit jeder Lockerung standen Radebeuler vor dem Familienzentrum und fragten nach, wann es wieder geöffnet hat. „Unsere Angebote sind Bestandteil des Alltags vieler Menschen“, sagt Abraham. Junge Mütter kommen zusammen und tauschen ihre Erfahrungen aus, die sie beim Heranwachsen ihrer Kinder sammeln. Senioren treffen sich zu einem Schwatz bei Kaffee und Kuchen oder am Mittagstisch. Oder alle treiben miteinander Sport. Theoretisch hätte die „Fami“ Anfang Juni wieder öffnen können. „Jedoch haben wir die Abstandsregeln im Haus nicht hinbekommen“, berichtet Abraham.

Alle Angebote wieder am Start

Entsprechend der seit 25. August dieses Jahres geltenden neuen Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung ist es nun gelungen, ein passendes Hygienekonzept aufzustellen. So steht ein Desinfektionsmittel-Spender im Hof. Besucher sind angehalten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, bis sie ein Beratungsbüro oder einen Kursraum betreten oder im Café an einem Tisch Platz genommen haben. „Nun können wir wieder unser ganzes Programm anbieten“, sagt Abraham. Im Kleinbus des Einkaufsservice sind zudem Fahrgäste erlaubt.

Das Familienzentrum ist ein sozialer Treffpunkt. Etwas Vergleichbares fehlt derzeit noch in Radebeul-Ost. „Wir haben uns immer gewünscht, dort tätig zu werden“, berichtet Abraham. Mit den Sidonienhöfen oder dem Gellertpark zum Beispiel sind neue Wohnungen entstanden. Auf dem Glasinvest-Areal wird aktuell gebaut. Und auch der Wasapark-Komplex soll sich einmal von Büros in Wohnräume wandeln. „Flächen zum Treffen und Begegnen fehlen jedoch. Radebeul-Ost benötigt einen Ort des Miteinanders“, stellt Abraham fest.

Freitagscafé im Kulturbahnhof

Zu einem sozialen Treff möchte die Familieninitiative im Bunde mit der Stadtbibliothek und der Volkshochschule den Kultur-Bahnhof machen. Bereits im März dieses Jahres öffnete in der ehemaligen Empfangshalle das Freitagscafé. Doch dann kam Corona. Im Oktober erfolgt der Neustart. Immer freitags gibt es dort Kaffee und Kuchen.

„Das ist der erste Schritt“, informiert Edna Ressel. Sie koordiniert das Projekt mit dem Titel „MitteOst#dritterort“. „Mit dem dritten Ort ist ein Platz gemeint, wo man sich neben dem eigenen Zuhause sowie Arbeit oder Schule wohlfühlt“, erläutert sie. Unter anderem mit neuen Sitzmöbeln möchte sie eine angenehme Atmosphäre schaffen. Zudem will sie im Kultur-Bahnhof Beratungen, wie beispielsweise zum Thema Demenz, anbieten. Für Kinder und Jugendliche kann sie sich Kurse für Medienbildung vorstellen, in denen es darum geht, Computer und Smartphones sinnvoll einzusetzen, anstatt damit nur zu spielen, zu lernen, wie man sich vor Gefahren im Internet schützt, aber auch, dass es in der realen Welt noch viel mehr zu erleben gibt, als ständig nur in ein digitales Gerät zu glotzen.

Die Familieninitiative möchte noch viel mehr Begegnungsmöglichkeiten im Kultur-Bahnhof schaffen. Sie hat viele Ideen, hält sich aber dazu etwas bedeckt. Denn in Gesprächen mit den künftigen Besuchern möchte Ressel erfahren, welche Angebote sie wollen und tatsächlich auch aufsuchen werden. „Der Bahnhof ist euer, lasst uns dort gemeinsam was für Radebeul entwickeln!“, ergänzt Abraham.

Ehrenamtliche Helfer gesucht

27 Angestellte zählt das Familienzentrum. Wegen der Coronakrise musste bislang niemand entlassen werden. Im Gegenteil: Das Team wurde durch Edna Ressel und Anja Schenkel verstärkt. Letztgenannte kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit sowie das „Team Radebeul“. Hierzu gibt es seit rund einem Jahr eine gleichnamige Homepage, auf der sich bis zu 80 Radebeuler Vereine präsentieren und auf der eine Stellenbörse fürs Ehrenamt zu finden ist.

Das Familienzentrum kann auf rund 120 freiwillige Helfer zählen. „Trotz Corona sind alle Ehrenamtlichen uns treu geblieben“, berichtet Abraham, der Verstärkung sucht. So wird für das Familiencafé eine Köchin oder Koch benötigt. Des Weiteren sind sogenannte Gastgeber, die Getränke und Speisen an die Besucher ausgeben, in Altkötzschenbroda sowie für das Freitagscafé im Kultur-Bahnhof gefragt. Beim Einkaufsservice können sich weitere Fahrer engagieren. Und für Elternkurse werden Kursleiter gesucht.

Die coronabedingte Zwangspause hat ein Loch im Etat des Familienzentrums gerissen. Durch die Schließung blieben Kursbeiträge aus, die nun als Eigenmittel fehlen. Auf rund 65.000 Euro hat sich der Fehlbetrag bis zum Sommer summiert. Noch kann Abraham alle Rechnungen begleichen sowie sämtliche Löhne zahlen. Wie es am Ende des Jahres aussieht, weiß er jetzt noch nicht. Den Freundeskreis der Familieninitiative hat er um Unterstützung gebeten. Abraham ist zuversichtlich, dass sich auch für diese finanzielle Herausforderung eine Lösung findet.

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