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Große Pläne für Sachsens ältestes Freilichtmuseum

Wird das Hügelgrab von Gävernitz wieder ein archäologischer Park wie in den 1930er Jahren? Ein Großenhainer Investor hat das als Förderprojekt vor.

Investor Norbert Sauer am Hügelgrab bei Gävernitz. Der Großenhainer möchte hier eine archäologische Bildungsstätte etablieren.
Investor Norbert Sauer am Hügelgrab bei Gävernitz. Der Großenhainer möchte hier eine archäologische Bildungsstätte etablieren. © KDB

Gävernitz. Die Zeitschrift "Blickpunkt Archäologie" des deutschen Verbandes der Altertumsforscher ist des Lobes voll: Sachsens ältestes Freilichtmuseum soll wieder zu neuer Blüte kommen. Gemeint ist das Hügelgrab von Gävernitz bei Priestewitz aus der Zeit um 1000 vor Christus. Die Hügel liegen unscheinbar an der B 101, auf halber Höhe zwischen Großenhain und Meißen. Vor 90 Jahren, um 1930, wurde hier der erste archäologische Park des Freistaates angelegt. Von überall her kamen die Menschen, um diese einstige Grabanlage und bronzezeitliche Hütten zu besichtigen. 

So will es Norbert Sauer auch für die Zukunft. Der Unternehmer aus Großenhain hat das Gelände vom Freistaat gekauft und jetzt ein Förderkonzept beim Dresdner Heidebogen eingereicht. Sechs Infotafeln zur Geschichte direkt am Radweg sind darin der erste Schritt. Ein Aussichtsturm und ein Infozentrum zu den Fürstengräbern sollen folgen. "Das gesamte Areal wird zudem zeittypisch in Form einer Vogelschutzhecke eingefriedet", so Norbert Sauer. Der "Genius loci" dieses archäologisch bedeutsamen Fund-Areals wird wieder spürbar, frohlockt Gebietsreferent Dr. Benjamin Wehry in seinem Beitrag für die bundesweite Archäologenzeitschrift.       

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So frei geschnitten sah man das Hügelgrab zuletzt 2011.
So frei geschnitten sah man das Hügelgrab zuletzt 2011. © privat

Hobbyarchäologe Norbert Sauer war schon immer fasziniert von dem Modell, das es vom Hügelgrab im Museum Alte Lateinschule Großenhain gibt. Dort ist in einer Vitrine ein Schnitt durch die Begräbnisstätte zu sehen, die durch ihre massiven Steinringe auffällt. "Das geschützte Bodendenkmal wurde einst von einem Bauern entdeckt und von einem Dresdner Bodenaltertumspfleger ausgegraben", schwärmt der Großenhainer Investor. 19.000 Interessierte sollen die Arbeiten im Laufe von drei Monaten 1929 verfolgt haben. An guten Tagen kamen bis zu 1.800 Besucher, so Sauer. Dann kaufte der Landesverein sächsischer Heimatschutz das etwa ein Hektar große Gelände und richtete das Freilichtmuseum ein. Norbert Sauer ist stolz, diese Tradition nun fortsetzen zu können. Deshalb griff er zu, als das von Ackerland umgebene Areal vor einiger Zeit zum Verkauf stand. 

Im Dresdner Heidebogen e. V. fand der Investor Fürsprecher, die eine Förderung aus dem Topf der ländlichen Entwicklung möglich machen können. Sauers Konzept sieht vor, die ersten Infotafeln im kommenden Jahr aufzustellen. Das gesamte Projekt mit Reaktivierung der Fläche des einstigen Archäologieparkes soll 2023/24 fertiggestellt werden. Die Kosten des ersten Abschnittes hat er auf circa 6.500 Euro geschätzt. Janina Hein vom Dresdner Heidebogen findet die Idee schön und kann sich vorstellen, dass sie - mit entsprechenden Voraussetzungen - in der nächsten Förderperiode unterstützt wird. 

So stellt sich Norbert Sauer die künftige nichtkommerzielle Bildungsstätte vor.
So stellt sich Norbert Sauer die künftige nichtkommerzielle Bildungsstätte vor. © privat

Norbert Sauer kam durch sein Faible für die alten Römer auf die Archäologie. Er ist selbst Gründungsmitglied der Archäologischen Gesellschaft Sachsen, im wissenschaftlichen Beirat und im Förderverein Museum Alte Lateinschule. Für den künftigen Betrieb einer öffentlichen, nichtkommerziellen Bildungseinrichtung möchte er gern einen Verein gründen und gegebenenfalls dessen Vorsitzender werden. "Der Verein soll sich um das künftige Freilichtmuseum kümmern, das ich auf der vorhandenen Bodenplatte des ursprünglichen Pfostenblockhauses wieder errichten will", sagt der Unternehmer. Kultur und Geschichte der Bronzezeit sollen hier vermittel werden. In dem Blockhaus wurde in den 1930er Jahren verdeutlicht, wie die Illyrier vor mehr als 3000 Jahren wohnten. Vielleicht ist zusätzlich ein kleines bronzezeitliches Dorf auf dem Areal möglich. Der Park soll auch als Ausflugsziel der Naherholung dienen. Der Aussichtsturm könnte dafür Besucher anlocken. 

Das im Durchmesser 14 Meter messende Hügelgrab und ein kleineres, beides Fürstengräber genannt, gewannen - ausgegraben - ihre einstige Bekanntheit durch ihren guten Zustand. Deshalb begrüßt auch der Deutsche Verband der Archäologie die neue Aufmerksamkeit für die Bodendenkmalstätte. Dem Bundesverband liegt ein Förderantrag von Norbert Sauer im Rahmen von "Museen und Archäologie in ländlichen Räumen" vor. Dass er bewilligt wird, gilt als sicher. Eine museumspädagogische Wiederbelebung ist ganz im Sinne der Altertumsforscher. 

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