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Mein Mann nimmt Corona nicht ernst

Sie hat Angst vor einer Infektion, er macht sich darüber lustig. Was Paarberater Christian Thiel in dieser Situation rät.

Wenn Paare beim Thema Coronavirus unterschiedlicher Meinung sind, hat das unter Umständen nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch auf die Beziehung.
Wenn Paare beim Thema Coronavirus unterschiedlicher Meinung sind, hat das unter Umständen nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch auf die Beziehung. © Pixabay

Mein Mann glaubt, Corona wäre für ihn und mich nicht gefährlich, weil wir jung und gesund sind. Er fährt unbesorgt Straßenbahn und Bus und macht sich darüber lustig, dass ich inzwischen große Sorgen habe. Wie soll ich damit umgehen?

Durch die vielen Maßnahmen der letzten Wochen soll die Verbreitung der Krankheit eingedämmt werden. Deshalb sollte auch Ihr Mann das ernst nehmen. Er sollte sich vorsehen, damit die Krankheit nicht unnötig weiter verbreitet wird.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Das war jetzt eine eher sachliche Antwort. Ich bin allerdings Paarberater – und damit mehr für die gefühlsmäßige Seite des Problems zuständig. 

Sie beide sind in der Frage, wie viel Vorsicht derzeit nötig ist, nicht einer Meinung. Das ist zunächst einmal normal. Zwei Menschen dürfen da unterschiedlicher Ansicht sein. Ich wäre aber dafür, dass sie etwas verständnisvoller miteinander umgehen. Ängste sind nur schwer rational zu fassen. Derzeit haben auch Menschen Angst, die in der Vergangenheit weder bei einer Grippe-Epidemie noch bei der Schweinegrippe 2008 Angst hatten. Sie haben zum einen Angst, weil die Medien so viel darüber berichten. Sie haben zum anderen Angst, weil es eine neue Bedrohung ist. Das verunsichert natürlich.

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor.
Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. © Christian Juppe

Ein auf Angst spezialisierter Wissenschaftler hat neulich mal erläutert, warum 75-jährige Männer weniger Angst vor Corona haben als 35-jährige Frauen, obwohl der 75-Jährige deutlich stärker durch Corona gefährdet ist. Das ist genetisch bedingt und es hat überhaupt und gar nichts damit zu tun, wie real die Bedrohung ist. Sie haben schließlich auch deshalb Angst, weil viele andere Menschen Angst haben. Angst ist ansteckend. Weil Sie Angst haben, wäre ich sehr dafür, dass Ihr Mann das tut, was in dem Fall sein Job ist: Sie zu beruhigen. Das funktioniert nicht, wenn er sich über Sie lustig macht. So ein Umgang erhöht den Stress in der Beziehung. Ganz schlecht.

Umgekehrt fürchte ich, dass sich Ihr Mann schon einiges an Kritik von Ihnen hat anhören müssen. Auch das erhöht den Stress in der Beziehung. Auch ganz schlecht. Damit haben wir den idealen Nährboden für Streits aller Art, für Lieblosigkeit, für wenig Zärtlichkeiten – und für keinen Sex. Mit alledem tun Sie beide sich gerade überhaupt und gar keinen Gefallen.

Rudern Sie bitte beide zurück. Kann ja sein, dass Ihr Mann recht hat und Corona für ihn und für Sie keine große Bedrohung ist. Für andere Menschen ist es das aber – und wir leben nun mal nicht auf einer einsamen Insel. Das funktioniert nur gut, wenn wir auch gucken, wie es den anderen geht. Es funktioniert nicht, wenn wir uns über sie lustig machen. Und auch nicht, wenn wir übergroße Sorgen verbreiten.

Versuchen Sie, wie bei jeder anderen Meinungsverschiedenheit in Ihrer Partnerschaft, in Ruhe darüber zu reden, was Ihnen wichtig ist. Sagen Sie klar, was Sie möchten und womit es Ihnen nicht gut geht. Vermutlich möchte Ihr Mann, dass Sie sich um ihn kümmern, wenn er mal eine Erkältung hat. Sagen Sie ihm, dass Sie sich nicht gut um jemanden kümmern können, der sich über Ihre Ängste lustig macht. Und suchen Sie für sich in all den Nachrichten, die Sie verunsichern, doch bitte mal die positiven heraus. Ängste leben davon, dass wir in unseren Gedanken um den schlimmsten Fall kreisen.

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