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Hier kommt Urlaubsgefühl am Berzi auf

René Freigang errichtet normalerweise Konzertbühnen. Sein neuester Aufbau geht in eine andere Richtung: Er betreibt jetzt auch die Strandbar am Nordoststrand.

Sein Können vom Bühnenaufbau hat bestimmt auch hier geholfen: die neue Strandbar mit Terrasse.
Sein Können vom Bühnenaufbau hat bestimmt auch hier geholfen: die neue Strandbar mit Terrasse. © Nikolai Schmidt

Für René Freigang war es ein unglücklicher Tag -  aber mit Hoffnungsschimmer: An dem Tag, als bekanntgegeben wurde, dass sachsenweit Großveranstaltungen bis auf Weiteres ausfallen, ging bei ihm Post von der Stadt Görlitz ein. Die Zusage, dass er einen Imbiss am Nordostufer des Berzdorfer Sees betreiben darf. Zu Christi Himmelfahrt hat er die Strandbar eröffnet. 

René Freigang ist einer der Gründer der GSG Veranstaltungstechnik, die ihren Sitz am Gewerbering in Görlitz hat. "Wir machen viel Bühnenaufbau", überregional und auch in Görlitz, zum Beispiel beim Altstadtfest und für die Kulturbrauerei. Aber das Altstadtfest findet dieses Jahr nicht statt, auch die Kulturbrauerei hatte im März mit dem Corona-Erlass alle Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Was auch für René Freigang und die GSG Veranstaltungstechnik plötzlich Auftragsflaute bedeutete. Die Zusage für den Betrieb des Imbisses am Nordoststrand kam genau zur rechten Zeit. 

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Den See schon öfter im Blick

Mitte Februar, kurz bevor Corona die Oberlausitz erreichte, hatte die Stadt Görlitz den Betrieb von drei Imbissen ausgeschrieben. Bewerben konnte man sich auf alle drei oder einen einzelnen Standort. Freigang reichte eine Bewerbung für Letzteres ein. So wie die Ausschreibung hatte auch seine Bewerbung noch nichts mit Corona zu tun: Er hatte schon in früheren Jahren Interesse angemeldet. "Aber da sind wir nie weit gekommen." 

Denn bislang war die Betreibung der Imbisse am See an weitere Aufgaben gekoppelt, darunter Sicherheitsleistungen. Darum hatte sich sieben Jahre lang der Sicherheitsdienst K9 gekümmert, ebenso um Ordnung auf den Pkw-Stellflächen, Sauberkeit am Strand und auf den Toiletten, das Einnehmen der Parkgebühr an der Strandzufahrt und auch den Betrieb der Imbisse. 

Viele Fragen am See noch offen

Aber Ende vorigen Jahres hatte die Stadt den Konzessionsvertrag mit K9 gekündigt. Die Grundlagen hatten sich geändert. Der Stadtrat hatte beschlossen, die Uferpromenade öffentlich zu widmen. Eine Voraussetzung für den Bebauungsplan Deutsch-Ossig. Statt des Sicherheitsdienstes sollten Parkautomaten die Parkgebühren einsammeln, die anderen Leistungen und der Imbissbetrieb einzeln neu ausgeschrieben werden. Dann kam die Rolle rückwärts: Weil zu viele Fragen noch ungeklärt waren, hob der Stadtrat Ende März den Widmungsbeschluss auf. 

Das hat Folgen. Zum Beispiel fürs Parken. Im Moment geht das kostenlos am Nordostufer. Ob nun statt der Parkuhren für diese Saison das Kassierhäuschen an die Zufahrt zurückkehrt, wer die Parkgebühren einnimmt, für Ordnung sorgt? Wahrscheinlich doch noch mal ein Sicherheitsunternehmen. Die Reinigungsleistungen derweil sind an eine Firma vergeben worden. Und ebenso der Betrieb von einem der Imbisse: an René Freigang. Ein Jahr läuft der Vertrag, mit Verlängerungsoption für die beiden kommenden. Wer seine Nachbarn sein werden, also die Betreiber der beiden anderen ausgeschriebenen Imbisse, weiß er noch nicht. 

Container aus Hamburg - Inhalt aus der Region

Eine recht kurzfristige Sache war es. Einen Monat hatten Interessenten Zeit für die Bewerbung. Am 1. Mai sollte dann ursprünglich Saison und Imbisse starten. "Ich hatte mich damals noch gefragt, ob das alles so  zu schaffen ist." Durch Corona war es das plötzlich. Aus Hamburg kam ein Container nach Görlitz. Die vergangenen Wochen haben Freigang und seine Helfer für den Innenausbau genutzt: mit Zapfanlage, Grill, Fritteuse, Waffeleisen, Kühlung für Eis. Strom hat er neu verlegen lassen.

Der Container stammt aus der Ferne, der Inhalt aus der Region: Freigang bietet Bratwurst von der Wurstmanufaktur Hein an, mit Brötchen von der Geißler-Bäckerei, Landskron-Bier. "So viel es geht, wollen wir regional bleiben", sagt der 47-Jährige. Mit Eis, Fassbrause, selbstgemachten Waffeln. Soweit möglich soll es auch keine Plaste geben, sondern beispielsweise Holzbesteck und verwertbare Materialien.  Aus Holz und Europaletten haben Freigang und seine Helfer an den Container eine Terrasse mit Sitzgelegenheiten gebaut - innerhalb von zwei Tagen. Einige Mitarbeiter hat er bereits, ob noch mehr gebraucht werden, werden das Wetter diese Saison und die Zeit zeigen. Voraussichtlich ab Mitte nächster Woche soll die Strandbar außerdem Wlan-Hotspot für die Gäste sein.

René Freigang steht an seiner Strandbar am Berzdorfer See.
René Freigang steht an seiner Strandbar am Berzdorfer See. © Nikolai Schmidt

Betreiber will was tun fürs Strandfeeling

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"Als Sommergeschäft passt so etwas bei uns gut rein. Und wir wollten versuchen, die Situation hier ein bisschen aufzubessern", erzählt er. Denn immer wieder gab es in den vergangenen Jahren von Seebesuchern wie von Seeakteuren selbst Kritik an Gestaltung und Angebot des Nordoststrandes. Kein Konzept dahinter, optisch nicht schön gemacht, unzureichende Infrastruktur. Der Grund, warum Freigang sich vor einigen Jahren und auch jetzt wieder auf den Imbiss-Betrieb beworben hat. "Die Reaktionen zeigen, dass uns das wohl ganz gut gelungen ist."

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 12 bis 19 Uhr, Freitag bis Sonntag: 10 bis 22 Uhr.

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