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Vom Klassenzimmer an die Werkbank

Pünktlich zum Ferienbeginn bietet die Offene Werkstatt in Riesa die ersten Kurse an. Die Macher haben noch weitere Pläne.

Unter Anleitung von Peter Kohlstrunk bearbeiten Riesaer Jugendliche in der Offenen Werkstatt Metallteile für die Design-Lampe. "Mit Metall habe ich noch nicht so oft gearbeitet, das ist cool", sagt der 14-jährige Aron (r.).
Unter Anleitung von Peter Kohlstrunk bearbeiten Riesaer Jugendliche in der Offenen Werkstatt Metallteile für die Design-Lampe. "Mit Metall habe ich noch nicht so oft gearbeitet, das ist cool", sagt der 14-jährige Aron (r.). © Sebastian Schultz

Riesa. Lange überlegen musste Aron nicht, als ihn sein Kumpel fragte. "Ich mag Handwerken allgemein", erzählt der 14-Jährige. Sein Vater sei Elektriker, da arbeite er auch mal in der Werkstatt mit. Bei der Frage, ob er auch in der Offenen Werkstatt mitarbeiten will, sagte der Gymnasiast also gleich zu. Nun steht er gemeinsam mit anderen Jugendlichen vor der Werkbank an und wartet, bis er mit dem Bohren an der Reihe ist. 

Dort schaut Peter Kohlstrunk den Schülern über die Schulter. "Die sind schnell", lobt der Mitarbeiter der Kreishandwerkerschaft Meißen. Bisher sei man an diesem Vormittag deutlich schneller vorangekommen, als erwartet. Erstmals bietet die Offene Werkstatt Riesa in diesen Tagen eine Veranstaltung an. Die 14 Schüler der Klassen sieben bis neun können eine Woche lang ihre eigene Design-Lampe bauen. Da wird Metall gefeilt und gestanzt, ein Betonfuß gegossen und die Elektrik verkabelt. 

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In fünf Tagen zur eigenen Design-Lampe - das ist das Ziel des ersten Workshops.
In fünf Tagen zur eigenen Design-Lampe - das ist das Ziel des ersten Workshops. © Sebastian Schultz

Es fehlt nicht an Ideen

"Die, die jetzt hier sind, das sind die Guten", sagt Jens-Torsten Jacob. In den Ferien trotzdem früh aufzustehen, um 8.30 Uhr auf der Matte zu stehen, das nötigt dem Chef der Kreishandwerkerschaft einen gewissen Respekt ab. Der Zuspruch für den ersten Kurs sei ordentlich gewesen, die Werbung in den Schulen hat sich offenbar gelohnt. "Ich freue mich besonders, dass auch zwei Mädchen dabei sind." Auch für den Maler-Kurs Anfang August sind nur noch einige wenige der 14 Plätze verfügbar. 

Dabei ist das Ferienprogramm eigentlich nicht das, was Jacob und seinen Mitstreitern vorschwebte, als sie das Vorhaben "Offene Werkstatt" zum ersten Mal vorstellten. "Das große Ziel ist und bleibt, dass es eine dauerhafte Einrichtung ist", betont er. "Wie beim Sportverein, wo man ja auch einmal in der Woche zum Training kommt." Das Vorhaben gehört zum Projekt "Handwerk als Innovationsmotor", das 2019 beim Wettbewerb "Wandel durch Innovation in der Region" (WIR) eine Millionen-Förderung zugesprochen bekam. Eine ganze Reihe von Aktionen sind noch in der Planung, von einer Konferenz im Oktober bis hin zu Kooperationen zwischen Handwerkern und Studienakademie oder Kreativwirtschaft. 

Für die Werkhalle hinter dem Christlichen Gymnasium an der Langen Straße könnte sich Jens-Torsten Jacob mittelfristig auch ein "Repair-Café" vorstellen, in dem die Riesaer dann zum Beispiel unter Anleitung ihr Fahrrad reparieren könnten. Die derzeit noch recht kahlen Wände sollen beim Malerkurs gestaltet werden. Und weiter hinten gäbe es noch genügend zusätzlichen Platz. "Es ist nie gewollt, dass wir fertig sind." 

Für die Offene Werkstatt hat der Landkreis ein Gebäude hinter dem Riesaer Rudolf-Stempel-Gymnasium zur Verfügung gestellt.
Für die Offene Werkstatt hat der Landkreis ein Gebäude hinter dem Riesaer Rudolf-Stempel-Gymnasium zur Verfügung gestellt. © Sebastian Schultz

Nie gewollt und nicht vorhersehbar war allerdings auch, dass eine Pandemie die Offene Werkstatt und viele andere Vorhaben des WIR-Projekts ausbremsen würde. Wenn sie schon nicht an die Schulen gehen könnten, so die Idee der Macher, dann wollten sie eben in den Ferien Handwerks-Interessierte in die Werkräume locken. Die große Herausforderung sei es gewesen, ein Angebot zu entwickeln, bei dem möglichst verschiedene Berufe verbunden werden. "So etwas wie einfach nur ein Vogelhaus aus Holz zu bauen, das wäre doch zu langweilig", sagt Jacob und schmunzelt. 

Regionale Unternehmen helfen beim Kurs

Den Schülern jedenfalls gefällt die Abwechslung offensichtlich. "Das ist schon cool", sagt Aron, der das Rudolf-Stempel-Gymnasium besucht. "Mit Metall habe ich zum Beispiel noch nicht so oft gearbeitet." In den kommenden Tagen sollen die Thematiken noch weiter vertieft werden. Dann kommen zum Beispiel Vertreter der Firma Elektro-Köhler und von TSM-Bau in die Offene Werkstatt. Die hatten auch schon im Vorfeld bei Aufbau und Einrichtung geholfen, beispielsweise die Werkbänke aus Großenhain organisiert und Technik repariert. Nun helfen sie bei der Elektrik und mischen gemeinsam mit den Kursteilnehmern den Beton an. 

Hinter diesem Engagement der regionalen Unternehmen steht natürlich auch ein gewisser Eigennutz: Ziel der Werkstatt ist nicht einfach nur, Kindern und Jugendlichen in der Freizeit eine Beschäftigung anzubieten. Idealerweise wollen die Macher so auch Interesse für bestimmte Berufsbilder wecken - und damit das Handwerk im Landkreis Meißen am Leben halten. 

Beim 2. Handwerkercamp vom 10. bis 14. August, jeweils 8.30 bis 14 Uhr, können sich die Teilnehmer in Wandgestaltung üben. Es gibt noch einige Restplätze für Schüler der 7. bis 9. Klassen. Teilnahmegebühr 50 Euro, inklusive Mittagessen und Getränke. Ansprechpartner ist Stephan Franck: [email protected] oder Tel. 0157 51709375.

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