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Wilsdruffer haben Dauerstaus satt

Wenn es auf der A 4 zu Unfällen kommt, ist die Nossener Straße dicht. Eine Umgehungsstraße soll helfen. Doch auf die warten die Wilsdruffer schon ewig.

Der ständige Stau auf der Nossener Straße in Wilsdruff nervt Anwohner Lutz Kühne. Er dokumentiert den Zustand mit seinem Fotoapparat.
Der ständige Stau auf der Nossener Straße in Wilsdruff nervt Anwohner Lutz Kühne. Er dokumentiert den Zustand mit seinem Fotoapparat. © Daniel Schäfer

Lutz Kühne ist genervt. Fast jeden zweiten Tag staut es sich vor seinem Haus auf der Nossener Straße in Wilsdruff. Besonders schlimm war es jüngst an einem Dienstag. Von vormittags bis tief in die Nacht hinein rollten Autos, Lkws und Kleintransporter an seinem Haus vorbei. Immer wieder staute es sich, weil die langen Lkws nur mühsam an der engen Kurve vorbeikommen, die sich am Gasthaus Amtshof befindet. Auch seine Frau Uta ist sauer. "Manchmal gibt es Hupkonzerte ", sagt sie.

Das passiert, wenn sich dort zwei Lkws begegnen. Sie ist zwar damit groß geworden, dass auf der Straße vor ihrem Elternhaus viele Autos fahren. Doch in den letzten Jahren kamen sehr viele Lkws dazu. "Wir haben Angst, dass ein Laster mal auf unser Haus kippt". Bisher ist noch nichts Schlimmes passiert. Kleinere Schäden gibt es aber. Beispielsweise werde der Bordstein an der Nossener Straße Ecke Wielandstraße regelrecht kaputt gefahren.

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Dass sich auf der Nossener Straße der Verkehr staut, ist nichts Neues. "Das geht schon 30 Jahre so und ist in den letzten Jahren schlimmer geworden", sagt Lutz Kühne. Obwohl die Verantwortlichen das wissen, tut sich ganz offenbar nichts. Kurz nach dem Mauerfall sei den Wilsdruffern eine Umgehungsstraße versprochen worden, erinnert sich Kühne, der damals auch Stadtrat war. Die soll vor dem Ortseingang von Nossen kommend nördlich um die Innenstadt bis zur Autobahnauffahrt Wilsdruff geführt werden. 

Die geplante Streckenführung der S 36. So könnte Wilsdruff vom Ausweichverkehr entlastet werden.
Die geplante Streckenführung der S 36. So könnte Wilsdruff vom Ausweichverkehr entlastet werden. © SZ Grafik

Doch von dieser Straße fehlt bis heute noch jede Spur. Stattdessen wurde die A 4 sechsspurig ausgebaut, und die A 17, die Dresden mit Prag verbindet, neu gebaut. Die Folge: Der Verkehr hat weiter zugenommen. Und das spüren er und die anderen Anlieger. Jede Störung auf der A 4 zwischen Nossen und Wilsdruff hat Staus zufolge. Und der verleitet die Lkw- und Autofahrer auf die Nebenstraßen auszuweichen. Eine diese Ausweichstrecken ist die Nossener Straße in Wilsdruff. "Viele unserer Nachbarn haben schon resigniert", sagt Lutz Kühne.

Bürgermeister: Die Planungshoheit haben andere

Bürgermeister Ralf Rother (CDU) weiß um den Unmut der Bürger. Schließlich stauen sich die Lkws und Autos direkt vor der Stadtverwaltung. Auch er hofft, dass die Arbeiten an der Umgehungsstraße möglichst bald beginnen. Doch die Verwaltung habe keinen Einfluss auf den Planungsprozess. "Für die Staatsstraßen haben wir keine Planungshoheit", sagt Rother. Die Planung liegt in den Händen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). "Wir können nur nachfragen und uns ins Gespräch bringen." Die Umgehungsstraße ist wichtig, so Rother. Denn weder die kommunalen noch die Staatsstraßen im Stadtgebiet sind im Falle von Autobahn-Staus geeignet, den Verkehr durch die Stadt zu leiten. Deshalb setze man sich für den Bau ein. 

© SZ Grafik

Die Stadt habe sich vergeblich bemüht, im Konsens mit Anliegern und Grundstückeigentümern Baurecht zu erreichen. Weil das misslang, muss Baurecht über ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren geschaffen werden, so Rother. Und das läuft über das Lasuv. Dieses hat die Genehmigungsplanung abgeschlossen und am 5. März bei der Landesdirektion Sachsen das Planfeststellungsverfahren beantragt, sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Pfeiffer auf SZ-Nachfrage. Die Landesdirektion habe die Unterlagen geprüft. Anfang Mai habe es von der Behörde einige Hinweise gegeben. Die Landesdirektion spricht von Nachforderungen. "Die überarbeiteten Unterlagen sind in der letzten Woche bei der Landesdirektion eingetroffen", so der Sprecher der Landesdirektion, Holm Felber.

Diese Unterlagen müssen erneut geprüft werden. Wenn sie den Anforderungen entsprechen, werden sie öffentlich ausgelegt. Parallel dazu werden sich auch Vereine, Verbände und Behörden - die sogenannten Träger öffentlicher Belange - zu den Plänen äußern können. Ist das geschehen, wird das Lasuv die Stellungnahmen und Einwendungen bearbeiten und sich dazu äußern. "Der terminliche Ablauf der Auslegung, der Einwendungsfrist und für einen danach eventuell anzusetzenden Erörterungstermin liegt in der Hoheit der Landesdirektion Sachsen", so Pfeiffer. Und dort will man sich nicht festlegen, wann das Prozedere abgeschlossen werden kann.

Landesdirektion: Baurecht ist noch nicht in Sicht

"Das Verfahren ist momentan in einer relativ frühen Phase", sagt Felber. Über den Zeitpunkt seines Abschlusses und der Erteilung von Baurecht seien deshalb seriöse Aussagen momentan nicht möglich.

Nach der Fertigstellung der neuen Ortsumgehung wird die Stadt entlastet, sagt Rother. Die jetzige Staatsstraße wird heruntergestuft. Das garantiert der Stadt aber nicht, dass es im Fall von Unfällen auf der Autobahn keine Staus in der Innenstadt mehr geben wird. 

Für Lkws ist es nicht möglich, auf den Fahrspuren der abbiegenden Hauptstraße  zu bleiben.
Für Lkws ist es nicht möglich, auf den Fahrspuren der abbiegenden Hauptstraße  zu bleiben. © Lutz Kühne
So eng geht es an der Kreuzung Höhe Amtshof (links im Bild) mitunter zu.
So eng geht es an der Kreuzung Höhe Amtshof (links im Bild) mitunter zu. © Lutz Kühne
Lkw an Lkw. Alle wollen den Stau auf der A 4 umfahren und landen dabei auf der Nossener Straße. 
Lkw an Lkw. Alle wollen den Stau auf der A 4 umfahren und landen dabei auf der Nossener Straße.  © Lutz Kühne
Kaputt gefahren: So sieht der Bordstein an der Ecke Nossener Straße/Wielandstraße aus.
Kaputt gefahren: So sieht der Bordstein an der Ecke Nossener Straße/Wielandstraße aus. © Lutz Kühne

Um das Problem anzugehen, müsste die Autobahn ausgebaut werden. Doch auch dafür ist die Stadt nicht zuständig, sagt Rother. Er glaubt auch nicht, dass es mit dem Ausbau der Autobahn getan wäre. Die Verantwortlichen müssen sich Gedanken machen, wie der Verkehr von der Straße auf die Schiene gebracht werden könnte. "Auch hier sind wir auf die zuständigen Ämter angewiesen", sagt Rother. Bei denen könne man die Wilsdruffer Interessen in den Vordergrund stellen. "Und das machen wir auch zu jeder Gelegenheit, wohl wissend, dass die Stadt Wilsdruff im Freistaat nicht allein das Thema überregionaler Straßenbau auf den Tisch hat", sagt Rother.

Den Vorwurf einiger Bürger, er kümmere sich hauptsächlich nur ums Gymnasium und zu wenig um die Vermeidung von Staus, möchte er nicht gelten lassen. "Es gibt eine klare Aufgabenzuordnung. Schule ist ein Thema, das wir auf dem Tisch haben. Und wenn wir Themen auf dem Tisch haben, dann bewegen wir diese. Nicht alles gleichzeitig, sondern nach Priorität." Bei anderen Dingen müsse die Stadt andere bitten, und denen erklären, warum das Thema wichtig ist. Für die Wilsdruffer sei klar: "Unsere Straßen sind die wichtigsten". Aber das sehen auch die Bürger in anderen Kommunen so.

Rother zeigt Verständnis für die Bürger, die sich im Rathaus über die Staus beschweren. Wenn man überlegt, wen rufe ich an, komme man schnell auf den Bürgermeister. "Wir sind greifbar. Und das ist gut und richtig so. Ich nehme die Anliegen entgegen und transportiere sie." Die Gespräche sind wichtig. Denn da kommt dann schnell mal eine Anregung für eine Unterschriftensammlung oder anderes heraus. "Und das sind Dinge, bei denen wir unsere Bürgerschaft unterstützen können."

Lutz Kühne hat es aufgegeben, sich im Rathaus über die Zustände zu beschweren. Er hat die stille Hoffnung, dass sich die Anwohner animieren lassen, etwas zu unternehmen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. "Vielleicht könnte ein Frühstück auf der Nossener Straße so eine Aktion sein", sagt er. Allein hat das keinen Sinn, aber vielleicht machen andere mit.

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