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Das hilft wirklich gegen Wespen

Die Insekten sind jetzt aggressiv und beschäftigen sogar Notaufnahmen. Viele Abwehrtipps funktionieren aber nicht.

Süße Speisen wie Kuchen locken manche Wespen an.
Süße Speisen wie Kuchen locken manche Wespen an. © Jens Kalaene/dpa

Ein Stück Kuchen, ein Marmeladenbrot oder duftendes Grillfleisch: Das Picknick in der Natur könnte so schön sein – wären da nicht die Wespen, die in diesen Tagen besonders aggressiv sind. Die Stiche mit teils heftigen Folgen beschäftigen derzeit sogar die Notaufnahmen von Sachsens Kliniken. „Allein wir mussten am Wochenende 18 Wespenstichopfer behandeln“, sagt Dr. Mark Frank, Leiter der zentralen Notaufnahme am Standort Friedrichstadt des Städtischen Klinikums Dresden. Das seien für die kurze Zeitspanne schon ungewöhnlich viel. Die Patienten hätten zum Teil schwere Reaktionen gezeigt, so der Arzt, zum Beispiel Entzündungen, starke Schwellungen oder allergische Reaktionen.

Im Internet gibt es ohne Ende Tipps, wie man sie vertreiben kann: von Kupfergeld bis hin zu ätherischen Ölen. „Ich habe tatsächlich mal mit einem Fernsehsender alle möglichen Methoden versucht, von Kaffeepulver anbrennen bis hin zum Spicken von Zitronen“, sagt Biologin Melanie von Orlow vom Naturschutzbund (Nabu). Das habe alles nichts gebracht. Die Tiere seien von Natur aus so angelegt, dass sie aus großer Entfernung Futterstellen finden könnten.

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Wegpusten nicht empfehlenswert

„Um die Tiere gar nicht erst anzulocken, kann man Speisen abdecken, süße Getränke verschließen und auf stark parfümierte Körperpflegeprodukte verzichten“, rät Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch die Hände und den Mund sollte man sich gut abwischen, nachdem man gegessen hat, damit die Insekten nicht auch noch an den Mund kommen, empfiehlt Laura Breitkreuz vom Naturschutzbund (Nabu).

Leisten die Wespen einem trotzdem am Tisch Gesellschaft, kann man versuchen, sie vorsichtig wegzuschieben – wenn nicht mit der Hand, dann etwa mit der Speisekarte. „Einfach konsequent Grenzen aufzeigen und sie nicht gewähren lassen“, sagt Wessel. Hektisch werden und mit den Händen wedeln sollte man aber in keinem Fall. „Um sich Schlagen ist äußerst kontraproduktiv“, erklärt Wessel. Denn die Tiere nehmen diese Angst wahr, und Angstschweiß versetze sie in Alarmbereitschaft.

Auch Wegpusten ist nicht empfehlenswert. Das Kohlendioxid in der Atemluft ist ein Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffshaltung. „Ganz dreiste Ruhestörer lassen sich mit Wasser aus kleinen Sprühfläschchen zur Räson bringen“, sagt Wessel. Man könne es auch mit einer Ablenkungsfutterquelle versuchen, etwa eine überreife Frucht, die einige Meter entfernt abgelegt wird, rät Breitkreuz.

Elf Arten in Mitteleuropa

Dabei sind längst nicht alle Wespen auch die nervigen Tierchen, die beim Picknick im Sommer gefährlich werden können. „Wir haben mehr als nur die Kuchenwespe“, sagt von Orlow. „In der Regel trauen sich nur zwei der elf mitteleuropäischen Wespenarten an unsere gedeckten Tafeln, nämlich die Gewöhnliche Wespe und die Deutsche Wespe. Alle anderen Arten interessieren sich nicht für unser Essen.“

Erwachsene Tiere ernähren sich von Pollen und Nektar. Nur für die Larvenfütterung benötigen sie Eiweiß. Daher fressen sie andere Insekten wie Fliegen, Mücken oder Blattläuse sowie Aas, was die Ausbreitung von Krankheiten verhindert. Daher kommt auch der Name „Waldpolizei“. Weil sie im Spätsommer kein Eiweiß zur Aufzucht der Larven mehr brauchen, sind sie dann besonders aufdringlich und suchen gezielt nach Zucker.

Sie verschwinden von allein

Wer gleich ein ganzes Wespennest bei sich zu Hause entdeckt, sollte sich vom Fachmann Hilfe holen. Denn oft handelt es sich um für den Menschen harmlose Arten. Bis auf die besonders geschützten Hornissen unterliegen alle Wespenarten dem allgemeinen Naturschutz. Sie dürfen nicht pauschal bekämpft werden. Zwar braucht man keine Genehmigung, um ein Nest zu entfernen, aber einen vernünftigen Grund. Das können etwa gefährliche Allergien gegen das Wespengift oder von den Wespen verursachte Bauschäden sein.

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Wespen verlassen ihre Nester übrigens nach einer Saison wieder. Sie leben nur bis zum Spätsommer. Danach sterben die Arbeiterinnen, die Männchen und die alte Königin. Nur die zukünftige Staatsgründerin sucht sich einen Platz zum Überwintern. Im Frühjahr beginnt sie mit dem Bau eines neuen Nestes. Mit etwas Geduld verschwinden die Tierchen also von allein. (dpa/rnw)

Erste Hilfe bei Wespenstichen:

Eine Wespe sticht nur, wenn sie sich bedroht fühlt. Das gilt besonders im Umkreis von zwei bis drei Metern zum Nest. Das Blockieren der Flugbahn oder heftige Bewegungen oder Erschütterung können hier schon zum Angriff führen.

Das Gift einer Wespe kann einen nicht allergischen Menschen nicht ernsthaft gefährden. Ein geringer Teil des Giftes kann durch ein sofortiges Aussaugen und Ausspucken entfernt werden.

Um Schwellungen und Schmerzen zu lindern, eine halbierte Zwiebel, kühlende Salben oder kurz zerkauten Spitzwegerich auftragen. Auch Zahnpasta kann helfen. Die Einstichstelle mit einem nassen Tuch oder Eiswürfeln kühlen.

Hat eine Wespe in den Hals gestochen, weil man sie zum Beispiel beim Biss in den Kuchen übersehen hat, muss eine Schwellung so gut es geht verhindert werden. Das heißt Kühlung von außen durch nasse Tücher und von innen durch eisgekühlte Getränke. Der Notarzt muss schnellstmöglich verständigt werden.

Quelle: LBV

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