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Aufschwung in Sachsen kommt erst später

Die Wirtschaftsforscher von Ifo Dresden berechnen, wann die Corona-Krise ökonomisch vorbei ist. Vorher bremst sie aber noch das Baugewerbe.

© Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)

Dresden. Ende nächsten Jahres wird die sächsische Wirtschaft wieder dasselbe Niveau erreichen wie vor der Corona-Krise. Damit rechnet die Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Ihr Konjunkturexperte Joachim Ragnitz sagte am Dienstag in Dresden, die Wirtschaft in Sachsen schrumpfe im Jahr 2020 voraussichtlich um fünf Prozent, werde aber nächstes Jahr wieder um 4,1 Prozent wachsen.

Die Industrie hat sich laut Ragnitz in den vergangenen Monaten schon gut erholt und wird im kommenden Jahr stark zulegen. Dafür droht nun ein leichter Rückschlag einer Branche, die bisher gut durch die Corona-Krise gekommen ist: dem Bau. Laut Ifo-Institut ist das Baugewerbe selbst im Krisenjahr 2020 noch leicht gewachsen, muss aber für das kommende Jahr in Sachsen mit 1,6 Prozent Rückgang rechnen.

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Das hat zwei Gründe: Zum einen werden manche Familien sich ihren geplanten Hausbau nicht mehr leisten können. Zum anderen werden auch Unternehmen vorsichtiger sein und Erweiterungen verschieben.

Corona kostet Sachsen 19.000 Arbeitsplätze

Ragnitz rechnet dennoch damit, dass auf die Krise bald wieder ein Aufschwung folgt. Er kommt nur etwas später, als der Professor noch im Sommer vorhergesagt hatte. Daher steht über seiner Pressemitteilung: „Erholung der ostdeutschen Wirtschaft dauert länger als erwartet“.

Denn die jüngsten Schließungen waren bei den Berechnungen vom Sommer nicht einbezogen, und auch in der neuen Vorhersage ist laut Ragnitz der jüngste „harte Lockdown“ noch nicht vollständig berücksichtigt. Allerdings treffe er die Industrie ohnehin nicht so stark: In der Weihnachtszeit werde üblicherweise weniger produziert. Bei den Prognosen setzt das Ifo-Institut voraus, dass die Einschränkungen im Frühjahr enden und die Impfungen wirken.

Ragnitz rechnet nicht damit, dass in Sachsen dauerhaft viele Arbeitsplätze durch die Corona-Krise verloren gehen. „Die Kurzarbeiterregeln waren Gold wert“, sagte er. Viele Unternehmen würden ihre Beschäftigten möglichst behalten, weil sie weiterhin „Fachkräfteknappheiten“ erwarten. Die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen wird laut Ifo Dresden in diesem Jahr um ein Prozent sinken, nächstes Jahr um 0,1 Prozent steigen. Nach dieser Rechnung gibt es dann allerdings insgesamt 19.000 Stellen in Sachsen weniger als vor Corona, in Ostdeutschland 57.000 weniger.

Ostdeutschland holt wieder nicht auf

Sachsens Wirtschaft wird insgesamt von der Corona-Krise etwas weniger gebremst als die deutsche insgesamt, weil Sachsen weniger Industrie hat. Allerdings ist Sachsens Industrie-Anteil höher als in Ostdeutschland insgesamt. Für Ostdeutschland rechnet das Ifo-Institut für dieses Jahr mit 4,4 Prozent Schrumpfen der Wirtschaft und für nächstes Jahr mit 3,6 Prozent Wachstum.

Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle hat 3,6 Prozent Wirtschaftswachstum für Ostdeutschland für nächstes Jahr vorausgesagt. Die Hallenser wagten auch schon eine Voraussage für das Jahr 2022: für Ostdeutschland 2,4 Prozent Wachstum, für Deutschland insgesamt 3,2 Prozent. Aufholen gelingt nicht.

Ratschlag: Sachsen soll Schulden später zurückzahlen

Aus Umfragen weiß Ragnitz, dass mehr ostdeutsche als westdeutsche Firmen die Krise als existenzbedrohend erleben. Ost-Betriebe sind häufig klein und haben wenig Erspartes. Der Professor bewertet es daher als richtig, dass der Staat Unternehmen mit Geld versorgt. Er rechnet auch damit, dass die Hilfen weiter fließen werden – kurz vor der Bundestagswahl werde die Regierung die Unterstützung nicht stoppen. Sie werde aber „nicht alle Unternehmen retten können“.

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