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Kurse für Waldbaden: Wie Claudia Scharf vom Büro in den Wald wechselte

Die Wachauerin Claudia Scharf bietet das in Deutschland immer populärer werdende Waldbaden an. Teils wird das sogar von der Krankenkasse bezahlt. Handtuch und Badehose sind aber nicht nötig.

Von Siri Rokosch
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Claudia Scharf bietet im Rödertal und der Dresdner Heide Kurse zum Waldbaden an.
Claudia Scharf bietet im Rödertal und der Dresdner Heide Kurse zum Waldbaden an. © Marion Doering

Wachau. Der Wald ist für viele eine kleine Ruheoase. Gestresst durch Beruf, Autofahrt und Familienpflege betritt man das Grün, und schon nach einer kurzen Zeit fühlt man sich entspannt, der Puls sinkt, die Atmung wird ruhiger. Sogar wissenschaftlich konnte bereits in Studien die heilende Wirkung des Waldes auf den Menschen nachgewiesen werden. Das nutzt auch Claudia Scharf aus Wachau. Sie bietet als staatlich zertifizierte Waldpädagogin und Sozialpädagogin das Waldbaden unter anderem in der Dresdner Heide und dem Seifersdorfer Tal an. Doch was ist das eigentlich?

"Sie müssen keinen Baum umarmen"

Ursprünglich arbeitete Claudia Scharf in einem Büro im Landratsamt, wie sie erzählt. Im Wald habe sie schon damals Erholung gefunden und sei zur Ruhe gekommen. Seit 2018 bietet sie nun im Rödertal und der Dresdner Heide das Waldbaden an. "Machne kommen tatsächlich mit dem Handtuch und glauben wir gehen in einem Gewässer baden, doch das Waldbaden bedeutet vielmehr das Eintauchen in den Wald", sagt Claudia Scharf.

In den Kursen werde vor allem die Achtsamkeit gelehrt und geübt. "Dabei muss kein Baum umarmt werden. Es geht darum im hier und jetzt zu sein, nicht im Gestern, nicht im Morgen, nur im Jetzt", erklärt die Sozialpädagogin. Die Kurse dauern zwischen anderthalb und drei Stunden und würden das Immunsystem stärken, ebenso wie das Nervensystem und den Hormonhaushalt, sagt Scharf.

"Durch das Waldbaden wird der Stress reduziert, denn Adrenalin und Kortisol werden dadurch im Körper abgebaut. Der Ruhenerv, Parasympathikus, wird aktiviert", dies sei wissenschaftlich bereits belegt, vor allem durch Wissenschaftler aus Japan, die seit den 1980-er Jahren das Waldbaden präventiv als Gesundheitsvorsorge nutzen. Bereits nach fünf bis zehn Minuten im Wald schlage das Herz langsamer, die Atmung werde ruhiger und Stress werde reduziert.

Bewegungs- und Atemübungen im Wald

Während der Kurse würden Bewegungs- und Atemübungen erklärt und durchgeführt, die Sinne auf den Wald gerichtet, sagt Scharf: "Riechen, Horchen, anfassen, die Ruhe genießen, sich vielleicht an einen Baum lehnen oder auf das Moos setzten, das sind die Achtsamkeitsübungen, die den Körper entspannen."

Die Kurse für Einzelteilnehmer würden in der Regel etwa drei Stunden dauern. Kurse, die die meisten Krankenkassen anteilig und die AOK sogar vollständig bezahlen, dauern anderthalb Stunden und finden acht Mal statt.

Claudia Scharf bietet das Waldbaden für Familien unter dem Titel "Mit allen Sinnen im Wald" an. Dieser Kurs werde vollständig von der AOK bezahlt. Daran können maximal acht Familien teilnehmen. Die Einzelkurse für Erwachsene ist für maximal 14 Teilnehmer gedacht und wird zu 80 Prozent von den meisten gesetzlichen Kassen bezahlt.

Welche Heilkraft Wälder haben können

Entstanden oder wiederentdeckt wurde die Heilkraft der Wälder in den 1980-er Jahren in Japan, erzählt Scharf. Damals waren die ersten Waldbadewege in dortigen Wäldern angelegt worden, inzwischen ist Waldbaden dort gar Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung. Ab dem Jahr 2004 starteten in Japan große Forschungsprojekte zur Wirkung des Waldes auf den Menschen.

Dabei wurde auch festgestellt das die Terpene, mit denen die Bäume untereinander kommunizieren und sich unter anderem gegenseitig vor Fressfeinden warnen, auch unser Immunsystem anregen. "Hinzu kommen auch die ätherischen Öle, Mikroben im Wald und Sporen, welche wie eine Dusche auf uns wirken. Dadurch wird die Anzahl unserer Killerzellen im Körper erhöht", erklärt Scharf die wissenschaftlichen Studien.

Yoshifumi Miyazaki erforscht die Wirkung des Waldes in Japan. Er ist Universitätsprofessor, Forscher und stellvertretender Direktor des Zentrums für Umwelt, Gesundheit und Feldforschung an der Chiba Universität in Japan und hat mehrere Fachbücher über das Thema geschrieben. Für die Klärung der gesundheitlichen Vorteile des Waldbadens erhielt er Auszeichnungen vom japanischen Landwirtschaftsministerium und der Japanischen Gesellschaft für physiologische Anthropologie.

Waldbaden wird in Deutschland immer populärer

In Deutschland ist das Thema relativ neu. Erst seit etwa fünf Jahren wird das Waldbaden auch bei uns populärer. Ein Heilwald ist inzwischen an der Ostsee in der Nähe von Heringsdorf errichtet worden. In Hessen und Bayern gibt es ebenfalls schon Wälder, die als Heilwald genutzt und betitelt werden. Einige Reha-Kliniken bieten das Waldbaden inzwischen als Genesungsunterstützung für die Patienten an.

Claudia Scharf geht mit ihrem Wissen auch in Grundschulen in Wachau und dem Umland. Dabei wird sie auch von der Landesakademie für Natur und Umwelt und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald unterstützt.

Deutschlandweiter Waldbade-Tag geplant

Am 21. Juni findet ein Aktionstag "Deutschland geht Waldbaden" statt, an welchem rund 50 Kursleiter mit einzelnen Gruppen teilnehmen wollen. Claudia Scharf lädt erst am 23. Juni dazu ein. Das Waldbaden startet an diesem Tag in Klotzsche und führt durch die Dresdner Heide. Die Teilnahmegebühren werden zu diesem Aktionstag deutschlandweit gesammelt. Von dem Geld würden Bäume gekauft und gepflanzt werden.

Erst im März hatte Scharf gemeinsam mit Dresdnern Bäume und Sträucher in der Nähe der Wostra in Dresden auf einer Brachfläche gepflanzt. Unter anderem wachsen nun dort Rosen, Weißdorn, Haselnuss, Hagebutten und Obstbäume.

Am 30. Juni werde es zudem einen besonderen Waldbade-Termin im Seifersdorfer Tal geben. Dort können die Teilnehmer auch etwas über ötherische Öle aus Waldprodukten erfahren, wie Wacholder-Öl, Fichten-Öl und Weihrauch-Öl.

Bis dahin startet Claudia Scharf am Donnerstag, 11. Mai, erst einmal zu einer Bildungsreise nach Japan, um sich die Ursprünge des Waldbadens persönlich anzuschauen. Dabei wolle sie Tempel besuchen, den Buddhismus und Tee-Zeremonien sowie das Achtsamkeitstraining näher erfahren, den ersten Heilwald in Akasawa besuchen und sich das dortige Wald- und Therapiezentrum und deren Arbeit anschauen.