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Warum lässt Radeberg den geschenkten Radweg in Ullersdorf verkommen?

Es geht um 2.000 Meter Radweg - und keiner fühlt sich zuständig. Die Folge: Der Ullersdorfer Radweg vom Sportplatz bis zur Todenmühle ist verwachsen und verwildert und dadurch eine Gefahrenstelle. Wie geht es weiter?

Von Verena Belzer
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Besonders dann, wenn sich zwei Radfahrer begegnen ist der Ullersdorfer Radweg an einigen Stellen viel zu eng.
Besonders dann, wenn sich zwei Radfahrer begegnen ist der Ullersdorfer Radweg an einigen Stellen viel zu eng. © Marion Doering

Ullersdorf. Der Radweg zwischen Ullersdorf und Bühlau hat eine lange Geschichte hinter sich - doch so richtig zur Ruhe kommt er nicht. Es gibt immer wieder Ärger um den Zustand des Radweges.

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist ihn kürzlich abgefahren und hat ihn als gefährlich beschrieben. Der Zustand sei auch ein Grund dafür, dass viele Radfahrer eben doch auf die Straße ausweichen, sagte ADFC-Dresden-Vorstand Nils Larsen.

Besonders der Abschnitt zwischen dem Ullersdorfer Sportplatz und der Todenmühle, in der mittlerweile die Uhrenmanufaktur Lang&Heyne ihr Quartier hat, ist an einigen Stellen so von Grün zugewuchert, dass Radfahrer ihn mitunter nur ungern benutzen.

Keiner fühlt sich für Pflege des Weges zuständig

Weil sich niemand richtig zuständig fühlt, hat sich die Natur ihren Weg gebahnt: Aus dem einst zwei Meter breiten Radweg ist ein schmaler Pfad geworden, der an einigen Stellen gerade mal einen halben Meter breit ist. Viel zu wenig für Radfahrer.

Im Grunde müsste er auch alle paar Jahre professionell freigebaggert werden, so wie das bereits auf der Dresdner Seite geschieht. Hierum kümmert sich der Sachsenforst im Auftrag der Stadt Dresden - für einen überschaubaren Geldbetrag. Nur in Radeberg tut sich nichts.

Und der Weg ist eigentlich gut frequentiert. Schüler fahren hier nach Bühlau in die Schule, Radeberger zum Einkaufen. Und da es mittlerweile endlich die Brücke über die Priesnitz gibt, war die Freude über den durchgängigen Radweg eigentlich groß.

Es gibt Radfahrer, die den Weg regelmäßig nutzen und berichten, dass sie die Büsche und Bäume sogar schon teilweise selbst geschnitten hätten, weil der Weg so zugewachsen gewesen sei.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier mal ein Unfall passiert", sagt einer, der hier oft entlang fährt. Die Stadt Radeberg müsse die Pflege des Weges übernehmen, findet der Ullersdorfer. "Nichtstun geht gar nicht."

Der Radweg wurde der Stadt einst geschenkt

Die Stadt jedoch blockt ab. Auf Nachfrage von Sächsische.de erklärt die Radeberger Pressesprecherin Sarah Günther, der Weg vom Sportplatz bis zur sogenannten Todenmühle in Ullersdorf "befindet sich auf Dresdner Flur, somit obliegt der Stadtverwaltung Radeberg keine Zuständigkeit. Nach unseren Informationen ist er auch nicht öffentlich gewidmet".

Anmerkungen und Hinweise vonseiten der Stadt oder von Bürgerinnen und Bürgern könnten lediglich an die Stadt Dresden weitergegeben werden, sagt Sarah Günther.

Doch mit welchem Interesse sollte die Stadt Dresden einen Waldweg herstellen, der nur von Radebergern und nicht von Dresdner Bürgern benutzt wird?

Zum Hintergrund: Den Bau des Radweges hatte 2005 Christian Widmann, Geschäftsführer der Cortez GmbH in Dresden, finanziert. In den Jahren zuvor hatte er ein Wohngebiet in Ullersdorf erschlossen.

"Ich wollte jedoch nicht nur als Anbieter von Grundstücken im Ort auftreten, sondern für alle Ullersdorfer etwas machen. Deshalb habe ich mich für das Sponsoring des Radweges entschlossen", hatte Widmann damals erklärt.

Der Radweg für die Ullersdorfer Bürger wurde also von seinem Sponsor-Geld gebaut - und zwar auf Grund und Boden vom Sachsenforst, der Eigentümer ist.

Ullersdorfs Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth sieht Stadt Radeberg in der Pflicht

Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth (links, CDU), Christian Widmann von der Cortez GmbH (Mitte) und Heiko Müller vom Sachsenforst bei der ersten Radtour auf dem neuen Radweg in Ullersdorf - das war 2005. Christian Widmann hatte den Bau bezahlt, Eigentümer ist
Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth (links, CDU), Christian Widmann von der Cortez GmbH (Mitte) und Heiko Müller vom Sachsenforst bei der ersten Radtour auf dem neuen Radweg in Ullersdorf - das war 2005. Christian Widmann hatte den Bau bezahlt, Eigentümer ist © SAE Sächsische Zeitung

Uta Krause, Revierförsterin des Sachsenforsts in Ullersdorf jedoch erklärt, dass der Staatsbetrieb Sachsenforst nicht für die Pflege des Weges aufkommen könne. "Die Gemeinde wollte diesen Weg, deswegen muss sie sich auch darum kümmern." Der Sachsenforst selbst brauche diesen Weg nicht.

Und auch für Ullersdorfs Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth, CDU-Fraktionsvorsitzender im Radeberger Stadtrat, ist die Sache ziemlich eindeutig. Er hatte sich damals persönlich dafür eingesetzt, dass der Radweg gebaut wird.

"Da muss jetzt dringend eine Lösung her", fordert Wieth. "Das Problem ist seit Jahren bekannt und die Stadt hat sich nicht ernsthaft gekümmert." Seiner Ansicht nach ist zwar rein formal die Stadt Dresden für die Pflege des Weges zuständig, weil es sich um Dresdner Flur handelt, "aber im Interesse unserer Bürger müssen wir das eben gegebenenfalls selbst regeln".

Die Stadt müsse dringend aktiv werden, "es kann ja nicht sein, dass wir den Weg umsonst geschenkt bekommen haben und ihn dann verkommen lassen". Man müsse sich nun bemühen, mit der Stadt Dresden ins Geschäft zu kommen.

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