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Hallenbad: Verlust in sechsstelliger Höhe

Gerade erst war das Riesaer Schwimmbad erneuert worden, da musste es wegen Corona schließen. Nun hofft man auf eine Öffnung wenigstens für bestimmte Gäste.

Keiner schwimmt, einer putzt: Magnet-Azubi Dominik Günzel säubert das Hallenbad Riesa mit der Scheuermaschine. Solche Arbeiten sind auch nötig, während das Bad zwangsweise zu ist.
Keiner schwimmt, einer putzt: Magnet-Azubi Dominik Günzel säubert das Hallenbad Riesa mit der Scheuermaschine. Solche Arbeiten sind auch nötig, während das Bad zwangsweise zu ist. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Keine Badegäste, keine Schulkinder, keine Vereinssportler - aber geputzt werden muss trotzdem. Lehrling Dominik Günzel hat den Beckenrand im Riesaer Hallenbad für sich allein, während er mit der Scheuermaschine über die Fliesen fährt. Das Haus ist wegen der Corona-Maßnahmen seit Monaten geschlossen. Sächsische.de sprach darüber mit Reiner Striegler vom Badbetreiber Magnet und Stadtwerke-Chef René Röthig - dem Unternehmen gehört das Hallenbad.

Herr Striegler, Herr Röthig: Was läuft aktuell im Hallenbad? Was muss man tun, um die Anlage möglichst gut durch die Schließzeit zu bekommen?

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Striegler: Die technischen Anlagen werden auf einem abgesenkten Niveau gefahren, dass das Gebäude und das Inventar keinen Schaden nehmen und die Wasserqualität gehalten wird, ohne das Beckenwasser noch einmal vollständig austauschen zu müssen.

Wie geht es Ihren Mitarbeitern?

Striegler: Die Mitarbeiter sind komplett in Kurzarbeit und kommen im Schnitt einmal wöchentlich zum Dienst, um die Anlagentechnik zu betreuen und kleinere Wartungs- und Renovierungsarbeiten durchzuführen, die sonst in der Sommerschließzeit erledigt wurden.

Reiner Striegler ist Geschäftsführer der Gesellschaft Magnet - sie betreibt in Riesa Hallenbad (Foto) und Freibad Weida.
Reiner Striegler ist Geschäftsführer der Gesellschaft Magnet - sie betreibt in Riesa Hallenbad (Foto) und Freibad Weida. © Sebastian Schultz

In welcher Größenordnung liegen die finanziellen Einbußen durch die Corona-Regeln?

Röthig: Wir gehen davon aus, dass wir coronabedingt auf Einnahmen in sechsstelliger Höhe verzichten müssen. Dem stehen natürlich auch, jedoch in geringerem Maße, Reduzierungen von Kostenpositionen gegenüber.

Hallenbäder dürfen seit Monaten nicht öffnen. Können Sie die geltenden Regeln nachvollziehen?

Röthig: Wer nachts alleine an einer roten Ampel steht und wartet, bis es endlich grün wird, kann die Nachvollziehbarkeit des nächtlichen Ampelbetriebes hinterfragen oder auch nicht. Das Beispiel macht deutlich, dass „bei Rot fahren“ keine gute Alternative ist.

Wie reagieren Ihre Stammgäste auf die Schließung? Schließlich gehören auch Vereine und Schulen dazu ...

Striegler: Viele Vereine und Stammgäste bedauern den aktuellen Zustand sehr und hoffen, dass das Hallenschwimmbad zumindest für den Trainingsbetrieb und die Reha-Kurse bald wieder öffnet.

Was müsste gegeben sein, damit sich eine Öffnung dieses Jahr noch „lohnt“? Oder würden Sie in jedem Fall wieder öffnen, wenn es die Regeln hergeben?

Röthig: Das Riesaer Hallenschwimmbad hat mit den allermeisten Bädern gemeinsam, dass diese sich auch in „normalen Zeiten“ finanziell nicht lohnen. Es braucht immer einen starken engagierten Partner, der die Differenz zwischen den Einnahmen und den Kosten dazu gibt. In Riesa ist das der Eigentümer des Hallenschwimmbads, die Stadtwerke Riesa. Das Hallenbad zu öffnen, lohnt sich daher nie monetär, sondern schon immer deshalb, weil es ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge für die Riesaer Bürger ist. Das gilt sowohl für die Zeit vor, als auch nach den Beschränkungen durch die Coronaverordnung.

René Röthig ist Geschäftsführer der Stadtwerke Riesa. Dem Versorger gehört das Hallenbad in der Delle.
René Röthig ist Geschäftsführer der Stadtwerke Riesa. Dem Versorger gehört das Hallenbad in der Delle. © KDB

Kurz vor dem Lockdown war die Modernisierung der Hallenbad-Technik (zumindest weitgehend) abgeschlossen worden. Hat sich die neue Technik eigentlich schon einmal unter Voll-Last bewähren dürfen?

Striegler: Ein Volllastbetrieb, noch in Begleitung der Fachfirmen, konnte nur in der letzten Oktoberwoche 2020 gefahren werden. Für eine Bewertung der Wirksamkeit der neuen Anlagen war dieser Zeitraum aber zu kurz.

Sind mittlerweile alle noch offenen Arbeiten in dem Zusammenhang abgeschlossen?

Röthig: Wir nutzen die Schließzeit so gut es geht, alle begonnenen und auch für die Sommerpause geplanten Arbeiten durchzuführen und abzuschließen. Bis auf kleinere Restarbeiten sind die geplanten Ertüchtigungsarbeiten an Bädertechnik und Umkleiden abgeschlossen. Ganz fertig ist man bei einem älteren Bestandsgebäude natürlich nie. In den nächsten Jahren werden wir weiter am Erhalt der Schwimmhalle arbeiten. So werden zum Beispiel Arbeiten an der Fassade (Richtung Olympia-Sportzentrum) als nächstes ins Auge gefasst, um die Substanz in gutem Zustand zu halten. Ob nach der Corona-Pandemie dafür Fördermittel in Anspruch genommen werden können, wissen wir gegenwärtig noch nicht.

Die Schwimmhalle neben der Sachsenarena war erst im vergangenen Jahr saniert worden.
Die Schwimmhalle neben der Sachsenarena war erst im vergangenen Jahr saniert worden. ©  Archivfoto: Sebastian Schultz

Und noch eine Anfrage an die Stadtwerke: Aktuell sieht es nach Frühling aus. Hat sich der jüngste Wintereinbruch in Verbindung mit dem Corona-Lockdown positiv beim Umsatz bemerkbar gemacht?

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Röthig: Um sich eine Vorstellung von den Verhältnissen zu verschaffen, helfen vielleicht ein paar Daten. Beispielsweise wurden an einem Tag im August 2020 bei knapp 30 Grad Celsius Außentemperatur knapp 100.000 Norm-Kubikmeter Erdgas an der Übergabestelle in das Riesaer Netz als Tagesvolumen gemessen. An einem Tag im Februar 2021 bei minus zehn Grad Celsius belief sich das Vergleichsvolumen auf über 300.000 Norm-Kubikmeter. Unter Berücksichtigung von Wochentagen kann man grob einschätzen, dass 2021 circa zehn Prozent mehr Erdgas in der Februar-Kaltphase verbraucht wurden, als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Allerdings beeinflusst die gewerbliche Nutzung des Erdgases den Verbrauch erheblich, so dass die Außentemperatur nur ein wesentlicher, aber nicht der einzige Verbrauchsindikator ist. Ganz genau wissen wir es, wenn die Zählerablesung bei den Privatkunden stattgefunden hat. Diese findet jedes Jahr Ende September statt.

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