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Museums-Chefin ersteigert Adelsbrief

In der Sendung Bares für Rares war ein Hunderte Jahre altes Dokument aus Riesa aufgetaucht. Demnächst soll es im Haus am Poppitzer Platz zu sehen sein.

Museumsleiterin Maritta Prätzel zeigt den Adelsbrief, den sie kürzlich für ihr Haus ersteigert hat.
Museumsleiterin Maritta Prätzel zeigt den Adelsbrief, den sie kürzlich für ihr Haus ersteigert hat. © Sebastian Schultz

Riesa. Mit Samthandschuhen blättert Maritta Prätzel durch das sechsseitige Dokument, das vor ihr auf dem Tisch liegt. "Die Schrift ist wie gedruckt", schwärmt die Museumschefin vom Neuerwerb ihres Hauses. Fast 400 Jahre ist der Adelsbrief alt, den sie in den Händen hält. "Es ist damit das älteste Dokument, das wir hier bei uns im Museum haben."

Ausgestellt war die Urkunde von Ferdinand II., ab 1619 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Er erhob darin 1624 den Riesaer Rittergutsbesitzer Christoph Felgenhauer in den Adelsstand. Der aus den Niederlanden stammende Kaufmann Felgenhauer war zu der Zeit Kammerrat und Floßdirektor im Kurfürstentum Sachsen; ihm gehörte auch das Rittergut Hirschstein, und auf sein Betreiben hin hatte Sachsens Kurfürst Riesa das Stadtrecht verliehen.

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An den Adelsbrief war das Stadtmuseum auf eher ungewöhnlichen Wegen gelangt. "Wir hatten bisher nur eine Kopie des amtlichen Dokuments", erzählt Maritta Prätzel. So ein Adelsbrief verbleibe hingegen meist in Privatbesitz. Doch obwohl das Museum zu einer Nachkommin Felgenhauers in Berlin bis zu deren Tod enge Kontakte pflegte, sei von so einer Urkunde nie die Rede gewesen. Entsprechend groß war die Überraschung, als der Brief es ins Fernsehen schaffte.

In der ZDF-Sendung "Bares für Rares" bot ein Bayreuther Edelmetallhändler das Dokument gemeinsam mit einem weiteren Adelsbrief an. Beides habe er von einer Bekannten erhalten, deren Mann solche Dokumente einmal gesammelt hatte. In der Sendung gingen die Briefe zunächst für 4.350 Euro an Antiquitätenhändler Fabian Kahl.

Die Folge war noch gar nicht ausgestrahlt, als bei Maritta Prätzel das Telefon klingelte. "An dem Freitag habe ich insgesamt 35 Mitteilungen bekommen." Viele Riesaer hatten die Sendung wohl schon in der Mediathek im Internet abgerufen. "Mein erster Gedanke war: Das passt super in unsere geplante Sonderausstellung." Die Museumsleiterin kontaktierte Fabian Kahl, der wiederum mitteilte, er werde den Brief bei einer Telefon-Auktion versteigern. Mindestgebot: 5.500 Euro.

"Das war eine Premiere", erzählt Maritta Prätzel. Weder war ihr Haus bisher übers Fernsehen auf ein Ausstellungsstück aufmerksam geworden, noch sei jemals eines ersteigert worden. Der Vorstand des Museumsvereins gab grünes Licht - und Maritta Prätzel bot mit. "Das war schon aufregend - für mich war es ja auch die allererste Auktion." Schnell ging der Preis in die Höhe. Bei 7.000 Euro war eigentlich das Limit erreicht, das sie sich gesetzt hatte. Doch Maritta Prätzel entschied sich für etwas mehr Risiko. "Kurz danach lag das Gegengebot nur noch um 50 Euro höher. Da habe ich gedacht: aha, jetzt werden die Gegner schwach." Sie erhöhte noch einmal deutlich auf 7.500 Euro - und erhielt den Zuschlag.

In den darauffolgenden Tagen sammelte der Museumsverein Spenden für den Ankauf ein. "Das hat ein Wahnsinns-Echo ausgelöst", sagt Maritta Prätzel, "da sind auch große Summen eingegangen." Bis Dienstag lag der Kontostand schon bei 6.800 Euro. "Sollten wir am Ende mehr sammeln, als die Urkunde gekostet hat, dann könnten wir uns noch eine gute Replik für die Dauerausstellung leisten." Das Original soll in jedem Fall bei der Sonderausstellung ab 6. Juni zu sehen sein. Die befasst sich mit der Klostergruft - in der auch Mitglieder der Familie Felgenhauer bestattet wurden.

Das sechsseitige Dokument beginnt mit dem Titel des Kaisers, beschreibt später Verdienste Felgenhauers und regelt weitere Formalitäten, etwa die Erbfolge. Auf der Seite rechts ist das Wappen zu sehen. Unten das Siegel samt Holzschatulle.
Das sechsseitige Dokument beginnt mit dem Titel des Kaisers, beschreibt später Verdienste Felgenhauers und regelt weitere Formalitäten, etwa die Erbfolge. Auf der Seite rechts ist das Wappen zu sehen. Unten das Siegel samt Holzschatulle. © Sebastian Schultz

Auch eine professionelle Transkription soll es noch geben. Denn viele Formulierungen im Originaltext sind nicht ganz leicht zu verstehen, sagt Maritta Prätzel. Eine beträchtliche Spende kam übrigens auch von einem Nachkommen der Familie Felgenhauer. "Er hatte bei der Auktion mitgeboten und meldete sich im Nachhinein. Es war ihm sehr unangenehm, dass er den Preis hochgetrieben hatte", so die Museumschefin. Im Nachhinein gab der Senior, der heute in den alten Bundesländern lebt, seinen Segen: Er könne sich keinen besseren Ort für den Brief vorstellen, als das Museum in Riesa.

  • Spenden auf das Konto des Museumsvereins Riesa e.V. sind möglich bei der Sparkasse Meißen, DE96850550003033004830, und bei der Volksbank Riesa DE10850949840001370502, Kennwort: Adelsbrief

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