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Real-Mitarbeiter müssen weiter bangen

Edeka wollte den Markt im Riesapark - und hat sich vom Kartellamt eine Absage eingehandelt. Wie geht es nun weiter?

Blick auf den Real im Riesapark. Nachdem das Kartellamt gegen eine Übernahme durch Edeka Bedenken angemeldet hat, bleibt die Zukunft der Filiale weiter offen.
Blick auf den Real im Riesapark. Nachdem das Kartellamt gegen eine Übernahme durch Edeka Bedenken angemeldet hat, bleibt die Zukunft der Filiale weiter offen. © Lutz Weidler

Riesa. Die Nachricht kam am Mittwochnachmittag - und sie dürfte so manchen überrascht haben: Die Edeka-Gruppe darf den Real-Markt im Riesapark nicht übernehmen. Das hatte kurz zuvor das Bundeskartellamt entschieden. Während die Behörde für 51 Standorte eine Zusage erteilte, darunter für den in Heidenau und einen in Leipzig, muss der Lebensmittelkonzern auf den in Riesa verzichten.

Gerechnet hatte damit nicht jeder: Die Industrie- und Handelskammer hatte noch im Februar erklärt, sie halte kartellrechtliche Bedenken im Raum Riesa für eher unwahrscheinlich. Es kam aber offenbar anders. Bei 21 der insgesamt 72 Märkte auf der Edeka-Wunschliste hatte das Kartellamt Bedenken angemeldet. Was dafür den Ausschlag gegeben hat, teilt das Amt konkret nicht mit. Detailliertere Angaben sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden, so ein Sprecher. Allerdings heißt es in der bisher veröffentlichten Mitteilung, man sehe "den gesamten Edeka-Verbund unter Einbeziehung der selbständigen Einzelhändler und der Regionalgesellschaften als wirtschaftliche Einheit und als verbundene Unternehmen an".

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In die Überlegung, ob Edeka mit dem Real-Erwerb in der Riesaer Region zu stark werden könnte, wurden also womöglich auch der Marktkauf in Oschatz und Edeka-Scheller in Großenhain einbezogen. Anhand von Payback-Daten hatte das Amt außerdem analysiert, "aus welchem Gebiet 90 Prozent aller Kunden des jeweiligen Real-Standortes kommen". Dieses Gebiet dürfte im Riesaer Fall recht groß sein: Schon die Analysen fürs Riesaer Einzelhandelskonzept hatten ergeben, dass der Riesapark auch weit ins Umland ausstrahlt.

IHK kann Entscheidung nicht nachvollziehen

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dresden reagiert auf die Entscheidung der Kartellbehörde mit Unverständnis. "Edeka hat zwar in der Umgebung von Riesa mehrere Märkte", sagt IHK-Sprecher Lars Fiehler. Neben Oschatz betreibe das Unternehmen auch noch Filialen in Großenhain, Stauchitz und Nünchritz. In Riesa selbst gebe es bislang aber nur einen Großhandel, betont Fiehler. "Daher hätten wir gegebenenfalls mit Flächenbegrenzung gegen eine Edeka-Ansiedlung keine Bedenken gehabt."

Die Suche nach einem Interessenten für den Markt im Weidaer Einkaufszentrum geht damit weiter. Nach wie vor hat Medienberichten zufolge Globus Interesse an weiteren Filialen. Das Handelsunternehmen aus dem Saarland hatte sich erst kürzlich einige Märkte gesichert. Nach Ansicht der IHK würde der Markt in Riesa zur Expansionsstrategie von Globus passen. Theoretisch denkbar wäre auch, dass noch ganz neue Akteure auf den Plan treten. Die kleineren Mittelständler hatten sich bisher zurückgehalten.

Bei der IHK hält man dieses Szenario aber offenbar für eher unrealistisch. "Mit einem anderen Mieter, der die Gesamtfläche übernimmt und nicht in direkter Konkurrenz zu bereits ansässigen Unternehmen steht, sieht es im Moment wohl eher schlecht aus", erklärt Lars Fiehler - und bringt noch ein alternatives Szenario ins Spiel: "Soweit wir wissen, soll das Center ja umgebaut werden. Dann kann die Real-Fläche natürlich aufgeteilt und kleineren Mietern angeboten werden. Darüber wird sich die Centerleitung sicher schon Gedanken gemacht haben." Potenzial sehe er "bestenfalls noch für etwas Gastronomie". Für eine Fläche dieser Größe komme ansonsten noch ein Sportfachhändler in Betracht. Allerdings sei in dieser Branche der Bedarf vermutlich schon durch das Intersport-Geschäft in der Innenstadt gedeckt.

Weiter keine Klarheit für die Mitarbeiter

Ob es aber so kommt, ist und bleibt Spekulation, das macht auch Fiehler deutlich. Für die Mitarbeiter geht der Zustand der Ungewissheit weiter. Schon 2019 war monatelang über den Verkauf der Kette verhandelt worden. Seit der Übernahme durch SCP sorgen die Zerschlagungspläne für eine ungewisse Zukunft. Der Investor sucht nach dem jüngsten Kartellamtsbeschluss noch einen neuen Besitzer für rund 100 Real-Filialen. Die Märkte, die er nicht weiterverkaufen kann, werden voraussichtlich geschlossen.

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Ein Szenario, das nicht nur für die Mitarbeiter ein persönliches Desaster wäre, sondern auch zum Problem für den Riesapark insgesamt werden würde. Real ist dort mit seinen 6.000 Quadratmeter Fläche ein wichtiger Ankermieter, der Kunden in das Einkaufzentrum zieht.

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 19.03.2021 um 18.45 Uhr aktualisiert.

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