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Auf der Jagd nach dem Deutschlandticket - ein Erfahrungsbericht

Das 9-Euro-Ticket brachte unseren Kollegen Erik Töpfer 2022 an die Nordsee. Jetzt will er mit dem D-Ticket an die Mosel fahren. Der Fahrkartenkauf gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht.

Von Erik Töpfer
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Erik Töpfer sucht das Deutschland-Ticket – und kriegt es schließlich auch.
Erik Töpfer sucht das Deutschland-Ticket – und kriegt es schließlich auch. © Ronald Bonß

Oh, ich hab’ solche Sehnsucht ...“: Inmitten von Krieg, Krise und Inflation kam die Bundesregierung auf ihre wohl bislang beste Idee – das 9-Euro-Ticket. Von Mai bis August ratterten 53 Millionen verkaufte Exemplare kreuz und quer durch die Bundesrepublik. Drei davon hatten wir: meine Oma, mein Opa und ich. 16-einhalb Stunden lang wälzten wir uns vom Riesaer Bahnhof bis zur AG-Ems-Fähre, um unser Endziel Borkum zu erreichen.

Als wir von der Wiederauflage – dem Deutschlandticket – hörten, schossen uns sofort die Bilder von Deutschlands schönsten Pendlerstrecken in den Kopf: Schienenersatzverkehr ab Dörverden, romantische Bahnhofs-Idylle in Magdeburg, der Geruch von jugendlichen Körperflüssigkeiten in Verbindung mit Salami-Snacks. Wiederholungsbedarf! Am 1. Mai geht es los, dieses Mal gen Mosel. Doch das Ticket dafür fällt nicht mehr einfach aus dem Automaten.

Deutschlandticket: Keine Chipkarte vorm 1. Mai

Pünktlich zehn Uhr morgens tigere ich also los. Für diesen Spezialauftrag hab’ ich sogar das erste Meeting im Job geschwänzt: Ich brauche drei dieser Deutschland-Tickets. Ein rein digitales soll es eigentlich sein. So wollte es auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Doch nicht nur meine Rentner-Großeltern haben’s lieber handfest: 3,4 Millionen Deutsche waren schließlich noch nie im Internet, wie das Statistische Bundesamt bekannt gab.

Gefühlt haben sich all diese heute vorm DVB-Kundenzentrum am Dresdner Postplatz verabredet. „Die Ersten standen schon um sieben hier“, sagt ein Mitarbeiter leicht kopfschüttelnd. Das Kundenzentrum öffnet erst um zehn. 48.000 Menschen haben das Ticket allein in Dresden schon gekauft. „Die Dunkelziffer ist noch höher“, sagt ein DVB-Sprecher. Denn in den Ablagen der Servicekräfte lägen noch Tausende unbearbeitete Anträge. Hier bekomme ich also keine Chipkarte mehr vorm 1. Mai.

D-Ticket bleibt ein digitales Abonnement

Vielleicht werde ich ja aber in den Kundencentern der Deutschen Bahn fündig. Im Hauptbahnhof treffe ich auf Lea, die aus dem brandenburgischen Finsterwalde zum Studieren nach Dresden gekommen ist. Ob sich die 26-Jährige schon eines der begehrten „D-Tickets“ gekauft hat? „Klar“, sagt sie und zeigt mir ein krisseliges Quadrat im „DB Navigator“. Die App ist ab Montag ihre 49 Euro günstige Fahrkarte nach Hause.

Im Kundencenter selbst werde ich ebenfalls nach der Smartphone-Anwendung gefragt. Und wenn ich kein Smartphone hätte? Dann würde mir bei der Bestellung via bahn.de geholfen werden. Für die Chipkarte müsste ich mich allerdings an meinen regionalen Verkehrsverbund wenden.

Doch die Schlange am Postplatz ist nicht kürzer geworden. Zwei DVB-Mitarbeiterinnen gehen diese auf und ab, beantworten die dringendsten Fragen, verweisen auf die DVB- oder DB-App, in der man das Ticket auch buchen könnte. Kinderleicht sei das.

Meine Großeltern werden sich arrangieren müssen

Das wollen wir doch mal sehen. In der DB-App gebe ich unsere Strecke ein: Dresden – Kröv an der Mosel. Ich filtere ICs und ICEs aus den Suchvorschlägen, schließlich dürfen wir nur die Regionalzüge nutzen. Und siehe da: Das erste Angebot für die Strecke kostet 49 Euro. Ich werde nach meiner Anschrift gefragt und ob meine Lastschrift-Adresse noch dieselbe ist.

Nachdem ich der App bewiesen habe, dass ich kein Roboter bin, dauert es nicht lang und das krisselige Quadrat ploppt auch bei mir auf. Das war ja wirklich kinderleicht. Keine fünf Minuten dauert es, da hab’ ich die zwei letzten in der Hand. Meine Großeltern werden sich mit diesem Digitalisierungs-Vorpreschen meinerseits wohl arrangieren müssen.