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Sächsische Inklusions-Preise gehen nach Dresden und Nochten

Die Preise für einen vorbildlichen Umgang mit Behinderten sind verteilt. Zum Tag der Menschen mit Behinderung kritisiert der DGB die Arbeitgeber.

Von Connor Endt
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Der Trägerverein des Findlingsparks Nochten bei Weißwasser siegte in der Kategorie Tourismus
Der Trägerverein des Findlingsparks Nochten bei Weißwasser siegte in der Kategorie Tourismus © Archiv: andré schulze

Dresden. Im sächsischen Landtag sind am Freitag die Sieger des fünften sächsischen Inklusions-Preises gekürt worden. Drei der Auszeichnungen gingen nach Ostsachsen, die beiden anderen Gewinner kommen aus Chemnitz und Leipzig. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist in jeder Kategorie mit jeweils 1.500 Euro dotiert. Das sind die Preisträger:

Kategorie Wohnen

In der Kategorie "Wohnen" hat die Dresdner Wohngemeinschaft 6plus4 gewonnen. In diesem Projekt wohnen zehn Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Die Wohngemeinschaft existiert seit 2017 und liegt im Stadtteil Gorbitz. Annett Heinich, Inklusionsbotschafterin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben, sagte in ihrer Preisrede, für Leute mit Behinderung sei es oft schwieriger, geeigneten Wohnraum zu finden und die nötige Unterstützung und Assistenz zu organisieren. Es müsse zukünftig noch mehr solcher inklusiven Wohngemeinschaften geben.

Kategorie Tourismus

In dieser Kategorie heißt der Sieger Findlingspark Nochten. Der Verein, der den Park betreibt, habe darauf geachtet, dass das Areal und das Besucherzentrum auf für Personen mit Gehbehinderungen und Rollstuhlfahrer zugänglich ist. Der Förderverein biete zudem Audioguides und einen Rundgang für sehbehinderte Menschen an. Jurymitglied und Blogger Veit Riffler sagte, für die Vereinsmitglieder sei "bereits heute das selbstverständlich, wofür noch immer in der Gesellschaft geworben werden muss – nämlich die aktive Teilhabe von Menschen mit kognitiven, Sinnes- und Mobilitätseinschränkungen am Alltag".

Kategorie Kinder & Familie

Das Epilepsiezentrum Kleinwachau ist Sieger der Kategorie "Kinder & Familie". Das Zentrum bietet ambulante Hilfe für behinderte Eltern an, die entweder bereits Kinder haben oder gerne Kinder bekommen möchten. Die Mitarbeiter helfen etwa bei der Schwangerschaft, in der Erziehung oder bei der Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas oder anderen Ämtern. Sachsens Kinder- und Jugendbeauftragte Susann Rüthrich sagte, nicht nur die ambulanten Hilfen für Kinder und deren Eltern mit Beeinträchtigungen hätten beeindruckt, sondern auch die klare Benennung struktureller Hürden.

Wie ein Junge von dem Projekt profitiert, lesen Sie hier.

Das Epilepsiezentrum Kleinwachau gewann den sächsischen Inklusions-Preis in der Kategorie "Kinder & Familie".
Das Epilepsiezentrum Kleinwachau gewann den sächsischen Inklusions-Preis in der Kategorie "Kinder & Familie". © René Meinig

Kategorie Digitale Barrierefreiheit

Hier konnte der Ortsverband des Arbeiter-Samariter-Bundes in Chemnitz überzeugen. Im dortigen Wohnzentrum sind Menschen mit körperlicher Behinderung an speziell ausgestatteten Arbeitsplätzen beschäftigt und bearbeiten dort beispielsweise digitale Unterlagen.

Kategorie Kultur

Das Tanzlabor Leipzig gewinnt diesen Bereich mit seinem Angebot des Mixed-Abled-Tanzes. Dabei stehen Menschen mit und ohne Behinderungen beim freien Tanzen, Workshops und professionellen Tanzproduktionen gemeinsam auf der Bühne. Die Tanzprojekte werden angeleitet, aber auch von Menschen mit Behinderung selbst organisiert.

161 Euro im Monat in Sachsens Behindertenwerkstätten

Die sozialdemokratische Inklusionssprecherin Hanka Kliese kündigte an, das Programm "Sachsen barrierefrei 2030" fortzusetzen und mit zwei Millionen Euro zu fördern. Das ebenfalls SPD-geführte Sozialministerium startet am Sonnabend eine Kampagne zum Thema Falschparken auf Behindertenparkplätzen.

Die Linksfraktion im sächsischen Landtag wies darauf hin, dass es im vorigen Jahr nur 26 Menschen gelungen ist, von der Behindertenwerkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen. Dies entspräche gerade einmal 0,16 Prozent aller Werkstattbeschäftigten. Zudem würden Menschen mit Behinderungen mit durchschnittlich gut 161 Euro im Monat deutschlandweit immer noch den geringsten Lohn verdienen.

Der Deutsche Gewerkschaft (DGB) kritisierte, die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen liege in Sachsen mit 4,1 Prozent deutlich unter der gesetzlich vorgeschriebenen Quote von fünf Prozent. Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach verwies darauf, dass im Freistaat Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern mindestens einen Schwerbehinderten beschäftigen müssten. Doch nicht mal jede vierte der fast 8.800 Firmen, die diese Quote erfüllten, halte sich daran. Unternehmen mit einer Behinderten-Beschäftigungsquote von null Prozent sollten eine Ausgleichsabgabe in Höhe von monatlich 1.300 Euro zahlen.