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Sächsische Schweiz: Es geht los an der Bastei

Die Vorarbeiten für die schwebende Aussichtsplattform für die Bastei in der Sächsischen Schweiz starten. Zunächst dreht sich alles um Fledermäuse.

Alpintechniker Christian Mach an der Basteiaussicht: Hier sollen sich keine Fledermäuse einquartieren.
Alpintechniker Christian Mach an der Basteiaussicht: Hier sollen sich keine Fledermäuse einquartieren. © Steffen Unger

Wer klettert da an der Basteiaussicht? Was nach illegalem Freizeitvergnügen an der gesperrten Plattform aussieht, sind ganz offiziell die ersten Vorarbeiten für die Felssicherung an der Bastei. Am Dienstag haben die begonnen - sie sind gleichzeitig der Auftakt für den kommenden Bau einer neuen, schwebenden Aussichtsplattform an der meistbesuchten Felsformation in der Sächsischen Schweiz.

Im ersten Schritt dreht sich alles um Fledermäuse. Alpintechniker verschließen zunächst provisorisch Felsklüfte und kleine Höhlen im Sandstein, damit sich die Tiere dort nicht einquartieren. Das soll verhindern, dass die Fledermäuse bei den kommenden Bauarbeiten gestört werden, erklärt Alwin-Rainer Zipfl, Sprecher des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Der dauerhafte Verschluss erfolgt später im Rahmen der Felssicherung.

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Die aktuellen Arbeiten dauern bis zum 15. Oktober. Währenddessen ist der Zugang zum Basteifelsen zeitweise eingeschränkt. Alle anderen Aussichtspunkte im Umfeld der Basteibrücke sowie der Wanderweg hinunter nach Rathen bleiben geöffnet.

Felssicherung beginnt 2021

An der Bastei soll eine neue Aussichtsplattform entstehen, die lediglich im hinteren Bereich auf dem Sandsteinfelsen aufliegt und im vorderen Bereich in einigen Zentimetern Höhe frei über dem Felsen schwebt. Mit 20 Metern Länge und bis zu 3,5 Metern Breite hat der geplante Steg in etwa die Maße der früheren Aussicht, ist aber im Gegensatz zu heute barrierefrei.

Schwebender Steg über dem Fels: So soll die Aussichtsplattform an der Bastei einmal aussehen.
Schwebender Steg über dem Fels: So soll die Aussichtsplattform an der Bastei einmal aussehen. © Staatsministerium der Finanzen

Der Neubau ist nötig, weil der Sandstein unter der jährlich von über 1,5 Millionen Gästen besuchten Touristenattraktion in der Sächsischen Schweiz porös ist. Die vorderen zehn Meter der Aussichtsplattform mussten deshalb schon 2016 aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Im Frühjahr 2019 wurden Geländer und Betonboden des Balkons dann  zurückgebaut und die Felsoberfläche versiegelt.

Bevor der neue Steg errichtet werden kann, ist eine umfangreiche Felssicherung nötig. Bohrungen hatte ergeben, dass der Sandstein nicht nur an der vorderen Spitze zur Elbe hin, sondern auch im hinteren Bereich der Aussicht in deutlich kritischerem Zustand ist als angenommen. In einer Tiefe von 16 Metern unter der Oberfläche stießen die Experten nur noch auf feinen Sand.

Ein Geflecht aus Stahl wird den bröseligen Fels künftig in seinem Innern zusammenhalten. Von oben wollen die Techniker acht bis zehn Stahlpfähle in den Sandstein treiben – bis in 19 Meter Tiefe. Der vordere Pfeiler wird mit querlaufenden Felsnägeln an das Massiv gebunden. Am Fuße der Wand soll zudem eine Schale aus Spritzbeton ein weiteres Abbröseln verhindern.

Die aufwendige Felssicherung wird laut Ankündigung des Staatsbetriebs SIB wegen der Naturschutzanforderungen im Jahr 2021 vonstatten gehen. Die Fertigstellung der neuen Aussichtsplattform ist nach derzeitigem Planungsstand für 2022 geplant. Die Kosten für das Großprojekt liegen bei rund 2,5 Millionen Euro.

Erste Riffkiefern abgestorben

Zuletzt hatte am 15. Juli die Landesdirektion Sachsen als oberste Wächterin über den Naturschutz das Gelände für die geplanten Eingriffe freigegeben. Die Bastei liegt inmitten der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz und damit in einem Gebiet mit dem höchsten Schutzstatus. 

Der Freigabe war ein einjähriges Monitoring vorausgegangen, bei dem Experten die Tier- und Pflanzenwelt an den Sandsteinfelsen beobachtet und festgehalten haben. Als Auflagen gab die Landesdirektion bekannt, dass neue Fledermausquartiere geschaffen werden müssen und dass der Bestand an Riffkiefern auf der Felsformation zu erhalten sei. 

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Was die Kiefern angeht, gibt es schon vor Baubeginn schlechte Nachrichten. Die zwei bekanntesten Riffkiefern direkt an der Aussicht seien inzwischen durch den Borkenkäfer zum Absterben gebracht worden, teilt der Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement mit.   

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