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Wie der DSC dem Gegner aus der Ukraine helfen will

Vor drei Wochen spielten Dresdens Volleyballerinnen noch gegen Dnipro. Kommen Mannschaft und Betreuer nun als Flüchtlinge? DSC-Trainer Waibl ist vorbereitet.

Von Alexander Hiller
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Zur Hilfe bereit: DSC-Trainer Alexander Waibl weiß, was die Stunde geschlagen hat.
Zur Hilfe bereit: DSC-Trainer Alexander Waibl weiß, was die Stunde geschlagen hat. © Matthias Rietschel

Dresden. Die sportliche Herausforderung ist gerade einmal drei Wochen her. Ihr letztes Gruppenspiel in der Champions League absolvierten die Volleyballerinnen des Dresdner SC am 15. Februar in der Margon-Arena gegen die Ukrainerinnen vom SC Prometey Dnipro. Inzwischen ist die Welt eine andere – und auch diese Begegnung wäre im Moment völlig unmöglich.

In der Ukraine herrscht nach dem Angriff russischer Truppen Krieg. Auch aus der viertgrößten ukrainischen Stadt Dnipro (früher Dnipropetrowsk) fliehen die Menschen aus Angst um ihr Leben. Der Sport steht still in der Ukraine, die Superleague im Frauen-Volleyball ebenso. Das Spiel in Dresden war das bislang letzte des SC Prometey Dnipro. Und DSC-Trainer Alexander Waibl kommt bei der Pressekonferenz in dieser Woche natürlich auch auf dieses Thema zu sprechen.

Eigentlich sollte es bei dem Termin, für den extra das Albertinum gebucht wurde, um seine Vertragsverlängerung bis 2026 gehen. Doch die aktuellen Geschehnisse drängen das in den Hintergrund. Immerhin hat der Verein mit einem Corona-Ausbruch zu kämpfen, der schließlich zur Absage des für diesen Sonntag angesetzten Pokalfinales gegen Stuttgart in Mannheim sorgt. Und dann dieser Krieg in Europa, der auch den Sportbetrieb in Deutschland überlagert und nicht zuletzt auch Waibl bewegt. „Das ist für uns etwas sehr Spezielles“, sagt der 53-Jährige und erinnert an die Partie gegen Dnipro. „Ich habe Kontakt zu Trainern und Menschen direkt aus dem Verein.“

Vorstand Dittrich: "Wir verlieren das nicht aus den Augen"

Schon in Dresden nach dem Spiel in der Champions League führten Waibl und Dnipro-Trainer Ivan Petkov lange Gespräche. Weshalb der Kontakt nicht abgebrochen ist, erklärt er so: „Um auch zu hören, ob man ganz persönlich helfen kann, indem man Menschen vielleicht auch bei sich zu Hause aufnimmt. Ob es dafür die Notwendigkeit gibt, wird man in den nächsten Tagen und Wochen sehen.“

Der DSC-Trainer wohnt mit seiner Frau Stefanie und den Söhnen Mika und Paul Maximilian kurz hinter der Stadtgrenze in einem Haus. Die Familie ist offenbar bereit, möglichen flüchtigen Spielerinnen oder Trainern aus der Mannschaft des sportlichen Widersachers in den heimischen vier Wänden Unterschlupf zu gewähren. Mehr will Waibl dazu nicht sagen. Wenn er etwas über die aktuellen Lebensumstände von Trainern und Spielerinnen des SC Prometey Dnipro weiß, behält er es an diesem Tag noch für sich.

Auch DSC-Volleyball-Vorstand Jörg Dittrich treibt der Ausnahmezustand in der Kriegsregion um. „Bei uns herrscht eine große Betroffenheit, gerade mit dem Hintergrund, dass wir gegen Teams aus beiden Ländern angetreten sind“, sagt Dittrich und verweist auf die Partien gegen die Russinnen aus Kaliningrad. „Wir sind im Dezember noch in Dnipro angetreten. Dass jetzt dort Bomben explodieren, bedrückt uns sehr. Wir werden das nicht aus den Augen verlieren, sondern da sein, wenn wir gebraucht werden“, versichert Dittrich.