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Dynamo-Krawalle: Kommt ein Bußgeldkatalog?

Die Aufarbeitung der Ausschreitungen bei Dynamo Dresden beschäftigt weiterhin Dresdens Politiker. Es geht um Sanktionen für Problem-Fans.

Mitte Mai kam es beim Aufstiegsspiel von Dynamo zu heftigen Ausschreitungen vor dem Dresdner Stadion.
Mitte Mai kam es beim Aufstiegsspiel von Dynamo zu heftigen Ausschreitungen vor dem Dresdner Stadion. © Archiv

Dresden. Eine gute Woche vor dem Saisonstart kommt Dynamo Dresden auch weiterhin nicht zur Ruhe. Dresdens Stadträte wollen eine Entscheidung vor dem ersten Heimspiel.

Im Hintergrund wird an einer Einigung gearbeitet. Die Sport- und Sicherheitspolitiker haben nun einen Ansatz gefunden.

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Weil parallel zum Spiel gegen Türkgücü München Hooligans Polizeibeamte, Journalisten und Unbeteiligte rund um das Dynamo-Stadion angriffen, könne nicht einfach zum Alltag übergegangen werden, sagen die Unterstützer des Antrages, der Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zur Aufarbeitung beauftragen soll.

Der erste Versuch ist im Stadtrat gescheitert. Nun haben CDU, Grüne, Linke, SPD und FDP erneut über Formulierungen verhandelt. Was Dynamo nun erwartet.

Aufarbeitung und Prävention

Vereinsverantwortliche, Polizei, Ordnungsamt, Fanprojekt und -gemeinschaft, und eventuell weitere relevante Akteure sollen die Gewaltereignisse "am Rande des Heimspiels sowie dem Spiel vorausgehende Eskalationen" umgehend aufarbeiten. "Unter Betrachtung aller Perspektiven", heißt es nun.

Bereits vorhandene Konzepte von Dynamo sollen geprüft und ein abgestimmtes Konzept entwickelt werden, das "die Intensivierung der Gewaltprävention im Umfeld des Fußballs" vorantreibt. "Darüber hinaus sollen Entscheidungs- und Handlungsoptionen erarbeitet werden, um zukünftige gewalttätige Auseinandersetzungen im Umfeld des Vereins oder dessen Spielen zu vermeiden."

Auftrag an Dynamo

Ob Hilbert soll gegenüber dem Verein deutlich machen, dass er ein schlüssiges Konzept gegen Gewalt und alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Stadion, im Umfeld und in der Fangemeinschaft erwarte, das auch umgesetzt wird.

Auch dieses soll in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den bereits genannten Verantwortlichen erarbeitet und regelmäßig evaluiert werden. "Dieses gemeinsam getragene Konzept muss eine klare und vernehmlich geäußerte Haltung, die Intensivierung der Gewaltprävention, Beratung und Begleitung, konsequente Sanktionierung von Gewalttaten und -aufrufen enthalten", heißt es in dem Antrag. "Weiterhin muss dieses Konzept Sanktionen enthalten, wenn Maßnahmen aus dem Konzept von den jeweiligen Verantwortlichen nicht umgesetzt werden." Über die Entwicklung muss der Verein regelmäßig den kriminalpräventiven Rat und den Sportausschuss informieren.

Bußgelder für Verstöße

"Das kann man durchaus als Bußgeldkatalog bezeichnen", so Grünen-Stadtrat Torsten Schulze, der die Verhandlungen organisiert hat. "Alle Beteiligten sollen diesen mit erarbeiten, mit einem Mitspracherecht für den Stadtrat." Welche Strafen für welche Vergehen verhängt werden sollen, müsse erarbeitet werden. Dabei könne es um zu wenige Ordner, Pyrotechnik im Stadion und Gewalt in und außerhalb des Stadions gehen.

Das sei bereits eine "Kompromisslinie", betont Schulze. Er wolle keinesfalls noch darunter gehen. "In der Vergangenheit gab es immer Aufschreie, wenn es eskaliert ist und danach gab es jahrelang keine Kommunikation mit Dynamo, außer wenn der Verein Geld von der Stadt braucht. Das ist auch die Chance, den Austausch zu verbessern." Zudem würden Appelle alleine nicht mehr genügen. "Wir brauchen mögliche Sanktionen, insbesondere weil in der Zweiten Liga einige Risikospiele bevorstehen", so Schulze.

Solche Bilder wie die der Dynamo-Krawalle dürften den Fußball nicht überlagern, sagt Richard Kaniewski (SPD). Die Stadt brauche ein klares Zeichen vom Verein. "Rassistische, fremdenfeindliche und gewalttätige Ausschreitungen sind nicht hinzunehmen."

Was rausgefallen ist

In der Version, die ursprünglich diskutiert wurde, stand noch im Raum, Dynamo damit zu drohen, den Geldhahn abzudrehen. Sollte das Konzept nicht bis zur nächsten Entscheidung über den Stadionzuschuss vorliegen, könne dieser auch nicht gewährt werden. Die Stadt zahlt derzeit 1,5 Millionen Euro pro Saison dafür. Dagegen gab es aber Widerstand von Linken und FDP.

Und es wird auch keine Auswertung des Einsatzes mehr gefordert. Polizei und Ordnungsamt müssen nicht mehr offenlegen, was bei der Vorbereitung, der Kommunikation und am Tag selbst schieflief. Darauf hat die CDU bestanden.

Wer trotzdem raus ist

Die FDP hat bereits abgesagt, dem so zuzustimmen. "Die Formulierungen für die Aufarbeitung sind zu unklar und weich", sagt Stadtrat Holger Hase. Auch bei der Fraktion Die Linke gibt es unterschiedliche Positionen zum Umgang mit Dynamo.

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Für "ausgewogen" hält CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns den Vorschlag. Am Donnerstag gab es in den Ausschüssen mehrheitlich Zustimmung. Da alle sich auch noch mit ihren Fraktionskollegen besprechen müssen, wird es wahrscheinlich bis zur Stadtratssitzung in der kommenden Woche offen bleiben, ob der Stadtrat auch zustimmt.

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