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Dynamos Trainer: "Dresden - das ist unfassbar"

Alexander Schmidt war zu Gast beim Fußball-Talk von Sport1. Gewohnt offen sprach er über seine junge Mannschaft, die Stimmung, die Fans - und das Impfen.

Dynamos Trainer Alexander Schmidt äußert sich in der Sendung "Doppelpass" bei Sport1 auch zur Abwehr-Problematik.
Dynamos Trainer Alexander Schmidt äußert sich in der Sendung "Doppelpass" bei Sport1 auch zur Abwehr-Problematik. ©  dpa/Robert Michael

München/Dresden. Es ist eine interessante Runde. Olaf Thon, Weltmeister von 1990, als Experte für Schalke 04, St. Pauli-Präsident Oke Göttlich und Dynamos Cheftrainer Alexander Schmidt diskutieren mit Moderator Hartwig Thöne über die 2. Fußball-Bundesliga. Außerdem wird in der Sendung "Doppelpass" am späten Montagabend telefonisch Michael Mutzel, Sportdirektor des Hamburger SV, zugeschaltet. Es geht also einmal querbeet und es ist erkennbar, dass vor allem die namhaften Vereine als Quotenbringer thematisch bedient werden sollen.

Die Frage, die über dem Programmteil mit Schmidt steht, ob Dynamo jetzt die Kurve kriegt. Was er darauf antwortet und sonst zu sagen hat - Sächsische.de hat seine Aussagen zusammengefasst:

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Dynamos Cheftrainer Alexander Schmidt ...

... über Schalke-Stürmer Simon Terodde, mit sieben Treffern in sechs Spielen der beste Torjäger in der zweiten Liga:

"Er ist einfach ein Quoten-Torjäger, der jede Saison 15 Tore macht - und bis zu plus zehn. Er ist ein absoluter Ausnahmespieler in dieser Liga. Ob er auch in der ersten Liga bestehen kann, weiß man nicht zu 100 Prozent. Wenn er dort konstant spielen würde, das Vertrauen vom Trainer bekommt, glaube ich, dass er auch dort 10 bis 15 Tore macht. Er ist einfach komplett, kann rechts wie links abschließen, ist auch mit dem Kopf sehr stark. Selbst wenn er mal 50, 60 Minuten keine Aktion hat, ist er in dem einem Moment da."

... zu den Aufstiegschancen des Hamburger SV:

"Es sprach in jedem Spiel vieles für den HSV, was den Ballbesitz und die technische Klasse betrifft. Der HSV spielt einen Bomben-Fußball in meinen Augen. Wenn sie jetzt noch etwas an der Effektivität arbeiten und sich in der Absicherung verbessern, damit sie nicht so konteranfällig sind, werden sie eine gute Saison spielen. Sie sind auf jeden Fall bärenstark."

... zu den beiden Niederlagen gegen Paderborn (0:3) und in Heidenheim (1:2):

"Die jüngsten zwei Spiele haben wir verloren, aber die Mannschaft hat keinesfalls enttäuscht. Die Jungs haben alles gegeben, man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Natürlich waren wir in einigen Situationen unkonzentriert, wodurch die Gegentore fallen. Andererseits haben wir fünf bis sieben Spieler auf dem Platz, die vorher noch keine zweite Liga gespielt haben. Dann muss man auch mal einen Fehler akzeptieren. Wichtig ist, dass wir gut analysieren und die nötigen Schlüsse daraus ziehen, wie wir es noch besser machen können. Wir haben nicht den besten Kader im Vergleich zu anderen Mannschaften, nicht die erfahrenen Spieler. Aber wir müssen Strategien entwickeln, das auszugleichen, erst recht gegen Spitzenteams."

Dynamos Kapitän Sebastian Mai versucht, seinen Fehler auszubügeln, aber Tobias Mohr (l.) trifft den Ball perfekt und erzielt das 1:0 für Heidenheim.
Dynamos Kapitän Sebastian Mai versucht, seinen Fehler auszubügeln, aber Tobias Mohr (l.) trifft den Ball perfekt und erzielt das 1:0 für Heidenheim. © dpa

... zu den Gegentoren in Heidenheim, die gezeigt werden:

(Vor dem 0:1) "Es war einfach ein Abspielfehler, der vielleicht in der 3. Liga nicht bestraft wird. Man muss dazu sagen: Der Spieler (Kapitän Sebastian Mai/d. Red) macht halt auch sein erstes Zweitliga-Spiel von Beginn. Er ist ein guter Mann, ich bin sicher, dass er aus der Szene lernt."

(Dem 1:2 geht eine verunglückte Kopfballabwehr voraus.) "Das ist ein junger Spieler (Antonis Aidonis/d. Red.), ein deutscher U-Nationalspieler, den wir aus der Regionalliga von der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart. Er hat kurz vorher einen Cut am Kopf, wird getackert. Ja, den Ball muss er anders mit dem Kopf abwehren, aber er ist ein guter Junge, der auch erst seinen zweiten oder dritten Zweitliga-Einsatz hat. Ein erfahrener Verteidiger hätte es vielleicht anders gelöst. Aber man lernt daraus, und das macht mit der Mannschaft so viel Spaß. Sie sind jung und wissbegierig, lernen schnell dazu. Jetzt mussten wir mal Lehrgeld zahlen, ohne zu enttäuschen."

... ob es beruflich gerade die schönste Zeit für ihn sei:

"Ich bin jetzt schon lange Trainer, seit 2005/06. Die erste Station war der FC Augsburg, das ist mein Heimatverein. Dort hatte ich mehr als zehn Jahre gespielt. Auch bei 1860 war es sehr schön. Aber jetzt Dresden - das ist unfassbar. Die Fans, diese Wucht, das Stadion. Die ganze Stadt lebt Dynamo. Ich genieße das. Mit der Mannschaft haben wir eine Truppe beieinander, die den Weg mitgeht, auch die Verantwortlichen mit Ralf Becker (Sportgeschäftsführer/d. Red.) und Kristian Walter unser Kaderplaner, der sehr wichtig ist für den Verein. Wir sind eine eingeschweißte Truppe. Ich bin mir ganz sicher, dass wir wieder die Kurve bekommen. Wir haben schon ganz gut gepunktet und wollen das am besten im nächsten Spiel wieder in die richtige Richtung bringen."

... wie schnell man in Dresden auch Druck empfinden könne:

"Natürlich, das zeigt die Vergangenheit, dass es in Dresden auch kritisch sein kann. Ich glaube aber, dass wir immer noch einen guten Bonus haben aufgrund der Spielweise und der jungen Mannschaft, die einfach in jedem Spiel alles raushaut. Das sehen die Fans, das honorieren die Fans. Man braucht eben auch ein bisschen Glück, was Verletzungen betrifft. Im Moment müssen wir einiges kompensieren. Uns fehlen fünf Spieler, von denen mindestens drei in der Anfangsformation stehen könnten. Mit Tim Knipping fällt einer aus, der nach den ersten drei Spielen jeweils in der Elf des Tages war (beim Kicker/d. Red) und sich leider in Rostock das Knie kaputtgehauen hat: Kreuzbandriss, Innenband, Meniskus. Das müssen wir in der Abwehr jetzt kompensieren. Ich hoffe, dass wir in den zwei Spielen genug Lehrgeld bezahlt haben und wir dritten Spiel in Darmstadt anders auftreten. Dann sollte die Null mal wieder stehen."

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann war einst Assistent von Dynamos Chefcoach Alexander Schmidt, als der bei 1860 München die U17 in der Bundesliga betreute.
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann war einst Assistent von Dynamos Chefcoach Alexander Schmidt, als der bei 1860 München die U17 in der Bundesliga betreute. © dpa

... zu seinem Kontakt mit Bayern-Trainer Julian Nagelsmann:

"Wir haben einen guten Kontakt, tauschen uns ab und zu aus. Er hat sich im Chiemgau ein Anwesen zugelegt, einen Bauernhof umgebaut. Ich war noch nicht dort, aber wir haben Kontakt und ich würde mich freuen, wenn wir die Zeit demnächst wieder finden, uns zu sehen."

... wieso er einen so guten Draht zu Nagelsmann hat:

"Wir haben ihn nach Augsburg geholt aus Landsberg am Lech in die U14, ein super Spieler, schnell, athletischer Typ. Er kam aus der Leichtathletik, groß, hat in der Abwehr alles weggeräumt. Er war für den Trainer ein Traum, weil er total aufmerksam war und ein Teamplayer. Bin dann zu 1860 und habe ihn mitgenommen. Er war aber leider immer mal wieder verletzt, auch dann bei Thomas Tuchel in der U23 bei Augsburg. Thomas hat ihn dann fürs Scouting zu ein paar Spielen geschickt, weil er erkannt hat, der sieht etwas. Danach habe ich Julian zu mir als Co-Trainer für die U17-Bundesliga bei 1860 geholt. Das lief sehr gut, aber unser damaliger Jugendleiter Ernst Hanner, der eine Koryphäe ist in diesem Bereich, ging nach Hoffenheim und hat uns leider Julian Nagelsmann weggeschnappt. Ich habe noch ein paar Jahre versucht, ihn zu mir zurückzuholen, aber er war dann in Hoffenheim einfach mega erfolgreich. Man hat gemerkt, jetzt startet er durch - wobei: Es gab ein Spiel gegen Dortmund, als Hoffenheim unter ihm nicht abgestiegen ist. Ich weiß nicht, wie es gelaufen wäre, wenn Hoffenheim damals in die zweite Liga abgestiegen wäre."

Beim Heimspiel gegen den SC Paderborn war auch der K-Block im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion wieder zu 50 Prozent ausgelastetist, die Partie mit 16.000 Zuschauern ausverkauft. Davor war auch Dynamo zweimal unter der möglichen Kapazität geblieben.
Beim Heimspiel gegen den SC Paderborn war auch der K-Block im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion wieder zu 50 Prozent ausgelastetist, die Partie mit 16.000 Zuschauern ausverkauft. Davor war auch Dynamo zweimal unter der möglichen Kapazität geblieben. © dpa/Robert Michael

... wie er zum Impfen gegen das Coronavirus steht:

"Ich kann nur für mich sprechen: Ich habe mich impfen lassen, mich vorher erkundigt, welche Auswirkungen es haben kann. Dabei vertraue ich einfach unseren Medizinern. Ich habe es gemacht, auch, um andere zu schützen. Der größte Teil unserer Mitarbeiter und der Mannschaft hat es auch gemacht. Mir fällt nur ein Spieler ein, der es nicht gemacht hat. Ich muss aber auch sagen, ich muss andere Meinungen akzeptieren und will keinen bevormunden oder den Polizisten spielen, der sagt: Das ist richtig oder das ist falsch. Jeder muss die Entscheidung treffen, aber auch damit leben, wenn es zu der Vorschrift mit 2G auch fürs Stadion kommt und er dann nicht reinkommt."

... wieso die Zuschauer-Kapazität in manchen Stadien nicht ausgelastet wird:

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"Ich glaube, in Dresden haben wir damit nicht so große Probleme, weil die Zuschauer einfach enthusiastisch sind. Aber wenn man vorige Saison Champions League geschaut hat vor leeren Rängen, eine komische Atmosphäre, hat man irgendwie die Lust verloren auch an Spitzenspielen. Es war einfach keine Stimmung, nichts los. Wir müssen die Fans an der Basis wieder zurückgewinnen, damit sie wieder so richtig Lust haben auf Fußball. Das ist der Schlüssel. Wir müssen runterkommen von einem hohen Ross zu denken, es geht alles automatisch, die Stadien sind immer voll."

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