Dynamo
Merken

Dynamo Dresden scheitert wieder an sich selbst

Dynamos Geschäftsführer Jürgen Wehlend wird den Verein dieses Jahr verlassen. Überraschend kommt der konsequente Schritt nicht, meint Sächsische.de-Sportchef Tino Meyer.

Von Tino Meyer
 2 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Jürgen Wehlend ist bei Dynamo gescheitert – und zwar an den für professionellen Fußball überkommenen Strukturen, findet Sächsische.de-Sportchef Tino Meyer.
Jürgen Wehlend ist bei Dynamo gescheitert – und zwar an den für professionellen Fußball überkommenen Strukturen, findet Sächsische.de-Sportchef Tino Meyer. © dpa/Robert Michael

Binsenweisheiten gibt es gerade im Profifußball nicht zu knapp. Dass es bei Dynamo nie langweilig wird und Dresden anders ist, gehört unbedingt dazu. Entweder kriselt es sportlich oder auf Funktionärsebene. Nicht selten sorgen die Fans für Aufsehen, mal mit besonderen Choreografien, mal durch schwere Randale. Irgendwas ist immer und meistens kommt vieles zusammen – wie jetzt beim Abgang des kaufmännischen Geschäftsführers Jürgen Wehlend.

Dass er den im Wissen um die erfolgreiche Vergangenheit sehr ambitionierten und wegen seiner Extreme auch extrem polarisierenden Verein am Ende dieses Jahres verlässt, kommt unerwartet. Wirklich überraschen kann der konsequente Schritt jedoch nicht.

Die Gründe lassen sich auf zwei Sätze verkürzen: Wehlend ist bei Dynamo gescheitert – und zwar an den für professionellen Fußball überkommenen Strukturen. Zudem hat Wehlend erkannt, dass er den quasi seit Amtsantritt im Januar 2021 geführten Machtkampf mit der von den Ultras dominierten aktiven Fanszene – und hierbei liegt die Betonung tatsächlich auf aktiv – nicht gewinnen kann.

Den Traum vom 100. Europapokalspiel, immer wieder von den Fans besungen und festgeschrieben im Leitbild des Vereins, verfolgt auch Wehlend. Doch er hat zum einen schnell registriert, dass Dynamo dafür mehr als zwei Spiele fehlen. Zum anderen hat er gezielt darauf hingearbeitet, jene veraltete Strukturen zu modernisieren, zu professionalisieren, zu verändern – und stieß dabei auf große Widerstände und Vorbehalte in einem Verein, der in seinem Denken und Handeln gern in den 1970er- und 1980-er-Jahren verhaftet ist. Es war die sportlich erfolgreichste, aber auch eine politisch-gesellschaftlich ganz andere Zeit.

Wie es jetzt weitergeht? Es wird vermutlich schon weit vor Jahresende ein neuer Geschäftsführer kommen, denn Dynamo ist und bleibt ein sehr attraktiver Verein mit immensem Potenzial. Und eben auch ein Verein, der immer wieder an sich selbst scheitert. Das muss man nicht bedauern, nur ist damit die ersehnte Rückkehr in die Bundesliga oder gar in den Europapokal de facto unmöglich.

E-Mail an Tino Meyer.