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Neuer Streit um Zuschuss der Stadt fürs Dynamo-Stadion

Im Haushaltsentwurf fehlen die bisher gezahlten 1,5 Millionen Euro. Dynamos Geschäftsführer erläutert im Interview, was das für den Verein bedeuten würde.

Das Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion bleibt derzeit wegen der Corona-Pandemie auch bei Dynamos Heimspielen leer. Dadurch spart der Verein Miete, macht aber trotzdem hohe Verluste.
Das Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion bleibt derzeit wegen der Corona-Pandemie auch bei Dynamos Heimspielen leer. Dadurch spart der Verein Miete, macht aber trotzdem hohe Verluste. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Seit 2014 war Ruhe, gab es den Streit um den zusätzlichen Zuschuss für den Betrieb des Dresdner Stadions nicht. Der Stadtrat hatte beschlossen, dass die 1,5 Millionen Euro jährlich in den Haushalt eingestellt werden. Ende der Diskussion, die seit der Eröffnung im September 2009 geführt worden war. So schien es. Doch nun kocht das Thema wieder hoch: Die Summe fehlt im Entwurf des städtischen Haushaltsplanes für 2021 und 2022. Die Fraktion der Freien Wähler wird einen Änderungsantrag einbringen, die Vorlage um genau den Beschluss von vor fünf Jahren zu ergänzen.

Dynamo hatte sich darauf verlassen, dass an dem Zuschuss nicht gerüttelt wird. Interimsgeschäftsführer Enrico Kabus erklärt im Gespräch mit der SZ die Position des Fußball-Drittligisten.

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Herr Kabus, hat Sie die Vorlage für den städtischen Haushalt überrascht?

Es war uns bereits eine Weile bewusst, dass diese 1,5 Millionen Euro im ersten Haushaltsentwurf selbst nicht berücksichtigt sind, was uns schon grundsätzlich Kopfschmerzen bereitete. Allerdings gab es eine Mehrbedarfsliste, auf der dieser Zuschuss immer stand. Was uns nun überrascht hat, ist, dass er von Seiten der Verwaltung nicht mit eingeordnet wurde, obwohl es dazu seit 2014 einen bis dato nie widerrufenen Beschluss des Stadtrates gibt.

Inwieweit war der Verein einbezogen?

Aus unserer Sicht haben wir unsere Hausaufgaben gemacht, wurden aber natürlich nicht explizit gefragt. Wir haben aber selbstverständlich ein ureigenes Interesse daran und uns dementsprechend informiert, unsere Situation erklärt, übrigens gemeinsam mit der Stadionprojektgesellschaft, der es gerade auch überhaupt nicht gut geht. Es ist seit 2009 eine gemeinschaftliche Position: Damit Dynamo eine marktgerechte Miete zahlt, braucht der Stadionbetreiber einen höheren Zuschuss, der über die Anpassung der Miete des Vereins an ihn weitergereicht wird.

Was würde es für die Lizenz-Planungen bedeuten, wenn die Miete fürs Stadion nicht um diese 1,5 Millionen Euro gemindert würde?

Wir prognostizieren für das Geschäftsjahr wegen der Corona-Krise, speziell der Geisterspiele, knapp sechs Millionen Euro Minus. Die 1,5 Millionen würden obendrauf kommen. Diese Summe ist ein fester Bestandteil unserer Planung, weil sie seit 2009 gezahlt wird und es seit 2014 den Grundsatzbeschluss des Stadtrates gibt, dass dieser Zuschuss notwendig ist, damit wir als Verein sportlich wettbewerbsfähig sind. Und jetzt, wo es uns und dem Stadionbetreiber wirklich nicht gut geht, wird er eingestellt? Das ist für uns nicht nachvollziehbar.

Dynamo hat in den vergangenen Jahren deutliche Gewinne ausgewiesen, sich ein Eigenkapital von mehr als zehn Millionen Euro angespart. Ist es deshalb nicht legitim, einen zusätzlichen Zuschuss an einen Profi-Klub zu hinterfragen, für den letztlich der Steuerzahler aufkommt?

Auf jeden Fall. Uns ist bewusst, dass der Profi-Fußball und auch wir gerade in diesen Zeiten nicht an erster Stelle stehen können. Wir können und wollen dabei auch nicht mit anderen Bereichen wie Kultureinrichtungen, dem Breitensport oder gar Kitas und Schulen konkurrieren, vertreten aber natürlich unsere Position. Wir sind auch Heimat für viele Tausende Menschen, ein soziales Gebilde, ein Imageträger mit nationaler und internationaler Strahlkraft, der der Stadt gut zu Gesicht steht. Wir haben uns zu einem verlässlichen Arbeitgeber entwickelt und bieten heute 219 Menschen eine direkte und 1.142 Menschen eine indirekte Anstellung. In den zurückliegenden zehn Geschäftsjahren haben wir jeweils ein positives Betriebsergebnis erzielt, im Zuge dessen mittlere siebenstellige Beträge an Ertragssteuern sowie Abgaben bezahlt und so auch einen Teil zur Zukunft der Landeshauptstadt Dresden geleistet. Wenn wir über den Fußballstandort Dresden reden, ist es einfach so, dass wir einen Nachteil gegenüber den Konkurrenten haben, wenn die Stadionprojektgesellschaft nicht durch städtische Gelder bezuschusst wird, um uns eine angemessene Miete gewähren zu können. Sollte das kein Konsens mehr sein, wird auf lange Sicht in Dresden keine 2. Bundesliga gespielt.

Wie begründen Sie diese Drohkulisse?

Weil wir andernfalls nicht wettbewerbsfähig bleiben können. Es ist einfach nicht machbar, jede Saison über zwei Millionen Euro zusätzlich zu erlösen, die uns durch die im Vergleich zur Konkurrenz deutlich höhere Stadionmiete ohne Zuschuss verloren gehen würden. Was die Mehrerlöse in den vergangenen Jahren betrifft: Wir haben unsere Schulden abgetragen und solide gewirtschaftet, anders als lange Zeit zuvor, als die Stadt mit Darlehen und Bürgschaften mehrmals einspringen musste. Dabei haben uns Einmal-Effekte geholfen wie hohe Transfererlöse für Marvin Stefaniak und Niklas Hauptmann, vorige Saison waren wir mit 30.000 Fans im Berliner Olympiastadion und haben dadurch in Größenordnungen von den Einnahmen in der zweiten Pokalrunde partizipiert.

Enrico Kabus ist derzeit Interimsgeschäftsführer bei Dynamo.
Enrico Kabus ist derzeit Interimsgeschäftsführer bei Dynamo. © Foto: SGD/Steffen Kuttner

Dynamo ist also finanziell gut aufgestellt …

Diese ungeplanten Erlöse haben wir nicht in Gänze direkt in den sportlichen Bereich investiert, sondern sie bewusst auch dafür zurückgelegt, neben der Bearbeitung unserer infrastrukturellen Defizite bei einer entsprechenden sportlichen Entwicklung irgendwann auch gezielt einen Anlauf auf die Bundesliga nehmen zu können. Es steckt also ein langfristiger Plan dahinter, ein Eigenkapital aufzubauen. Wir müssen die Betreibung des neuen Trainingszentrums, welches uns in der Zukunft und auf lange Sicht einen Wettbewerbsvorteil einbringen soll, sich aber in den ersten Jahren noch nicht selbst trägt, finanzieren.

Trotzdem noch mal nachgefragt: Warum sollte der Steuerzahler für den sportlichen Erfolg von Dynamo aufkommen?

Weil er davon profitiert. Der Zuschuss, den der Stadionbetreiber laut Baukonzessionsvertrag von der Stadt erhält, ist so geregelt, dass sich die Höhe nach der Liga richtet, in der Dynamo spielt. In der 3. Liga beträgt dieser reichlich 1,5 Millionen Euro. In der zweiten und ersten Liga würde er mit 135.000 Euro nahezu komplett entfallen.

Das hat aber nichts mit dem zusätzlichen Zuschuss zu tun, um den es jetzt geht?

Nein. Der wird gezahlt, um einen Wettbewerbsnachteil auszugleichen.

Wie hoch ist die Stadionmiete denn überhaupt?

Das ist nicht so einfach zu beantworten, weil es zum Beispiel unterschiedliche Ansichten gibt, inwieweit die Abgaben fürs Catering zur Miete zählen. Aber das ist ein anderes Thema. Um es auf den Punkt zu bringen: Aus unserer Sicht zahlen wir in der zweiten Liga sechs Millionen Euro Stadionmiete, aus Sicht der Stadt Dresden sind es fünf Millionen. Wenn man das mit anderen Standorten vergleicht, zahlen die Vereine für vergleichbare Bedingungen 2,5 Millionen. In der 3. Liga reden wir von vier Millionen Euro aus unserer Sicht, aus städtischer 3,2 Millionen. Der Unterschied zu den Konkurrenten ist relativ gesehen aber noch krasser, weil dort für vergleichbare Bedingungen im Schnitt nur 800.000 Euro aufgewendet werden müssen.

Die Miete berechnet sich auch aus Zuschauer-Einnahmen. Inwiefern verändert sie sich durch die Geisterspiele?

Das ist richtig, die Miete ist ein kompliziertes Konstrukt aus fixen Kosten und variablen Abgaben. Wir rechnen für diese Saison mit 2,2 bis 2,4 Millionen Euro.

Das heißt, die Miete fällt wegen der Geisterspiele geringer aus?

Ja, aber gleichzeitig fehlen uns die Umsätze. Wenn wir sagen, dass uns pro Spiel mehr als 300.000 Euro verlorengehen, sind die geringeren Abgaben bereits berücksichtigt.

Auch in den sechs Millionen Euro Verlust, die Sie prognostiziert haben?

Auf jeden Fall.

Wie ist der Stand in den Verhandlungen über einen neuen Stadionnutzungsvertrag?

Die Gespräche sind zuletzt – auch durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie – ins Stocken geraten. Fakt ist: Sie müssen so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden, sobald bei Dynamo der Geschäftsführer-Wechsel vollzogen ist (Jürgen Wehlend übernimmt ab Januar/d. Red), weil das Konstrukt für alle Beteiligten in zu vielen Details unbefriedigend ist und auch eine Situation wie die jetzige bezüglich des Stadionzuschusses mittels eines neuen Vertrages ein für alle Mal passé wäre.

Wie könnte es denn aussehen?

Wir sitzen mit mehreren Partnern in einem Boot, die letztlich alle mit an den Tisch müssen. Dabei gibt der noch bis 2039 bestehende Baukonzessionsvertrag zwischen Betreiber und Stadt Rahmenbedingungen vor, die sich auch auf uns auswirken, die wir aber selbst nicht verändern können. Grundsätzlich muss der neue Stadionnutzungsvertrag aber deutlich vereinfacht werden.

Was unternimmt der Verein, um seine Position bei der Entscheidung über den Haushalt einzubringen?

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Die Projektgesellschaft und wir hatten uns sicher gefühlt, weil wir mit der Verwaltung in einem intensiven Austausch standen, und auch bei den Fraktionen vorstellig geworden sind, um über unsere Situation aufzuklären und man uns grundsätzlich auch zu verstehen gegeben hat, dass der Zuschuss kommt. Er ist notwendig für die Stadionprojektgesellschaft, die wegen der Corona-Krise keine Drittveranstaltungen ausrichten darf, und für uns, weil die Zuschauereinnahmen fehlen. Wir haben erst vor zwei Wochen eine uns sicher noch sehr lang schmerzende Ohrfeige abgeholt, als uns eine Million Euro für Zusatzkosten in Gesamthöhe von 4,5 Millionen Euro beim Trainingszentrum nicht erstattetet worden sind, obwohl wir unter anderem für die Entsorgung einer alten städtischen Müllkippe nicht verantwortlich sind. Und nun sollen uns in den nächsten zwei Jahren weitere drei Millionen Euro weggenommen werden, die wir fest eingeplant hatten, weil es darüber einen Stadtratsbeschluss gibt? Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Nun liegt es an Stadt und Politik zu zeigen, wie sehr Dresden auch Dynamo ist.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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