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Dynamo: 62.000 Geistertickets verkauft

Das Pokalspiel gegen Darmstadt ist mehr als doppelt ausverkauft. Das bringt Extra-Einnahmen von über 300.000 Euro. Doch der Verein spricht eine Warnung aus.

Rekord für Dynamo: Nicht 30.000, sondern mehr als 60.000 dieser "Geistertickets" für das DFB-Pokalspiel gegen Darmstadt wurden verkauft.
Rekord für Dynamo: Nicht 30.000, sondern mehr als 60.000 dieser "Geistertickets" für das DFB-Pokalspiel gegen Darmstadt wurden verkauft. © SGD

Dresden. Was mit der Hoffnung auf 30.000 verkaufte Geistertickets begann, hat mittlerweile alle Erwartungen übertroffen. Inzwischen ist das Rudolf-Harbig-Stadion am Dienstag im Pokalspiel gegen Darmstadt 98 doppelt ausverkauft. Bei der vor anderthalb Wochen gestarteten Aktion "30.000 Geister für Dynamo" sind mittlerweile 62.000 Tickets zu je fünf Euro verkauft für eine Partie, die aufgrund der Infektionslage rund um die Corona-Pandemie unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden muss.

Die Aktion läuft noch bis Dienstag um Mitternacht. Wieviel Geld genau zusammengekommen ist, wird der Verein danach bekanntgeben. Durch Versteigerungen von Geistertickets mit besonderen Nummern wie 10.000, 20.000 oder 30.000 ist mit einer Gesamtsumme von deutlich mehr als 310.000 Euro zu rechnen, von denen abzüglich der Kosten für Ticketanbieter, Versand und Service 60 bis 70 Prozent beim Verein bleiben. Zum Vergleich: Pro Heimspiel ohne Zuschauer gehen Dynamo derzeit rund 300.000 Euro an Einnahmen verloren.

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Beim Pokalspiel selbst am Dienstagabend, Anstoß 20.45 Uhr, wird Dynamo eine Choreographie mit rund 30.000 Luftballons auf der Haupttribüne des Harbig-Stadion gestalten. Aufgrund der derzeit geltenden Corona-Schutzmaßnahmen könne man "nicht wie ursprünglich geplant einen Luftballon für jedes erworbene Geisterticket über das ganze Stadion verteilt anbringen. Da im Moment eine beschränkte Personenzahl und nur kleine Teams beim Aufbau zulässig sind, müssen wir deshalb auch die Hilfsangebote zahlreicher Dynamo-Fans, die uns erreicht haben, schweren Herzens ausschlagen“, erklärt Dynamos Interimsgeschäftsführer Enrico Kabus.

Der Vereine hat eine dringende Bitte an die Fans

Die Mitarbeiter von Dynamos Geschäftsstelle, der Nachwuchs Akademie sowie einige Nachwuchsspieler werden daher in den kommenden Tagen in festen Gruppen eingeteilt in verschiedenen Schichten die 30.000 schwarzen und gelben Ballons an den Sitzschalen zwischen den D- und J-Blöcken befestigen.

In diesem Zusammenhang wendet sich Dynamo mit einem dringlichen Appell an die Fans und Unterstützer der Aktion. Keiner soll am Montag und Dienstag zum Stadion kommen. "Das Gebot der Stunde lautet nicht nur in Dresden: Alle persönlichen Kontakte in unserem Alltag auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren, denn die Covid-19-Pandemie geht uns bei dieser dramatisch hohen Infektionslage alle an. Helft bitte mit, nehmt Rücksicht auf andere Menschen", heißt es auf der Vereinshomepage.

"Wir haben uns dazu entschieden, die Haupttribüne zu nutzen, da diese gegenüber der Fernsehkameras liegt und somit im Blick aller Dynamo-Geister vor den Bildschirmen zuhause sein wird. Zusätzlich planen wir für eines der ersten Heimspiele, das wieder vor vollem Haus mit rund 30.000 Menschen stattfinden kann, jedem Zuschauer beim Eintritt ins Rudolf-Harbig-Stadion einen Luftballon zu übergeben", sagt Kabus.

Das Profi-Team beteiligt sich und kauft 1.000 Tickets

Auch Dynamos Profi-Mannschaft samt Trainerteam und Betreuerstab beteiligte sich. Zusammen wurden insgesamt 1.000 Geistertickets gekauft. "Wenn man sich in einer ruhigen Minute mal vor Augen führt, dass unser Stadion rund 30.000 Plätze hat, dann wird jedem klar, was unsere Fans und alle Unterstützer aus ‚30.000 Geister für Dynamo‘ einmal mehr für eine unglaublich geile Aktion gemacht haben", sagt Kapitän Sebastian Mai.

Alle bisherigen Etappenziele der Aktion wurden im Rekordtempo erreicht. Trainer Markus Kauczinski ist angetan. "Ich bin stolz und dankbar für einen Verein arbeiten zu dürfen, der so vielen Menschen so sehr am Herzen liegt. Wir erleben gerade in allen Lebensbereichen schwierige Tage und die Menschen sind trotzdem bedingungslos für Dynamo Dresden da. All das zeigt einmal mehr, welch enge Bindung zwischen Verein und der gesamten Fanszene besteht", erklärt er.

Yannick Stark präsentiert das "Geistertickets". Die Resoanz auf die Aktion kommentiert Dynamos Vizekapitän: Die Dynamo-Fans sind wirklich besonders.
Yannick Stark präsentiert das "Geistertickets". Die Resoanz auf die Aktion kommentiert Dynamos Vizekapitän: Die Dynamo-Fans sind wirklich besonders. © SGD/Steffen Kuttner

Der vereinseigene Rekord wurde längst übertroffen. Im März 2012 waren 41.738 virtuelle Karten für das Heimspiel gegen den FC Ingolstadt abgesetzt worden, damals allerdings als eine Protestaktion gegen ein vom DFB als Strafe verhängtes Geisterspiel. Dabei hatte der Verkauf der imaginären Tickets erst am 9. Dezember begonnen, aber ein Rekord war schnell greifbar. Bereits zwei Tage später war das Stadion virtuell ausverkauft. "Es ist unfassbar schön, dass so viele Menschen hinter uns stehen", sagt Innenverteidiger Kevin Ehlers, und er betont: "Das ist nicht selbstverständlich."

Der Zuspruch soll auch Ansporn sein fürs Team

Auch Vize-Kapitän Yannick Stark ist begeistert. "Die Dynamo-Fans, die wirklich besonders sind, sind für viele – inklusive mir – auch ein Grund gewesen, zu Dynamo zu wechseln", sagt er und meint: "Diese positiv verrückte Anhängerschaft zeichnet den Verein einfach aus und zeigt immer wieder, was hier in der Stadt mit diesem Umfeld möglich ist. Trotz der schwierigen Situation, in der anfangs wenige und mittlerweile gar keine Zuschauer bei den Spielen dabei sein können, wurden meine Erwartungen dahingehend sogar übertroffen", bekundet der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler.

Sein Eindruck: "Man merkt hier überall, wie sehr die Menschen am Verein hängen. Das spornt uns als Mannschaft und einen selbst ungemein an." Und so rücken die Geister im Rudolf-Harbig-Stadion auch in Zeiten, in denen Abstand geboten ist, nun noch enger zusammen. Mit den Einnahmen will Dynamo die prognostizierten Verluste von sechs Millionen Euro als Folge der Pandemie mildern.

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"Im Namen der gesamten Mannschaft und im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Dynamo Dresden möchte ich schon jetzt danke für diese unglaubliche Solidarität sagen, die unser gesamter Verein gerade einmal mehr erfährt. Gerade jetzt, wo wir im Stadion auf unsere Fans verzichten müssen, ist dieser Zuspruch für uns ein weiterer Ansporn", betonte Sportgeschäftsführer Ralf Becker.

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