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Shorttrack-Star aus Dresden schwer verletzt

Drei Tage vor der WM bricht sich Anna Seidel im Training Waden- und Schienbein. Zerstört die Hiobsbotschaft auch ihre Olympia-Träume?

Anna Seidel wird einige Monate auf solche Momente warten müssen.
Anna Seidel wird einige Monate auf solche Momente warten müssen. © Matthias Rietschel

Dresden. Deutschlands beste Shorttrackerin Anna Seidel aus Dresden kann nicht bei der Weltmeisterschaft im holländischen Dordrecht starten. Die Athletin vom EV Dresden zog sich am Dienstag am WM-Standort bei einem Trainingsunfall einen Schien- und Wadenbeinbruch am rechten Bein zu. Das bestätigte Seidel auf ihrem Instagram-Kanal. „Es geht mir den Umständen entsprechend gut“, schrieb die 22-Jährige neben einem Foto, das sie auf einem Krankenhausbett zeigt. Seidel wurde sofort via Pkw von einem Betreuer in ihre Heimatstadt Dresden transportiert und dort bereits am Mittwoch operiert.

Damit fehlt sie dem deutschen Team beim am Freitag beginnenden Saisonhöhepunkt. Nach Ansicht von Bundestrainer Stuart Horsepool sei Seidel in der Form ihres Lebens gewesen. Bei der EM im Januar hatte sie Silber im Mehrkampf sowie Silber und Bronze auf zwei Einzelstrecken gewonnen, das war vorher noch keinem deutschen Athleten im Shorttrack gelungen. Der deutsche Verband DESG rechnete Seidel nun auch bei der WM zu Favoritenkreis – unter anderem auch deshalb, weil die weltweit dominierenden Asiatinnen aus China und Südkorea coronabedingt fehlen.

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Offen ist, wie lange Seidel ausfällt, vermutlich aber mindestens mehrere Monate. Bei dem Unfall lag offenbar kein Fremdverschulden vor. „Nach Aussage von Trainern ist sie ohne Fremdeinwirkung nach einem Sturz in die Bande geknallt“, sagte DESG-Pressechef Daniel Gäsche auf Nachfrage von Sächsische.de. Ob die Bande tatsächlich ausreichend gesichert war, was im Shorttrack immer mal wieder diskutiert wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Das Bild ist knapp ein Jahr alt - und dennoch irgendwie aktuell. Beim Heim-Weltcup in Dresden musste Anna Seidel damals nach einem Knochenabriss zuschauen. Jetzt verletzte sich die 22-Jährige drei Tage vor der WM offenbar noch schwerwiegender.
Das Bild ist knapp ein Jahr alt - und dennoch irgendwie aktuell. Beim Heim-Weltcup in Dresden musste Anna Seidel damals nach einem Knochenabriss zuschauen. Jetzt verletzte sich die 22-Jährige drei Tage vor der WM offenbar noch schwerwiegender. © (c) Christian Juppe

Ob die schwere Verletzung auch die Olympia-Hoffnungen von Seidel zerstören? Die ersten Qualifikationen für Winterspiele in Peking im Februar 2022 stehen bereits im Oktober an. Die Wettbewerbe in China wären nach 2014 und 2018 bereits die dritten Olympischen Winterspiele für die Dresdnerin. Das hängt nun am seidenen Faden. Allerdings ist Seidel eine, die mit Verletzungen umgehen, daraus neue Motivation schöpfen und nachher noch stärker zurückkehren kann.

Das bewies die 1,66 Meter große Eissprinterin bereits 2016, als sie sich, ebenfalls bei einem Trainingsunfall, den zwölften Brustwirbel gebrochen hatte und auch die stützenden Bänder des Wirbels gerissen waren. Oder Anfang 2020: Da zog sie sich beim Heim-Weltcup in Dresden eine knöchernen Bänderabriss am linken Sprunggelenk zu - gleichbedeutend mit dem Saison-Aus. Eine Saison später kehrte sie so schnell und stark wie nie zuvor in die Weltspitze zurück. "Anna kann es trotzdem noch zur Olympia-Quali schaffen. Sie hat es schon zwei Mal nach einer Verletzung zurückgeschafft. Das gelingt ihr auch dieses Mal", macht ihr Bianca Walter Mut. Die Teamkollegin aus Dresden und der Nationalmannschaft muss verletzungsbedingt ebenfalls auf die WM verzichten.

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