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Grenze offen - Pendeln wieder möglich

Lucie Koutkova lebt in Liberec und ist an der Hochschule in Zittau tätig. Wochenlang musste sie wegen Corona zu Hause arbeiten, nun ist sie zurück in ihrem Büro.

Lucie Koutkova kann wieder zwischen ihrem Wohnort Liberec und dem Arbeitsort Zittau pendeln.
Lucie Koutkova kann wieder zwischen ihrem Wohnort Liberec und dem Arbeitsort Zittau pendeln. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dass Lucie Koutkova in ihrem kleinen Büro im Haus I der Zittauer Hochschule sitzt, war vor Kurzem noch undenkbar. Die Grenze zwischen Tschechien und Deutschland war geschlossen und pendeln zwischen ihrem Wohnort Liberec und der Arbeitsstätte in Zittau nicht möglich. Mehr als zwei Monate musste die 44-jährige Tschechin, die Studierende bei Auslandssemestern und Praktika berät, zu Hause arbeiten.

Die Grenzschließung im Februar sei für sie sehr emotional gewesen, meint Lucie Koutkova. Dass plötzlich Betonquader an der Grenze lagen und keiner hinüberkam, dass über der Grenze Transparente aufgehängt wurden, auf denen stand "Wir vermissen euch", das sei zum Heulen gewesen, sagt die Tschechin. Zwischen zwei Ländern hin und her zu pendeln, ohne eine Grenze zu leben, das war für ihre Familie selbstverständlich. Und mit einem Mal gab es doch wieder eine Grenze, noch dazu eine geschlossene.

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So wie Lucie Koutkova standen viele tschechische Pendler nach der Grenzschließung vor der Frage, wie sie ihre Arbeit bewältigen sollen. Ein Teil blieb in Deutschland, um ihren Job nicht zu verlieren, andere nutzten Urlaubs- und Abfeiertage, um bei der Familie in Tschechien bleiben zu können.

In Deutschland bleiben war keine Option

In Deutschland zu bleiben und von ihrer Familie getrennt zu sein, kam für Lucie Koutkova wegen ihrer vierjährigen Tochter nicht infrage. "Natürlich machte ich mir Gedanken, was mein Arbeitgeber davon hält, wenn ich monatelang nicht auf Arbeit erscheinen kann", sagt sie. Zum Glück hatte sie mit der Hochschule Zittau/Görlitz einen Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern großzügig ermöglichte, zu Hause zu arbeiten, wie Rektor Professor Alexander Kratzsch bestätigt.

Technisch war es kein Problem, zu Hause zu arbeiten, sagt die Mitarbeiterin des Akademischen Auslandsamtes der Hochschule. Schwieriger war es, das Ganze zu organisieren. Denn ihr Mann musste ebenfalls zeitweise zu Hause arbeiten. Und dann gab es noch die kleine Tochter, die nicht in die Kita konnte. Für Lucie Koutkova bedeutete das, früh aufzustehen, um vorzuarbeiten bis die Tochter aufwacht. Oder abends zu arbeiten, wenn die Tochter schläft.

Alles ließ sich nicht in die Morgen- und Abendstunden verlegen. So wie die Online-Gespräche mit den Studenten. "Da passierte es immer wieder, dass meine Tochter in diese Online-Konferenzen platzte", erzählt die Liberecerin.

Inzwischen kann die Tochter wieder in die Kita - und Lucie Koutkova kann wieder nach Zittau pendeln. Zuerst musste sie sich noch zweimal in der Woche auf Corona testen lassen, wenig später war nur ein Test pro Woche erforderlich und jetzt sei die Testpflicht ganz aufgehoben, sagt die Liberecerin.

Sie leitete das Internationale Büro der TU Liberec

Die promovierte Germanistin hatte ab 2014 das Internationale Büro der TU Liberec geleitet. Nach der Geburt ihrer Tochter wollte sie ihr Arbeits- und Familienleben besser miteinander vereinen. Die Hochschule Zittau/Görlitz bot ihr dazu die Möglichkeit. So wechselte sie Mitte 2019 von Liberec in die Mandaustadt.

Lucie Koutkova und ihr Mann überlegen, nach Zittau umzuziehen. Diese Entscheidung machen sie aber auch von einer Verlängerung ihres Arbeitsvertrages an der hiesigen Hochschule abhängig. Der läuft vorerst bis Ende August. Beruflich wäre es kein Problem, sie weiter zu beschäftigen. Die EU brachte jüngst das neue ErasmusPlus-Programm für den Zeitraum 2021 bis 2027, über das die Auslandsaufenthalte und Praktika der Studenten finanziert wird, auf den Weg.

Weiterhin Online-Sprechstunden anbieten

Sollte die Familie nach Deutschland umziehen, wäre ihr Mann dann der Pendler. Bis dahin fährt Lucie Koutkova regelmäßig von Liberec nach Zittau und zurück. Noch ist sie nur zwei Tage in der Woche in der Hochschule, zwei Tage arbeitet sie weiter zu Hause. Einen gewissen Teil ihrer Arbeit zu Hause zu erledigen, kann sich die Liberecerin auch für die Zukunft vorstellen. Ein dauerhafter Heimarbeitsplatz ist für sie aber keine Lösung.

Wie auch immer die Arbeitsprozesse künftig strukturiert sind, verändern werden sie sich auf jeden Fall - angestoßen durch die Corona-Pandemie. So will das Akademische Auslandsamt weiterhin auch Online-Sprechstunden anbieten.

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