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Wirtschaft in Sachsen - Das Wochen-Briefing

Streit um Öl-Embargo + Großer Energieversorger will auf Gas verzichten + Sachsen wirbt um Chip- und Solarindustrie + Corona-Bilanz der SAB

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Gehen hier die Lichter aus? Die Erdölraffinerie im brandenburgischen Schwedt wäre bei einem Öl-Embargo bedroht. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sind die Kosten dieses Schritts zu hoch.
Gehen hier die Lichter aus? Die Erdölraffinerie im brandenburgischen Schwedt wäre bei einem Öl-Embargo bedroht. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sind die Kosten dieses Schritts zu hoch. © dpa

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Guten Morgen,

warum erst im Juli? Das werden sich vermutlich viele gefragt haben, als sie die Nachricht hörten, dass die Europäische Zentralbank nun doch angesichts der rekordhohen Inflation von 7,4 Prozent die Zinswende einläuten will, wenn auch sehr langsam.

Doch deshalb wird die Teuerungsrate nicht schnell sinken. Auf die Entwicklung der Energie- und der Nahrungsmittelpreise haben die Notenbanker nur begrenzten Einfluss. Solange der russische Angriffskrieg in der Ukraine andauert und der Westen die Abkehr von russischem Öl und Gas anstrebt, wird Energie teuer bleiben. Der fehlende Weizen aus Russland und der Ukraine wird die Nahrungsmittelpreise hochhalten. Und zuletzt kann die EZB die Engpässe in den Lieferketten nicht beseitigen, weil sie keinen Einfluss auf die Null-Covid-Politik in China hat.

Was hilft nun? Der Versuch der Bundesregierung, Sprit per staatlichem Rabatt zeitweise zu verbilligen, wird verpuffen. Die Idee des 9-Euro-Ticket im Sommer findet nicht nur Ministerpräsident Michael Kretschmer "nicht ausgegoren". Die beste Lösung wäre es, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Warum ein Öl- und Gasembargo gegen Russland jedoch nicht die richtige Waffe ist, um dies zu erreichen, erklärt der Ökonom und Dresdner Ifo-Niederlassungsleiter Marcel Thum in einem Gastbeitrag.

Auch wenn die Nachrichtenlage alles andere als heiter ist, genießen Sie den sommerlichen Frühling.

Herzlichst,

Ihre Nora Miethke, Leiterin Wirtschaftsredaktion sächsische.de

Das Wichtigste aus Sachsens Wirtschaft

+++ Kretschmer sieht Öl-Embargo kritisch +++

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) steht einem Einfuhrverbot von russischem Öl kritisch gegenüber. Mit Blick auf ein geplantes sechstes Sanktionspaket der EU gegen Russland sagte er: "Es ist, glaube ich auch, jetzt an der Zeit, genau hinzuschauen: Wem schadet es wirklich? "Es gebe eine globale Nachfrage nach Steinkohle, Öl und Gas. Wenn europäische Länder anderswo als in Russland Energie kauften, fehle es dort und die Lücke würde mit großer Wahrscheinlichkeit von russischen Quellen aufgefüllt, so der CDU-Politiker. Es müsse darum gehen, die Kriegstreiber in Russland - die Oligarchen, die Geheimdienstleute, den Präsidenten - zu treffen und nicht, die Kraft in Europa weiter zu schwächen. Ähnlich hatten sich in dieser Woche auf AfD und Linke in Brandenburg geäußert. Kretschmers Stellvertreter, Wolfram Günther (Grüne), widersprach am Mittwoch zumindest indirekt.

+++ Envia-M will komplett weg vom Gas +++

Der sächsische Energieversorger Envia-M will in den kommenden Jahren Erdgas durch Wasserstoff ersetzen und unabhängiger von Lieferungen aus dem Ausland werden. In einem ersten Schritt sollen in Sachsen-Anhalt drei Anlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff entstehen, erklärte Vorstandschef Stephan Lowis am Mittwoch. "Wir trauen uns zu, den Gasverbrauch von Porsche, BMW und dem Flughafen Leipzig zu ersetzen." Die sogenannte Wasserstoffbrücke soll in drei bis vier Jahren umgesetzt sein." Langfristig wollen wir Gas gegen Wasserstoff tauschen - und zwar komplett", betonte Lowis.

+++ Sachsen wirbt um Chip- und Solarindustrie +++

Sachsens Landesregierung hat erneut mehr Tempo bei der Umsetzung der europäischen Halbleiter-Offensive angemahnt. "Der European Chips Act ist für Europa und Deutschland enorm wichtig, um in der Schlüsselbranche Mikroelektronik unabhängiger zu werden. Wir brauchen diese Unabhängigkeit und eigene Stärke, damit unsere Wirtschaft stabil laufen kann, damit Deutschland und Europa bei der Digitalisierung weiter Tempo machen können", sagte Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) am Dienstag nach einem Treffen mit EU-Vertretern in Brüssel. Die weltpolitische Lage erfordere schnelles Handeln.

"Ohne Halbleiter wird es keine Energiewende, keine Energiesouveränität und keine Mobilitätswende geben", betonte Wirtschaftsminister Martin Dulig. Es gehe darum, den Standortvorteil Ost auszubauen. Deshalb würden in Brüssel so viele Gespräche stattfinden, erklärte Dulig.

+++ Corona-Hilfen für 60 Prozent der Unternehmen +++

Während der Pandemie haben rund 100.000 Unternehmen in Sachsen Corona-Hilfen erhalten. Das seien rund 60 Prozent aller Unternehmen im Freistaat, teilte die Sächsische Aufbaubank (SAB) am Dienstag bei der Bilanzvorstellung mit. Seit Beginn der Pandemie seien 3,6 Milliarden Euro an Hilfen bewilligt worden, 1,5 Milliarden davon im vorigen Jahr. Das waren rund 42 Prozent des Gesamtfördervolumen von 3,5 Milliarden Euro. In Zukunft setzt die Bank unter anderem auf die Unterstützung nachhaltiger Projekte und auf die digitalisierte Förderprogramme. Derweil fürchten trotz des Kriegs in der Ukraine deutlich weniger ostdeutsche Unternehmen um ihre Existenz als zu Beginn des Jahres, wie eine Befragung des Dresdner Ifo-Instituts im April ergab.


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