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Wilsdruff: Gymnasium schon zu klein?

Im Rathaus hatte man schon eine Ahnung, dass es dazu kommen könnte. Doch in der Planungsphase war der Handlungsspielraum gering.

Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother ist froh, das seine Stadt nun ein Gymnasium hat.
Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother ist froh, das seine Stadt nun ein Gymnasium hat. © Andreas Weihs

Eigentlich sollte das neue Wilsdruffer Gymnasium auch in diesem Jahr nur mit drei fünften Klassen starten. So war der Plan. Doch hätte Schulleiterin Katja Laetsch diesen durchgezogen, hätte sie vielen Schülern - darunter auch welchen aus Wilsdruff - eine Absage erteilen müssen. "Um diesen Schülern die Aufnahme zu ermöglichen, wurde für dieses Schuljahr die Aufnahme einer zusätzlichen Klasse geprüft", sagt die Schulleiterin. Und letztlich auch genehmigt. Deshalb startete die Schule mit vier fünften Klassen.

Der Eingangsbereich des Wilsdruffer Gymnasiums.
Der Eingangsbereich des Wilsdruffer Gymnasiums. © Egbert Kamprath

"Mit dieser Entscheidung konnten alle Anmeldewünsche, auch aus umliegenden Gemeinden, erfüllt werden." Immerhin: Etwa 80 Prozent der Schüler aus den fünften Klassen wohnt in Wilsdruff und seinen Ortsteilen. Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) zeigt sich nicht überrascht, dass es jetzt so viele Schüler gibt. "Die Zahlen waren bekannt." Auch im letzten Schuljahr war der Andrang groß.

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Nachbar zettelte langes juristisches Hickhack an

Trotzdem wirft das Fragen auf: Hätte man das Gymnasium nicht gleich größer bauen können? Insider und Entscheider wie Rother wissen um die schwierige Vorgeschichte. Und zu der gehört der Nachbarkreis Meißen. Dieser wollte den Neubau verhindern.

Unter diesen Bedingungen wird im Gymnasium unterrichtet.
Unter diesen Bedingungen wird im Gymnasium unterrichtet. © Daniel Schäfer

Die Überlegung dort: Ein Gymnasium in Wilsdruff nimmt dem bestehenden Gymnasium in Nossen Schüler weg, es müsste letztlich sogar aufgeben. Es folgt ein langes juristisches Hickhack. Letztlich siegte Wilsdruff. Allerdings mit der Folge, dass später als geplant gebaut werden konnte. Und teurer wurde das Gymnasium auch.

Keine Unterstützung aus Klipphausen

In der Diskussion wurde nach Rothers Meinung nach zu wenig berücksichtigt, dass das neue Gymnasium das sechszügige in Freital entlasten sollte. Und was ihn damals auch wunderte. Die benachbarte Gemeinde Klipphausen hat damals nicht aufseiten von Wilsdruff gekämpft. Dabei hätten ihre Kinder von der nahen Schule profitiert. Doch weder in der Gemeinde noch in der Elternschaft regte sich etwas. Das hat Folgen für die Schüler von heute. Da die Plätze im Gymnasium begrenzt sind, hat die Wilsdruffer Schule Aufnahmekriterien erlassen, die in der folgenden Rangfolge berücksichtigt werden.

Wilsdruffer Gymnasium hat Aufnahmekriterien

  • Der Hauptwohnsitz des Kindes befindet sich in der Stadt Wilsdruff.
  • Ein Geschwisterkind besucht auch im kommenden Schuljahr die Schule.
  • Es werden Kinder aufgenommen, die bei einer Ablehnung des Gymnasiums mehr als 60 Minuten für den Schulweg zu einer anderen Schule brauchen.
  • Und zuletzt gilt der Losentscheid.

Einen Sonderweg hat Wilsdruff damit nicht eingeschlagen. "Das sind gerichtsfeste Kriterien", sagt Rother. Doch letztlich wird das denjenigen Familien nicht helfen, die ihr Kind gern am Wilsdruffer Gymnasium anmelden würden.

In den nächsten Jahren wird es aller Voraussicht mehr Anmeldungen als Plätze geben. Das zeigen die Prognosen. Für Wilsdruff seien diese zwar gute Hilfsmittel. Doch aus der Rückschau weiß Rother, dass die Prognosen selten eintraten. Schließlich sei Wilsdruff eine Stadt, die in den letzten Jahren als Wohnstandort immer attraktiver wurde.

Schulleiterin Katja Laetsch hat in diesem Schuljahr vier statt drei fünfte Klassen aufgenommen.
Schulleiterin Katja Laetsch hat in diesem Schuljahr vier statt drei fünfte Klassen aufgenommen. © Norbert Millauer

Hinzukommt, dass der Prozentsatz der Schüler steigt, die nach der vierten Klasse aufs Gymnasium und nicht zu einer Oberschule wechseln wollen. Die Übergangsquote Richtung Gymnasium ist auf über 50 Prozent gestiegen, sagt Rother.

Bisher sei das nur in Großstädten zu beobachten gewesen, nun zeigt sich der Trend auch in den ländlichen Gebieten. Rothers Erklärung: Die Bildungsempfehlungen der Grundschule sind nicht bindend. "Am Ende entscheiden die Eltern." Auch der Schulweg spielte hier eine Rolle. In der Regel war dieser zur nächsten Oberschule kürzer. Für Wilsdruff gilt das jetzt nicht mehr, weil beide Schulen fast nebeneinander stehen.

In Wilsdruff hat man den Anstieg der Schülerzahlen erwartet. "Wir durften aber nur dreizügig bauen. Es war schon damals klar, es wird nicht für alle reichen", sagt Rother. Deshalb habe man - trotz Kritik vom Rechnungshof - eine Schule für die Zukunft gebaut. "Daraus ergeben sich jetzt mehr Möglichkeiten", sagt er. Das Gymnasium kann mit Genehmigung auch 3,5-zügig gefahren werden. Das heißt alle zwei, drei Jahre können statt drei, vier fünfte Klassen aufgenommen.

Rother geht aber davon aus, dass das in Zukunft nicht reichen wird. Sowohl in der Oberschule als auch im Gymnasium wird es mittelfristig eng. Zwar soll die Oberschule demnächst erweitert werden. Doch damit werde nur ein Zustand geschaffen, der notwendig ist, um nach den aktuellen Standards dreizügig zu arbeiten. Eine Erweiterung über die Dreizügigkeit hinaus, sei am Standort nicht möglich, sagt Rother. Am Gymnasium sei die Situation ähnlich. "Das Gebäude ist gut ins Grundstück eingefügt."

Ein Blick in das neue Wilsdruffer Gymnasium. Diese Treppe führt zum Eingangsbereich.
Ein Blick in das neue Wilsdruffer Gymnasium. Diese Treppe führt zum Eingangsbereich. © Foto: iproplan® Planungsgesells

Deshalb gibt es schon Planspiele, neue Kapazitäten zu schaffen. Doch dazu bräuchte die Stadt ein Grundstück unweit der Schulen. Ohne dieses funktioniert der Plan nicht, sagt Rother. Intern gibt es auch schon eine sehr interessante Idee, wie man die Situation mit dem Bau eines Hauses entschärfen könnte. Dort könnten dann die vierten, fünften und sechsten Klassen gemeinsam untergebracht werden. Das ist aber eine Investition, die mehrere Millionen Euro kosten würde. "Das muss gut überlegt werden", sagt Rother.

Das Gymnasium Wilsdruff

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  • Bestrebungen, ein Gymnasium in Wilsdruff zu gründen, gab es bereits vor zehn Jahren. Ursprünglich sollte es 2014 eröffnen.
  • 2015 hatte der Landkreis Meißen Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht, um den Bau in Wilsdruff zu verhindern. Der Kreis unterlag.
  • Das Wilsdruffer Gymnasium wurde 2018 gegründet. 2018 bezog es zunächst in Freital-Kleinnaundorf eine Interimslösung.
  • Im Schuljahr 2020 zog die Schule in das neue Schulgebäude in Wilsdruff.
  • Gegenwärtig lernen am Gymnasium 330 Schüler in den Klassenstufen 5 bis 8.

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