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Corona: Trixi-Park schreibt Millionen-Verlust

Der größte Tourismusbetrieb der Oberlausitz erhält bisher keine finanziellen Hilfen. Wie Geschäftsführerin Annette Scheibe ihn durch die Krise bringen will.

Annette Scheibe ist Geschäftsführerin der Großschönauer Trixi-Park-Gesellschaft. Seit Anfang November sind Ferienpark und Freizeitbad geschlossen und 70 Mitarbeiter in Kurzarbeit.
Annette Scheibe ist Geschäftsführerin der Großschönauer Trixi-Park-Gesellschaft. Seit Anfang November sind Ferienpark und Freizeitbad geschlossen und 70 Mitarbeiter in Kurzarbeit. © Matthias Weber/photoweber.de

Gerade hat die Rezeption eine Anfrage erhalten: Acht Mitarbeiter eines Unternehmens brauchen kurzfristig Zimmer im Hotel. Kein Problem für den Trixi-Ferienpark. Das Hotel ist ja leer. Wenigstens Geschäftsreisende dürfen auch im Beherbergungsverbot beherbergt werden. Wenigstens die.

Annette Scheibe hat sich mit einem dicken Aktenordner in das lichtdurchflutete Buffet-Restaurant gesetzt. Durch die große Glasfront an der Südseite blickt die Geschäftsführerin des Trixi-Parks auf die Zittauer Gebirgskulisse. Es ist ein wunderbarer Blick in die weite Landschaft bis hinüber zur Lausche. Annette Scheibe liebt diese helle, naturnahe Atmosphäre - auch und gerade beim Arbeiten. Außer ihr sitzt niemand im Restaurant.

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Bei dieser schönen Aussicht und der Ruhe hier hatte Annette Scheibe auch die Idee, die Ferienhäuser für Homeoffice-Arbeitsplätze anzubieten. "Hier kann man ganz in Ruhe richtig kreativ sein, das ist doch ideal", schwärmt sie. Immerhin neun Buchungen hat es dafür gegeben. Von Mitte November bis Anfang Februar haben in den Ferienhäusern die Bundeswehrsoldaten gewohnt, die Amtshilfe bei der Versorgung der Corona-Patienten in den Krankenhäusern in Zittau und Ebersbach geleistet haben. Aber auch die Soldaten sind inzwischen wieder abgezogen.

Wenn sie alles zusammenrechnet, sagt die Geschäftsführerin, dann sind das keine zehn Prozent der Einnahmen, die der Trixi-Park normalerweise hätte. "Ostern wäre der Park ausgebucht - Campingplatz, Ferienhäuser, Hotel. Komplett." Seit November aber ist der Ferien- und Freizeitpark komplett geschlossen. Nach einer halben Million Euro Verlust im Frühjahrs-Lockdown 2020 hat das Unternehmen seit November inzwischen weitere 1,5 Millionen Euro an Einnahmen verloren.

Die 70 Mitarbeiter sind alle in Kurzarbeit, die meisten von ihnen auf Null, nur einige können wenigstens anteilig arbeiten. "Das Schlimme ist, dass die Mitarbeiter, die alle unverschuldet in dieser Situation sind, finanzielle Einschnitte in Größenordnungen tragen müssen"", sagt Annette Scheibe. "Das verdient größten Respekt." Aber in der Öffentlichkeit sei dieses Thema überhaupt nicht präsent.

Bisher keine Hilfen vom Staat für das Unternehmen

Überhaupt nicht präsent ist es offenbar auch, dass der Trixi-Park bisher bei den staatlichen Corona-Hilfen vollkommen leer ausgegangen ist. Weder im ersten Lockdown noch bisher im zweiten hat das Unternehmen eine finanzielle Unterstützung bekommen. Grund ist die komplizierte Gesellschafterstruktur: Die Trixi-Park GmbH gehört zum größten Teil zu einer Unternehmensholding des Landkreises, einem komplexen Geflecht, unter dessen Dach beispielsweise auch die Abfallwirtschaft arbeitet, die vom Lockdown nicht betroffen ist und keine Einnahmeverluste hat.

Finanziell aber arbeiten die einzelnen Unternehmen in der Holding eigenständig. Die Trixi-Park GmbH bekommt keinen Cent von den anderen Unternehmen. Aber eben wegen dieser Holding-Konstellation bekommt sie auch keine Corona-Hilfen von Bund und Land.

Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (parteilos) hatte sich deswegen schon im Dezember an Sachsens Landesregierung und an Landtags- und Bundestagsabgeordnete gewandt. Diese Regelung müsse für solche Fälle dringend geändert werden, fordert er.

Inzwischen scheint sich zumindest teilweise eine Lösung abzuzeichnen. "Seit letztem Montag gibt es jetzt für uns die Möglichkeit, November- und Dezemberhilfen über einen Schadensausgleich zu bekommen", sagt Annette Scheibe. "Das würde uns wenigstens ein Stückchen weiterbringen." Aber die Bürokratie, mit der sie es dabei zu tun hat, die sei wirklich der Wahnsinn. "Überhaupt ist diese überbordende Bürokratie in Deutschland nicht mehr nachvollziehbar", fügt die Geschäftsführerin mit einem Seufzen hinzu. Und hofft, dass das nun auch wirklich klappt mit dem Schadensausgleich - wenigstens für November und Dezember.

Überleben dank Rücklagen

"Dass wir überhaupt noch durchhalten, hat damit zu tun, dass wir in den letzten Jahren sehr gut gewirtschaftet haben", sagt Annette Scheibe. Das Konzept mit Campingplatz, Ferienhäusern, Hotel und Freizeitangeboten gehe sehr gut auf. Das Hotel, das 2018 eröffnen konnte, habe betriebswirtschaftlich sehr geholfen. "Wir überleben dank unserer Rücklagen", konstatiert die Geschäftsführerin ganz nüchtern.

Ostern wäre normalerweise wieder ausgebucht. "Aber wir machen uns keine Illusionen und wissen, dass eine Öffnung nur Stück für Stück gehen kann", sagt Annette Scheibe. "Wir hoffen jetzt auf Mai und darauf, dass dann auch die Nachfrage da sein wird." Die Geschäftsführerin blickt nachdenklich: "Ich hoffe nicht, dass es wieder solche kurzfristigen Entscheidungen und Hau-Ruck-Aktionen geben wird. Das macht es uns allen sehr schwer - uns und auch den Gästen."

Beim weiten Blick durch die Glasfront des Buffet-Restaurants aber ist der Optimismus der 49-Jährigen schnell zurück. Draußen wird gerade der neue Rastplatz gebaut mit Grillhütte und Busanschluss. Hier können Einheimische und Touristen künftig das Auto stehen lassen und zu Wanderungen und Radtouren ins Gebirge aufbrechen. Und auf dem Rückweg ins Trixi-Restaurant. Hier wird es künftig jeden Sonntagvormittag ein Brunchbuffet und am Abend ein Oberlausitzer Buffet geben - nicht nur für die Gäste des Trixi-Parks. Und ab Ostern wird es auf der Restaurant-Terrasse an den Wochenenden von 14 bis 17 Uhr Getränke und Snacks zum Mitnehmen geben. "Damit wir hier nicht ganz so alleine bleiben", sagt Annette Scheibe und lächelt wieder.

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