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Kamenz

"Wenn dein Kind stirbt, gibt es keinen Trost!"

Familie Reinhardt aus Bautzen erlitt einen schweren Verlust. Das jüngste von sieben Kindern starb mit fünf Monaten. Wie die Lichtblick-Aktion in der schweren Zeit half.

Von Ina Förster
 5 Min.
Wenn ein Kind stirbt, gerät die Welt für die Eltern aus den Fugen. So erging es auch einer Familie aus Bautzen. Die Stiftung Lichtblick half in dieser schwierigen Situation.
Wenn ein Kind stirbt, gerät die Welt für die Eltern aus den Fugen. So erging es auch einer Familie aus Bautzen. Die Stiftung Lichtblick half in dieser schwierigen Situation. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen/Olbersdorf. Das Grab auf dem Bautzener Michaelisfriedhof ist frisch gemacht. Tannenzweige, ein Blümchen, eine Kerze. Kurz vor dem Winter ist das Tradition. Jahr für Jahr. Oma und Opa liegen hier schon in der Erde. Und doch fällt Romy Reinhardt der Gang zum Familiengrab diesmal so schwer wie noch nie. Seit dem 15. April hat auch ihr kleiner Schatz Antonius-Enrico hier seine letzte Ruhe gefunden. Nur fünf Monate alt wurde er. Ihr Sohn starb unerwartet. Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung.

Als der Arzt und die Kriminalpolizei vor der Tür stehen, geht man von plötzlichem Kindstod aus. Eine Obduktion wird angeordnet. Das sind normale Vorgänge. Und trotzdem rauscht dieser Tag vorm geistigen Auge der völlig überforderten Eltern auch später immer wieder wie ein schlechter Film vorbei. "Antonius hatte doch gar nichts, er war gesund", glaubte seine Mutter damals. Und er war friedlich. Hat immer gelächelt - ein Kind, das Freude schenkte.

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Antonius hatte eine krankhafte Vene am Herzen

Heute wissen seine Eltern es besser. Aber es macht die Trauer nicht kleiner. "Antonius hatte eine defekte Vene im Herzen", sagt Romy Reinhardt leise. "Früher oder später wäre wahrscheinlich sowieso etwas passiert. Keiner konnte das ahnen", sagt die 28-Jährige. Herzfehler sind eine der Hauptursachen für einen plötzlichen Kindstod, habe man ihnen gesagt. Helfen tut das nicht. "Wenn dein Kind stirbt, gibt es keinen Trost", meint Antonios Mama.

Psychische Probleme seit dem Tod des Sohnes

Romy Reinhardt ist schon früh zum ersten Mal Mutter geworden. Da war sie gerade 19. Dass sie zehn Jahre später aber sieben Kinder hat, war so nicht geplant. Und lässt manche Mitmenschen ungläubig staunen. "Ich kenne die Blicke der anderen. Ich habe sieben Kinder. Früher wollte ich überhaupt keine. Aber so ist das nun einmal. Dinge ändern sich", sagt die Bautzenerin ruhig.

Doch im Frühjahr zählte die Familienbande der Reinhardts plötzlich nur noch sechs Kinder. Antonius' Tod war schwer zu verkraften. "Wir haben wirklich gelitten. Alle. Auch mein Mann", sagt Romy Reinhardt. Und Antonius' vier Schwestern und zwei Brüder ebenso. "Der Tod hat mich in eine Krise gestürzt."

Hilfe bei der Caritas gesucht und gefunden

In Franziska Hennig von der Schwangerschaftsberatung des Caritasverbandes Oberlausitz fand sie eine Zuhörerin. "Wir kennen uns seit neun Jahren. So alt ist mein Ältester", erklärt Romy. Die Beraterin ist mit der Familiengeschichte von Reinhardts vertraut. Sie weiß, dass ihre Klientin keinen Schulabschluss hat, geschweige denn eine Ausbildung. Dafür ist sie Mutter. Voll und ganz.

Franziska Hennig wusste auch, was zu tun ist, als es prekär wurde. Familie Reinhardt zog einen Umzug in eine andere Wohnung in Erwägung. Weg von den quälenden Gedanken und Selbstvorwürfen. Weg von dem Ort, wo Antonius früh tot im Bettchen lag. Doch das alles kostete Geld. Ein Spenden-Antrag bei der "Aktion Lichtblick" könnte unterstützend helfen, überlegt Franziska Hennig - und nimmt Verbindung zu der Stiftung auf.

Die Reinhardts gehen derweil auf die Suche. Finden eine große Acht-Zimmer-Wohnung in Olbersdorf. "Das war für mich als Stadtkind weit weg. Und klang ziemlich nach Dorf", gesteht die Mutter. Aber es ist ein Rettungsanker. Und die viel zu enge Dreiraum-Wohnung in Bautzen kann die Familie hinter sich lassen.

Lichtblick gibt 500 Euro für Möbel und neuen E-Herd

Ein bisschen hätten die Olbersdorfer sie als achtköpfige Familie zuerst beäugt. "Im Kindergarten und auch in der Schule waren wir die Exoten. Aber wir haben unser Ding schon immer durchgezogen. Meine Familie ist mein Anker. Wir müssen klarkommen miteinander", sagt Romy Reinhardt.

In der neuen großen Wohnung fehlte es an vielem. "Etliche Möbel sind mittlerweile so verbraucht, dass sie einem weiteren Umzug nicht mehr standhalten würden", schrieb Franziska Hennig in den Antrag an die Lichtblick-Stiftung. "Auch der E-Herd ging zu allem Übel noch kaputt. Dabei musste sich die Familie ohnehin schon mit vielen Formalitäten und den Kosten für die Beerdigung auseinandersetzen!"

Unkompliziert erhält die Großfamilie 500 Euro aus dem Spendentopf. "Das war wirklich eine ganz große Sache. Und es ging so schnell", freut sich Romy Reinhardt immer noch.

Neue Schwangerschaft kommt unverhofft

Dass sie zum Zeitpunkt von Antonius' Tod bereits wieder schwanger war, wusste sie nicht. "Ich war ungefähr in der neunten Woche, als ich es erfuhr. Und noch so in Schockstarre durch Antonius' Tod, dass ich an so etwas nicht denken wollte", erzählt sie. Doch dann hat sie ihre erste Untersuchung. Eine Woche nach der Beerdigung. Romy Reinhardt hört das kleine Herzchen pochen. "Dieses Kind sollte einfach kommen", sagt sie.

Mikkel-Rico wird ihr sechster Kaiserschnitt. Er kommt in der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt und ist gesund. "Ich weiß, dass er uns den Antonius nicht ersetzen kann", sagt die junge Mutter. "Aber er ähnelt ihm so sehr." Die Ärzte raten ihr von weiteren Geburten ab. Zu groß sei das Risiko bei einem weiteren Kaiserschnitt.

"Wir sind jetzt ohnehin komplett. Wieder", sagt Romy Reinhardt. Jetzt will sie erst einmal ihren Hauptschulabschluss nachholen.

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  • Die Stiftung Lichtblick veranstaltet dieses Jahr die 26. Spendensaison für in Not geratene Menschen. Die Spenden können online überwiesen werden über www.lichtblick-sachsen.de/jetztspenden . Konto-Nummer: Ostsächsische Sparkasse Dresden, BIC: OSDDDE81 IBAN: DE88 8505 0300 3120 0017 74
  • Hilfesuchende wenden sich bitte an Sozialeinrichtungen ihrer Region wie Diakonie, Caritas, DRK, Volkssolidarität, Jugend- und Sozialämter.
  • Erreichbar ist Lichtblick telefonisch Dienstag und Donnerstag von 10 bis 15 Uhr unter 0351/4864 2846, Fax: - 9661, Mail: [email protected]; Sächsische Zeitung, Stiftung Lichtblick, 01055 Dresden
  • www.lichtblick-sachsen.de
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