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Wie wird Bautzen familienfreundlicher?

In einem Städtevergleich hat Bautzen in Sachen Familienfreundlichkeit gut abgeschnitten. Doch die Stadt will noch mehr tun, vor allem in zwei Punkten.

Von David Berndt
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Der neue Sprejnik-Spielplatz im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen ist beliebt. Doch zur Familienfreundlichkeit einer Stadt gehört noch mehr.
Der neue Sprejnik-Spielplatz im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen ist beliebt. Doch zur Familienfreundlichkeit einer Stadt gehört noch mehr. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Stadt Bautzen ist familienfreundlich. So sehen es zumindest die Verfasser einer Studie, Teilnehmer der Bautzener Familienkonferenz und Mitglieder des Beirats für Stadtentwicklung. Diese haben bei ihrer jüngsten Sitzung am Dienstagabend aber auch festgehalten, dass Bautzen noch familienfreundlicher werden kann - und mögliche Maßnahmen und Ideen dafür entwickelt. Sächsische.de fasst die Ergebnisse zusammen.

Wie familienfreundlich ist Bautzen?

Bei der Bewertung stützte sich Baubürgermeisterin Juliane Naumann in der Sitzung des Beirats unter anderem auf die guten Bewertungen, die Bautzen im September in einem Städtevergleich erhielt. Dieser wurde von der Zeitschrift „Kommunal“ in Auftrag gegeben.

Was die Familienfreundlichkeit der Stadt betrifft, belegt Bautzen dort Platz 23 der insgesamt 858 untersuchten Städte mit Einwohnerzahlen zwischen 20.000 und 75.000. Dazu wurden unter anderem Geburtenzahlen, Verkehrsinfrastruktur, Wohnraum und Bildungsmöglichkeiten betrachtet. Zudem verwies Juliane Naumann darauf, dass Bautzen dort mit relativ günstigen Preisen für Bauland und einer guten Anbindung an die Autobahn gepunktet habe.

Teilnehmer der Familienkonferenz, die Ende September stattfand, lobten die Stadt Bautzen etwa für kurze Wege, das Umland und die Überschaubarkeit. Positiv wurden etwa Angebote der Jugendkultur, das Puppentheater, der Berufemarkt oder die Familienbroschüre hervorgehoben. Es gebe darüber hinaus tolle Spielplätze, das Frauenzentrum, aktive Kirchgemeinden und Kindertagesstätten mit verschiedenen Konzepten.

Wie kann Bautzen noch familienfreundlicher werden?

Trotz dieser Bewertungen steht für Bautzens Baubürgermeisterin aber fest, dass noch mehr passieren muss, nicht zuletzt auch weil die Stadt Familienfreundlichkeit an vielen Stellen in ihr „Leitbild Bautzen 2030+“ geschrieben hat. Ein zentrales Thema ist dabei die Nachfrage nach attraktivem Wohnraum, sei es zur Miete oder als Eigentum. Gerade an Einfamilienhäusern und Bauland fehle es in der Stadt.

Für den Zeitraum 2020 bis 2024 rechnet die Stadt mit einem jährlichen Bedarf an 86 Einfamilienhäusern. 2021 sind bislang 22 entstanden. Vier Standorte für den Bau von Eigenheimen sind derzeit in Bearbeitung: zwei in Oberkaina und je eins in Großwelka und Rattwitz.

Dazu kommen weitere potenzielle Standorte etwa Am Ziegelwall, an der Dr.-Peter-Jordan- oder der Albert-Einstein-Straße. Besser sieht es bei neuen Wohnungen aus. Der ermittelte Bedarf von 99 wurde hier bereits jetzt mit 144 deutlich übertroffen.

Laut Juliane Naumann müsse man auch noch viel mehr auf die Frauen und den Wegzug schauen. Vor allem die Altersgruppe 0 bis 50 würde die Stadt verlassen. Der Lausitz-Monitor 2021 ergab, dass 45 Prozent der 16- bis 45-Jährigen wegziehen wollen. Von den Frauen dieser Gruppe würden nur vier Prozent wieder zurückkommen, so die Studie.

Das bestätigen die Ergebnisse der Studie „Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt?“ zur Verbesserung der Verbleibchancen qualifizierter Frauen im Landkreis Görlitz. Diese seien laut Naumann durchaus auf den Kreis Bautzen übertragbar. Demnach gibt es Frauenmangel in der Lausitz, etwa weil die Entlohnung nicht hoch genug ist oder Frauen auf Führungsebenen unterrepräsentiert sind. „Das ist traurige Realität“, sagt Juliane Naumann. „Wir müssen uns um junge Frauen kümmern.“

Welche Überlegungen gibt's noch zum Thema?

Der Beirat für Stadtentwicklung hat sich damit beschäftigt, welche Schlussfolgerungen man aus diesen Studien ziehen müsse. In den rund 40-minütigen Gesprächsrunden wurden viele Ideen diskutiert.

Architekt Axel Jäkel etwa denkt nicht, dass es zu wenig Arbeitsplätze für Frauen gibt. In seinem Büro habe sich das Geschlechterverhältnis in den vergangenen Jahren komplett gewandelt. Drei Männern stünden sieben Frauen gegenüber, darunter seien fünf jüngere. Der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren sei auch eine Chance.

Stadträtin Katja Gerhardi (CDU) sagte, Frauen kämen dann zurück, wenn sie Kinder bekommen. Deshalb müssten Wohnbaustandorte, die Kinderbetreuung und Bildungseinrichtungen ausgebaut werden.

Benno Auras von der mobilen Jugendarbeit hält es für wichtig, den Leerstand für digitales und mobiles Arbeiten zu nutzen und zu bewerben. Das Tagwerk auf der Tuchmacherstraße sei ein gutes Beispiel. „Wir haben eine Riesenchance: riesige Räume und schnelles Internet.“ Dort sei mobiles Arbeiten oder Co-Working möglich.

Welche Meinung haben Sie zur Familienfreundlichkeit in Bautzen? Was ist gut und was sollte besser werden? Schreiben Sie gern eine E-Mail an Reporter David Berndt unter [email protected]