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Dresden: Einkaufen, fast wie früher

Die Dresdner Händler tasten sich seit Montag in die Normalität zurück. Nicht alle öffnen schon. Der erste Tag ohne Terminbuchung - ein Report.

Anett Liekfeldt kommt am Montag mit vollen Einkaufstüten aus der Altmarktgalerie. Tag 1, an dem keine Shopping-Termine mehr gebucht werden müssen.
Anett Liekfeldt kommt am Montag mit vollen Einkaufstüten aus der Altmarktgalerie. Tag 1, an dem keine Shopping-Termine mehr gebucht werden müssen. © Sven Ellger

Dresden. Die Einladung zur Hochzeitsfeier ist längst eingetrudelt, nur das passende Outfit hängt noch nicht im Schrank. Im Internet bestellen, nur um herauszufinden, dass der Stoff doch nicht der richtige ist oder das Kleid eine Nummer zu groß? Das hat Anett Liekfeldt in den vergangenen Monaten oft genug erlebt. Wieder alles rein ins Paket, zukleben, zur Post bringen. "Auf Dauer ist das nichts", sagt die Dresdnerin am Montagvormittag, als sie aus der Altmarkt-Galerie kommt. In ihren Händen hält sie drei Klamotten-Tüten. Kleider, die sie vorm Kauf anprobieren konnte. "Es ist schön, wieder unkomplizierter in Geschäften einkaufen zu können, ich freue mich."

Unkompliziert - das heißt, dass Bekleidungsgeschäfte, Schuhmärkte, Elektronikläden und Möbelmärkte seit Montag öffnen dürfen, ohne dass man als Kunde vorab einen Termin buchen muss. Nötig sind eine Maske und ein negatives Testergebnis. Das darf nicht älter als 24 Stunden sein. Als vollständig Geimpfter oder Genesener ist auch das nicht nötig. Wobei ein Test kein Weltuntergang ist, stellt Anett Liekfeldts Mann klar. Seine Frau ist vollständig geimpft, er nicht. "Mein Gott, ich war heute Morgen schnell beim Schnelltest. Was ist dabei?" Die Tests werden oft vor Ort angeboten: In der Altmarkt-Galerie gibt es sie, im Kaufpark Nickern, in der Centrum-Galerie und im Elbepark ebenfalls.

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Dresdens erste Einkaufsmeile - die Prager Straße -, aber auch die anderen Einkaufszentren in der Landeshauptstadt sind am Montag aus dem Corona-Schlaf geholt worden. Sachte, man muss am Vormittag schon Glück haben, Menschen mit prallen Tüten in der Hand zu entdecken. Viele Kunden machen sich stattdessen mit den neuen Kollektionen vertraut, entdecken alte Freiheiten wieder, bummeln durch die Läden.

Zumindest durch die, die geöffnet haben. Vielerorts braucht es Zeit, sich auf die neuen Regeln einzustellen. In der Altmarkt-Galerie haben manche Läden am Montag ganz geschlossen, andere öffnen verkürzt - hier 10 bis 17 Uhr, da nur 12 bis 17 Uhr. Ein Blick auf die gerade gültigen Öffnungszeiten lohnt sich vor der Fahrt in die Innenstadt. An manchen Schaufenstern führen alte Regeln in die Irre und mahnen: "Einkaufen nur mit Termin." Auf Nachfrage erklärt ein Saturn-Mitarbeiter am Einlass, dass seit heute tatsächlich ein negatives Testergebnis reicht und schickt die Kunden die Rolltreppe hinauf. Was vor allem am Wochenende ein Thema werden könnte: Im Rahmen ihrer Hygienekonzepte dürfen die Geschäfte nicht so viele Kunden hineinlassen wie reinpassen. So sind zum Beispiel im Karstadt gut 800 Personen erlaubt, verrät ein Schild auf der gläsernen Eingangstür.

Mehr als die Hälfte der Elbepark-Geschäfte öffnet zum Start

Im Elbepark ist an diesem Montagmittag schon wieder fast so etwas wie Shopping-Alltag zu spüren. Auf dem Parkplatz muss nach einer Lücke gesucht werden. Drinnen zeigt Martina Vogel dem Sicherheitsmann vor dem Mediamarkt ihr negatives Testergebnis. "Ich bin überrascht, dass gleich wieder fast alles offen ist", sagt die 57-Jährige, die sich über Waschmaschinen informieren möchte. Auch dem Höffner gegenüber will sie noch einen Besuch abstatten. Laut Center-Manager Gordon Knabe empfangen zu Wochenbeginn bereits 100 der 170 Geschäfte Kundschaft.

Claus und Christian Tämpler kommen mit vollen Beuteln und lächelnden Augen aus dem Gummibärchen-Laden "Bears & Friends". Gerade noch rechtzeitig konnten sie sich hier die süßen Kindertags-Naschereien für ihre Enkel sichern, wenngleich die schon 14 und 18 Jahre alt sind, sagen sie.

Christa und Claus Tämpler statteten im Elbepark als erstes dem Gummibärchenladen einen Besuch ab.
Christa und Claus Tämpler statteten im Elbepark als erstes dem Gummibärchenladen einen Besuch ab. © Henry Berndt

Im Kaufpark Nickern an der Dohnaer Straße sind am Montag fast alle Geschäfte wieder geöffnet. Das teilt das Centermanagement auf SZ-Anfrage mit. Von einem normalen Alltag kann allerdings noch keine Rede sein, denn die meisten Geschäfte haben auch hier verkürzte Öffnungszeiten oder öffnen nicht täglich. So können Kunden beim Modeanbieter Rauer erst ab 12 Uhr in den Laden, geöffnet ist bis 18 Uhr. Der Großteil der Händler ist in der Zeit von 10 bis 17 oder 18 Uhr für die Kunden da, nur wenige Filialen sind in der normalen Zeit von 10 bis 20 Uhr geöffnet. „Vor dem Besuch im Kaufpark raten wir deshalb, auf unsere Homepage zu schauen“, so der Tipp vom Centermanagement. Dort würden die Öffnungszeiten sofort aktualisiert, sollte es Änderungen geben.

Bei Melanie Langner im Schmuckladen Florentine im Erdgeschoss des Einkaufszentrums ist an diesem Montagvormittag noch nicht viel los. Sie erledigt inzwischen Papierkram. "Vielleicht liegt es am schönen Wetter", erklärt sich die Geschäftsfrau die Zurückhaltung der Kunden. Eine Kaufpark-Mitarbeiterin schätzt hingegen, es sei so fast so viel los wie an einem üblichen Montag. Üblich, also vor der Corona-Pandemie.

Fällt nächste Woche auch die Testpflicht in Geschäften?

Froh über die weiteren Lockerungen ist Frank Sölchner, obwohl der Chef der Thalia-Filiale im Obergeschoss auch in den vergangenen Wochen öffnen durfte. Buchhandlungen zählen zu den Geschäften des täglichen Bedarfs und waren von den Schließungen ausgenommen. "Seit eineinhalb bis zwei Wochen nimmt die Zahl der Kunden zu", sagt Sölchner. Dafür, dass es bisher noch nicht richtig lief, hat er eine einfache Erklärung. "Wir setzen hier auf das Bummelpublikum", also auf Menschen, die durch das Einkaufszentrum spazieren und hier und da in ein Geschäft sehen. Doch weil eben viele Läden zu waren, sei auch das Publikum für seine Thalia-Filiale ausgeblieben. Anders sei das in den "Stadtteilgeschäften" der Kette, etwa am Schillerplatz. "Da lief es auch in den letzten Wochen schon gut."

Ingeborg Groß gehört zum klassischen Bummelpublikum. Sie prüft gerade die Qualität der T-Shirts in einem Modeladen. "Ich habe heute frei und ich freue mich, dass man wieder shoppen gehen kann." Sie will an diesem Montag noch in die Innenstadt, beginnt ihren Rundgang aber im Kaufpark an der Dohnaer Straße. "Ich kaufe ungern übers Internet", erklärt die Dresdnerin.

Verhaltener Start am Schillerplatz

Und was genau ist nun anders? Das konnte man sich am Montagnachmittag indes am Schillerplatz fragen. Abgesehen davon, dass in der Pandemie „anders“ zum Allgemeinzustand geworden ist, sollte doch zu spüren sein, dass nun neue Regeln gelten. Zu erkennen ist das an den Geschäften in der Schillergalerie daran, dass Licht brennt und Verkäuferinnen im Laden stehen. Manch Betreiber scheint der neuen Verordnung noch nicht so recht zu trauen. Die Boutique der Modekette Esprit weist auf freie Termine zum Shoppen hin und bittet seine Kunden, vor der Tür zu warten, bis sie eingelassen werden. Ein Stapel Formulare wartet auf Kontaktangaben zur Nachverfolgung. Im Geschäft jedoch ist kaum jemand zu sehen.

Bei Hussel hat am Nachmittag die Süßwarenverkäuferin nicht viel zu tun, vorm Einrichtungsgeschäft der Kette Depot stehen zwei Kundinnen an. Gut gelaunt fragt die Verkäuferin nach: getestet, geimpft oder genesen? Douglas bittet ebenfalls um Geduld. Auch dort werden die Kunden "platziert". Es ist erstaunlich wenig Begängnis im Einkaufscenter, in der Hüblerstraße und am Schillerplatz. Für das größte Aufkommen sorgen die Bahnen und Busse am Knotenpunkt. So richtig nach gepflegtem Shopping scheint zumindest den Blasewitzern noch nicht der Sinn zu stehen.

Dass die Geschäfte bald wieder schließen könnten, darauf deutet im Moment nichts hin. Im Gegenteil, sollte die Inzidenz weiterhin so niedrig sein, könnte schon Ende nächster Woche die Testpflicht in den Geschäften wegfallen.

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