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Grüne wollen Dresdner Direktmandate

Zum ersten Mal geht es Dresdens Grünen nicht nur um Stimmen für die Partei. Wer direkt in den Bundestag will und weshalb sie sich im Herbst Chancen ausrechnen.

Merle Spellerberg und Kassem Taher Saleh wollen für die Dresdner Grünen in den Bundestag
Merle Spellerberg und Kassem Taher Saleh wollen für die Dresdner Grünen in den Bundestag © Sven Ellger

Dresden. Am Wochenende wählen Dresdens Grüne ihre Direktkandidaten für den Bundestag - eine Frau und ein Mann aus dem Irak sind die bisher einzigen Bewerber für die zwei Dresdner Wahlkreise. Sie ist 24, er 28 Jahre alt. Beide haben sich viel vorgenommen, wollen direkt durchstarten.

Merle Spellerberg war bisher Landessprecherin der Grünen Jugend Sachsen. "Wir brauchen einfach Klimaschutz", ist ihre Formel. "Dafür stehen nur wir Grünen glaubhaft." Sie will sich vor allem in die Außen- und Wirtschaftspolitik auf Bundesebene einbringen. Menschenrechte, Feminismus und die Perspektive der Schwächsten in der Gesellschaft gelte es zu stärken. In der Wirtschaftspolitik wolle sie "sozial und nachhaltig zusammenbringen". Dafür werde etwa ein starkes Lieferkettengesetz benötigt.

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Dresden wolle sie zur klimagerechten Stadt machen, für attraktive Radwege sorgen, Organisationen wie die Seenotretter Mission Lifeline und Dresden Nazifrei unterstützen. "Ich möchte die vielen unterschiedlichen Menschen - aus Dresden und dem Bautzner Teil des Wahlkreises - in Berlin vertreten", sagt Spellerberg, die kurz vor ihrem Studienabschluss in internationalen Beziehungen steht.

Kassem Taher Saleh wurde im Irak geboren, kam mit zehn Jahren nach Deutschland, hat in Plauen im Vogtland sein Abitur gemacht, in Dresden Bauingenieurwesen studiert und ist jetzt Bauleiter einer Dresdner Firma - derzeit verantwortet er ein Projekt in Hamburg. Auf dem Bunker in St. Pauli entsteht ein begrüntes Hotel mit einer Mehrzweckhalle, das Saleh als Bauleiter umsetzt.

Grüne sehen sich im Trend nach oben

Er ist Co-Sprecher der der Landesarbeitsgemeinschaft Migration, Integration und Antidiskriminierung bei Sachsens Grünen und auch der Bundesarbeitsgemeinschaft Migration und Flucht. Er will sich für gerechte Verfahren in der Asylpolitik einsetzen und für Integrationskurse ab dem ersten Tag. "Sprache ist wesentlich und schafft den Zugang zum Leben." Zudem setze er auf eine ökologische, nachhaltige Baupolitik. "Mein Herzensthema ist der Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus."

Die Situation am 26. September sei völlig anders als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren, sagt die scheidende Dresdner Grünen-Sprecherin Susanne Krause. "Da haben wir Arnold Vaatz und Andreas Lämmel alle die Daumen gedrückt, damit keiner von der AfD ein Direktmandat erhält." Die beiden CDU-Kandidaten treten nicht mehr an. Die Grünen sehen sich insgesamt im Trend nach oben, auch wenn der Skandal um zunächst nicht angegebene Nebeneinkünfte der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock derzeit die Stimmung trübt.

"Wir haben eine coole Kanzler-Kandidatin, zudem eine Frau - das wird uns Aufwind geben", ist sich Krause sicher. "Die Chancen für Grüne Direktmandate in Dresden waren noch nie so gut wie jetzt", ist sich Spellerberg sicher. Klar gebe es Konkurrenz, sagt Saleh. Die Linke Katja Kipping sei "berühmt", die CDU in Dresden immer ernst zu nehmen und auch die AfD nicht chancenlos. "Wir haben von allen Seiten Druck", so Saleh. Aber es sei zu schaffen, die Direktmandate zu holen. "Deshalb werben wir dieses Mal dafür, mit beiden Stimmen grün zu wählen", erklärt Spellerberg. Denn nur mit guten Ergebnissen, sei es für die beiden zudem auch möglich, notfalls über die sächsische Liste in den Bundestag einzuziehen.

Stadträtin Susanne Kraus tritt nicht mehr als Sprecherin der Dresdner Grünen an.
Stadträtin Susanne Kraus tritt nicht mehr als Sprecherin der Dresdner Grünen an. © Sven Ellger

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