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Konsequenzen nach Tiger-Angriff bei Sarrasani gefordert

Tragischer Vorfall bei Magier André Sarrasani: Ein Bodenleger wird von Tigerdame Kaya attackiert und verletzt. Jetzt wollen Tierschützer Verbote.

"Das sind Raubtiere, da hat niemand etwas zu suchen": Sarrasanis Tigerin Kaya hinter Gittern.
"Das sind Raubtiere, da hat niemand etwas zu suchen": Sarrasanis Tigerin Kaya hinter Gittern. © (c) Christian Juppe

Dresden/Ottendorf-Okrilla. Der Zwischenfall ereignete sich ausgerechnet einen Tag vor dem Startschuss für die neue Saison. Ein 53 Jahre alter Handwerker ist auf dem Gelände von André Sarrasanis Sommerquartier schwer verletzt worden. Er war gekommen, um den neuen Bodenbelag im Küchencontainer für die Dinnershow  zu kontrollieren. 

Der 53-jährige Handwerker war offenbar schon fast auf dem Rückweg gewesen, als ihm möglicherweise ein gefährliche Idee kam: Zum Abschied wollte sich der Bodenleger offenbar von der Tigerdame verabschieden  - und fasste leichtsinnigerweise durch das Gitter des Käfigs. 

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Derzeit laufen bei Sarrasani die Vorbereitungen für die neue Saison auf Hochtouren. Seine neue Dinner-Show will er erstmals auf der Elbwiese neben dem Congresscentrum in Dresden präsentieren.

Noch ist er aber mit seinen Raubkatzen im Sommerlager in Ottendorf-Okrilla, bereitet unter anderem den Küchencontainer vor. "Wir haben eine befreundete Firma, die seit vielen Jahren das Parkett für uns verlegt", so Sarrasani. Die Bodenleger haben am vergangenen Wochenende auch den Belag für den Küchencontainer verlegt. 

Am Sonntag dann die Bodenkontrolle.  "Der Mitarbeiter  war da, hat gesagt, es ist alles okay und sich bereits verabschiedet", so Sarrasani. Der Mann habe bereits in seinem Auto gesessen, um wegzufahren. 

"Dann muss er nochmal ausgestiegen und zu Kaya gegangen sein", sagt Sarrasani, der zu der Zeit an einer anderen Stelle zu tun hatte. "Er muss durch das Gitter versucht haben, Kaya zu streicheln."

Der Tiger biss zu, der Mann versuchte seinen Arm aus dem Maul des Raubtiers zu ziehen und der Tiger zerrte ebenfalls. Ein Rettungshubschrauber brachte den Bodenleger in die Dresdner Uni-Klinik.

Polizeibeamte machten eine Alkoholtest und stellten 0,8 Promille bei dem Mann fest. Sarrasani nennt den Vorfall eine "Katastrophe". "Das war Leichtsinnigkeit in Verbindung mit Alkohol und auch Dummheit", sagt der Magier. 

Die Folge ist ein gebrochener Arm und Bissverletzungen. Wie schwer diese sind, stehe noch nicht abschließend fest. Sarrasani sagt aber auch, er müsse sehen, wie der Tiger auf den Vorfall reagiert. "Das sind Raubtiere, da hat niemand etwas zu suchen."   

Aufbau am Elbufer hat begonnen

Sarrasanis Team baut seit diesem Montag das neue Zelt an der Elbwiese auf. Am 20. November soll dort die Premiere stattfinden unter Corona-Bedingungen.

"Wegen der Pandemie haben wir ein Hygienekonzept aufgestellt", so Sarrasani. Mundschutzpflicht gilt im Zelt genauso wie in Geschäften, Bussen und Bahnen und so weiter. Am Platz allerdings nicht. "Um die Mindestabstände einhalten zu können und trotzdem rund 300 Plätze anbieten zu können, haben wir in dieser Saison ein größeres Zelt", erklärt Sarrasani.

Es ist das Zelt, das auch als Ersatzspielstätte für die Felsenbühne in Rathen zum Einsatz kam. Sarrasani hat es bereits im Frühjahr angeschafft. Damit hat er nun deutlich mehr Platz, rund 1.000 statt 700 Quadratmeter.

So könne auch eine größere Bühne aufgebaut werden und es sei mehr Platz für die Show im Theater. Der Aufbau wird den kompletten Oktober dauern, vor allem die Installation der Inneneinrichtung samt coronatauglicher Lüftung dauere eine Weile. "Wir haben ein neues Lüftungssystem, das drei Mal pro Stunde die komplette Luft aus dem Zelt absaugt und austauscht", sagt Sarrasani.

Auch die Künstlerauswahl steht unter Corona-Voraussetzungen. Akrobaten aus Südamerika seien derzeit nicht zu bekommen, sagt Sarrasani. "Sie erhalten kein Visum, weil ihre Auslandsvertretungen im Notbetrieb sind."

Dennoch soll es wieder international werden. Die Künstler kommen unter anderem aus Polen, Frankreich, Holland, China und einer auch aus Peru, der aber in Deutschland lebt. "Viele Jahre hatte ich keine deutschen Künstler, jetzt ist einer dabei", so Sarrasani. "Den habe ich in den USA gefunden." Die Kartenpreise liegen zwischen 69 und 189 Euro für Show und Dinner.

Peta: Zirkus-Verbot für Großkatzen

Nun reagiert die Tierschutzorganisation Peta auf den Vorfall. Biologin Yvonne Würz ist bei Peta Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche sagt: „Der Vorfall zeugt nicht nur von großem Leichtsinn, sondern beweist auch wieder einmal, dass Unfälle mit Wildtieren wie Tigern im Zirkus vorprogrammiert sind."

Sie zählt Vorfälle vom Januar 2018 in Kieve auf, bei der ein Tiger zwei Dompteure schwer verletzte, 2017 wurde ein Tiger in den USA erschossen,  der entkommen war und 2019 wurde ein Dompteur in Italien von vier Tigern bei einer Probe attackiert. Er starb an den Verletzungen. "Auch wenn Tiger und Löwen in der Manege durch die von Zwang und Gewalt geprägte Dressur zu unnatürlichen Kunststücken gezwungen werden, behalten sie ihre natürlichen Instinkte", so Würz.

"Viele von ihnen sind frustriert oder leiden infolge der Gefangenschaft an Verhaltensstörungen. Nur ein grundsätzliches Verbot von Tieren in Zirkussen kann die Sicherheit von Mensch und Tier gewährleisten."

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Mit seiner Magier-Show macht André Sarrasani in Dresden wieder Gewinn. Er hat bereits Pläne für den Sommer und mit Tigerdame Kaya.

Deshalb fordert Peta das vom Bund angekündigte generelle Zirkus-Wildtierverbot. Darin  müssten unbedingt auch Großkatzen berücksichtigt werden. Denn die fallen bisher nicht unter das geplante Verbot. Sarrasani ist ausdrücklich gegen so ein Verbot.

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