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Statuen verschwinden von der Semperoper

Mehrere Mischwesen aus der Antike müssen nun das Dach der Semperoper verlassen. Das Wetter hat ihnen stark zugesetzt. Wann sie wiederkommen sollen.

Ganz langsam und vorsichtig: Am Donnerstag begann der Sächsische Staatsbetrieb für Immobilien- und Baumanagement (SIB) damit, die Figuren vom Dach der Semperoper zu entfernen.
Ganz langsam und vorsichtig: Am Donnerstag begann der Sächsische Staatsbetrieb für Immobilien- und Baumanagement (SIB) damit, die Figuren vom Dach der Semperoper zu entfernen. © Tino Plunert

Dresden. Sie stehen für Kunst, Wachsamkeit und Stärke: Vier greifvogelähnliche Wesen aus Gusseisen sowie andere fantasievolle Figuren schmücken seit mehr als 140 Jahren das Dach der Semperoper. Jetzt mussten die antiken Wesen abmontiert werden. Regen, Wind und Kälte haben die Figuren in den vergangenen Jahren stark beschädigt. Nun steht eine Sanierung für die Mischwesen auf dem Programm, erklären die Verantwortlichen des sächsischen Staatsbetriebs für Immobilien- und Baumanagement (SIB).

Im Fachjargon nennt man die Figuren auf dem Dach auch Greifen und Lyra. Greifen sind eine Art Mischung aus Greifvogel und Raubtier, zur Zeit der Antike symbolisierten sie Stärke und Wachsamkeit. Die Lyra ist eine Art Saiteninstrument. "Sie steht seit der Antike für Dichtkunst und Musik", erläutert SIB-Sprecher Tobias Lorenz. Für den Erbauer der Dresdner Oper Gottfried Semper hat diese Bedeutung der Figuren offenbar genau gepasst.

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Der Bildhauer Emanuel Semper fertigte deshalb die Plastiken an und ließ die Wesen 1878 auf das Dach stellen. Seitdem thronen vier Greifen an jeder Ecke des Daches, die Lyren zieren den Dachfirst an der Nordwest- und Südostseite der Semperoper. Die Wirkung ist also nicht nur imposant, sondern auch inhaltsschwer: Hier steht ein Bühnenhaus, das über die Musik wachen soll.

Seit 1878 thronen die Figuren auf dem Dach der Semperoper.
Seit 1878 thronen die Figuren auf dem Dach der Semperoper. © Tino Plunert
Vier Greifen zieren das imposante Dach des Bühnenhauses - sie symbolisieren Stärke und Wachsamkeit.
Vier Greifen zieren das imposante Dach des Bühnenhauses - sie symbolisieren Stärke und Wachsamkeit. © Tino Plunert

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Die Figuren wurden zuletzt in den 1990ern ausgebessert, jetzt sollen sie komplett saniert werden. Dafür mussten sie mit einem Kran langsam und vorsichtig hinabbefördert werden. Im Auftrag des SIB wird eine Firma aus Ottendorf-Okrilla die Figuren reinigen und instand setzen. Die Arbeiten im Rahmen der Sanierung werden dem SIB-Sprecher Tobias Lorenz zufolge bis Ende 2021 andauern. Die Sanierung kostet 75.000 Euro und wird durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts finanziert.

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