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Corona-Spätfolge: Brauerei Schwingenheuer in Dresden-Neustadt schließt

Fehlendes Personal sowie gesundheitliche Gründe: Die Kiez-Brauerei Schwingenheuer wird ihre beliebten Biere wie Elbhang Rot und Neustadt Hell ab sofort nicht mehr produzieren.

Von Dominique Bielmeier
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Christian "Lenin" Schwingenheuer im August 2012. Der Brauer hat die Bierproduktion in seiner Neustadt-Brauerei eingestellt. Brauseminare und Co. soll es aber weiter geben.
Christian "Lenin" Schwingenheuer im August 2012. Der Brauer hat die Bierproduktion in seiner Neustadt-Brauerei eingestellt. Brauseminare und Co. soll es aber weiter geben. © Sven Ellger (Archiv)

Dresden. Es ist ein harter Schlag für die Dresdner Gastroszene wie für Freunde lokalen Bieres: Die Neustädter Brauerei Schwingenheuer stellt nach 21 Jahren die Produktion und Auslieferung von Bier ab sofort und bis auf Weiteres ein. Das ist auf der Website des Unternehmens zu lesen.

Schwingenheuer produziert unter anderem die vor allem im Kiez beliebten Biere Elbhang Rot, Bio Neustadt Hell, Hecht Alt oder das Pale Ale Bio Drachenwiese. Ausgeschenkt werden diese unter anderem im Bautzner Tor, im Raskolnikoff, im Ostpol und im Café Saite sowie - zumindest die Bio-Sorten - in etlichen Biomärkten der Äußeren Neustadt verkauft.

Als Begründung für das Aus heißt es auf der Website: "Nach den heftigen Zumutungen der Corona-Pandemie müssen wir uns deutlich umstrukturieren." Aus gesundheitlichen Gründen und wegen Personalmangel müsse die Produktion eingestellt werden - "nicht aus wirtschaftlichen Gründen".

Neustadt-Brauerei Schwingenheuer sucht Nachfolger

Stattdessen wolle man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren: die Erwachsenenbildung. "Denn für Teilnehmer von Brauseminaren und Expeditionen ins Bierreich ändert sich nichts." Die Veranstaltungen fänden unverändert und entsprechend der Planung statt. "Wir freuen uns weiterhin über Gutscheinerwerbe, Reservierungen und Buchungen."

Gegenüber dem Neustadt-Geflüster sagte Inhaber Christian "Lenin" Schwingenheuer, bis 2019 sei das Geschäft immer weiter gewachsen, "in der Spitze haben wir pro Jahr 900 Hektoliter verkauft". Das seien 180.000 Flaschen. Dann musste die Brauerei 2019 umziehen, der neue Eigentümer in der Hermann-Mende-Straße habe die Miete um mehr als das Vierfache erhöht. Kurz danach begann die Corona-Pandemie, 80 Prozent der Umsätze bleiben aus, weil Veranstaltungen nicht mehr stattfanden, Restaurants und Kneipen geschlossen bleiben mussten.

Bei den Coronahilfen des Freistaats und der Stadt war der Lohn für Schwingenheuer selbst nicht mit eingerechnet, beim Versuch Hartz IV zu beantragen "versank" der Brauer in Bürokratie, wie er dem Neustadt-Geflüster erzählt. Schließlich musste er seine Altersvorsorge, rund 170.000 Euro, aufbrauchen.

Brauer Schwingenheuer braucht seine Altersvorsorge auf

Und auch nach der Pandemie lief das Geschäft nur schleppend an, erst jetzt geht es langsam wieder aufwärts, aber der Brauer kann nicht mehr. "Die Krise und der Kampf mit den Ämtern haben mich krank gemacht", sagt er. Schwingenheuer hofft nun darauf, einen Nachfolger für den Brauereibetrieb zu finden und bittet im Text auf seiner Website um Hinweise.

Im März 2002 war die Brauerei Schwingenheuer als "Neustädter Hausbrauerei Christian Schwingenheuer" als erste in der Dresdner Neustadt gegründet worden, einen Monat später fand dort nach eigener Aussage das erste Bierbrauseminar in Ostdeutschland statt. Im Januar 2003 sei dann das erste ostdeutsche Altbier auf den Markt gekommen, das Hecht Alt.

Mit der Produktion von Biobier wurde im Juni 2011 begonnen - "als erste sächsische Brauerei". Im Januar 2015 habe Schwingenheuer dann erneut als erste Brauerei des Ostens die Produktion vollständig auf Biogas und Ökostrom umgestellt. "Bis heute drucken wir (auch Etiketten!) auf Recyclingpapier. Macht sonst keiner", heißt es in der Chronik auf der Website.

Der Laden auf der Schönbrunnstraße 1 hat noch bis Ende Juni Dienstag und Donnerstag von 13 bis 19 Uhr geöffnet - oder so lange es noch Bier gibt.