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Ein Dresdner bringt Weihnachten in die Stadtteile

Weil einer alten Dresdnerin das Geld zum Operettenbesuch fehlte, hat Lutz Hoffmann in Dresden die Konzert-Aktion "Weihnachten vor der Haustür" organisiert. Wo sein Musiktruck überall halten soll.

Von Dirk Hein
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Lutz Hoffmann will "Weihnachten vor die Haustür" holen.
Lutz Hoffmann will "Weihnachten vor die Haustür" holen. © Christian Juppe

Dresden. Es war ein Herbsttag in der Johannstadt, der Lutz Hoffmann noch lange im Gedächtnis bleiben sollte. Hoffmann, damals noch für die CDU im Stadtbezirksbeirat Altstadt, war vor dem Einkaufszentrum an der Pfotenhauerstraße unterwegs, um mit Anwohnern ins Gespräch zu kommen, deren Probleme aufzunehmen und um Werbung für sich als Politiker zu machen. "In Erinnerung geblieben ist mir eine ältere, sehr gepflegt wirkende Dame", sagt Hoffmann. "In einem Halbsatz, ganz am Ende unseres Gespräches, sagte sie dann, dass sie schon traurig sei, sich ihr gewohntes Weihnachtsprogramm in der Operette nicht mehr leisten zu können." Zu stark seien die Preise in allen Lebensbereichen gestiegen.

Hoffmann ließ das keine Ruhe mehr. "Die Szene hat mich traurig gemacht und bewegt." Das aus dieser Begebenheit ein nahezu stadtweites und kostenloses Weihnachtsprogramm für hunderte Dresdner werden kann, hängt mit der Lebensgeschichte des 39-jährigen Dresdners zusammen.

Als kleines Kind wischte Hoffmann für 20 Mark das Parkett der Dresdner Volleyball-Damen. In der Margon-Arena bediente er später während der Spiele die LED-Wand. Dort entstand der Kontakt zum Tontechniker der Arena. Ein Kontakt, der Hoffmann bis ins Stadion von Dynamo Dresden führte. Dort ist der gelernte Koch heute noch für Bild und Ton im Rudolf-Harbig-Stadion zuständig.

2007 landete Hoffmann bei Marlboro in der Zigarettenindustrie, bevor er nach Frankfurt am Main ging, wieder die Schulbank drückte, um später Sport- und Eventmanagement zu studieren. Er arbeitete in der Nachtschicht einer Dresdner Druckerei, um letztendlich im Vertrieb beim Datenbank-Spezialisten Robotron anzukommen.

"Ich hatte von Anfang an ein Organisationstalent."

Was dabei immer blieb: "Ich hatte von Anfang an ein kleines Organisationstalent." Nebenbei organisierte Hoffmann kleinere Konzerte, bundesweit bekannt wurde der Politiker als Ideengeber und Mitorganisator von "Haltung zeigen" - einer Initiative für ein solidarisches Miteinander in der Corona-Pandemie. Die Initiative hatte beispielsweise das Kerzenmeer vor der Frauenkirche für an oder mit Covid-19 verstorbene Menschen organisiert.

Politik und ein Händchen für Veranstaltungen: Beides verband sich dann auf einer Sitzung des Stadtteilbeirates Johannstadt - die Sitzung fand in der Evangelischen Hochschule Dresden statt. "Im ganzen Haus wurde musiziert, auch während der Sitzung war Musik zu hören". Im Beirat wurden damals die noch offenen Projektmittel für den Stadtteil besprochen.

Stadtbezirksbeiräte wurden 2019 zum ersten Mal direkt gewählt. Damit verbunden ist ein eigenes Budget für Maßnahmen innerhalb der jeweils dazugehörenden Stadtteile. Dafür gibt es zehn Euro pro Einwohner. Zwei Euro davon stellt der Altstädter Beirat dem Beirat in der Johannstadt zur Verfügung. Davon war noch ein Rest übrig. In dem Moment "zündete" es bei Hoffmann: "Spontan ist die Idee entstanden, ein Teil des Budgets und die Musiker der Hochschule zusammenzubringen."

Auf Werbetour durch die Stadtbezirksämter

Sofort machte sich Hoffmann in die Spur. Mit der stellvertretenden Amtsleiterin klärte er, ob seine Idee überhaupt förderfähig ist, es folgten Gespräche mit Musikern, ein Projektantrag wurde geschrieben. Hoffmann rechnet mit Kosten von 7.150 Euro pro Stadtteil.

Für die Johannstadt wurden diese Kosten bereits übernommen. "Weihnachten vor der Haustür" findet daher am 16. Dezember um 18 Uhr auf einer Freifläche zwischen Nicolaistraße und Striesener Straße statt. 19.30 Uhr startet das zweite Konzert im Hinterhof der Hopfgartenstraße.

Auch der Fahrplan für die weiteren Genehmigungen steht: Ende November kommt der Stadtbezirksbeirat Altstadt zu einer Sondersitzung zusammen. Die ist eigentlich einberufen worden, damit Dresden schnellstmöglich die Bewerbung für die Bundesgartenschau 2033 auf den Weg bringen kann. Hoffmanns Weihnachtsidee wurde mit auf die Tagesordnung genommen. Stimmen die Stadtbezirksbeiräte in der Altstadt, in der Neustadt und in Plauen zu und beschließen ebenfalls einen Zuschuss in gleicher Höhe, zieht Hoffmann mit seinem Weihnachtstruck am 15. Dezember durch Plauen, am Tag darauf folgt die Johannstadt, dann die Neustadt, am 18. Dezember dann die Altstadt.

Geplant sind jeweils mindestens zwei etwa einstündige Konzerte, die zum Beispiel von Musikern der Evangelischen Hochschule gestaltet werden. Es wird Weihnachtsmusik und Lieder zum Mitsingen geben. Hoffmann will einige Bänke aufstellen.

Lieder zum Mitsingen und Glühwein aus der Thermoskanne

Im Mittelpunkt stehen soll weihnachtliche Stimmung, kein Kommerz. Wer Glühwein trinken will, soll sich diesen in Thermoskannen selbst mitbringen. In der Neustadt wird an einem eigenen Programm gebastelt. "Das soll deutlich rockiger werden." Hoffmann sucht noch Musiker und Spenden: "Wir wollen Kultur für jeden unabhängig des Geldbeutels bieten und etwas gegen soziale Kälte tun."

Organisiert werden die Konzerte von einer gemeinnützigen Firma, der Hoffmann angehört. Um nicht in einen Interessenkonflikt zu kommen, hat der Stadtbezirksbeirat an den Abstimmungen und Beratungen über seinen Antrag nicht teilgenommen, obwohl dies rechtlich möglich gewesen wäre.

Politisch ist Hoffmann seit Oktober nicht mehr in der CDU, für die er auch im Kreisvorstand saß. Nach zehn Jahren Parteizugehörigkeit ist er ausgetreten. Vor allem der Poker um die Bürgermeisterposten, der seit Monaten anhält, nannte er als einen der Gründe. Eine neue politische Heimat wird zwar gesucht, ist aber noch nicht in Aussicht. Diese Entscheidung soll nächstes Jahr stehen - bis dahin steht "Weihnachten vor der Haustür" im Mittelpunkt der ehrenamtlichen Arbeit.

Mehr Informationen: www.wevodeha.de