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Ringen um DVB-Wartehäuschen

800 Wartehäuschen an Bus- und Bahnstationen droht der Abriss. Die Entscheidung dazu sollte nun eigentlich fallen. Wie das verhindert wurde.

In Dresden drohen sämtliche Wartehallen an den DVB-Stationen abgerissen zu werden.
In Dresden drohen sämtliche Wartehallen an den DVB-Stationen abgerissen zu werden. © Sven Ellger

Dresden. Es klingt absurd, aber die meisten der Dresdner Fahrgastunterstände müssen Ende kommenden Jahres verschrottet werden. Das liegt daran, dass die Verträge mit den Werbefirmen eine entsprechende Klausel haben.

Nun werden die millionenschweren Werbeverträge neu ausgeschrieben. Deshalb wird um den Erhalt der Wartehäuschen gerungen. Jetzt gab es eine erste Entscheidung dazu.

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Eigentlich sollten die Stadträte im Bauausschuss die Ausschreibung der Werbeverträge beschließen. Diese enden nach mittlerweile 30 Jahren Ende 2022. Das Geschäft, bei dem es um sehr viel Geld geht, hat aber einen unerfreulichen Nebeneffekt für sehr viele Dresdner.

Bis zum Ende der Vertragslaufzeit muss die Firma, die die Werbung an den Bus- und Bahnstationen macht, die Unterstände abreißen. So ist es vertraglich geregelt. Auch wenn selbst die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) das bedauern und die meisten der Unterstände noch gut in Schuss sind oder für überschaubare Summen in diesen Zustand gebracht werden könnten.

Die Werbefirma, der die Unterstände gehören, wäre bereits, sie an Stadt oder DVB zu verkaufen. Zudem will sich Wall selbst wahrscheinlich auch auf die neuen Verträge bewerben. Doch das Kaufangebot wird von Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) als "taktisch" gewertet und für nicht gut befunden.

SPD: DVB sollen Wartehäuschen übernehmen

Die Linke hat die sofortige Entscheidung zur Ausschreibung und damit den sicheren Abriss der Wartehäuschen verhindert. Durch ein sogenanntes Minderheitenvotum wurde entschieden, dass nicht der Ausschuss, sondern der komplette Stadtrat darüber entscheiden soll.

Damit ist nun zumindest bis zum 22. April Zeit, nochmal über Optionen nachzudenken, wie die Häuschen erhalten werden können. Dann tagt der Rat und die Vergabe soll auf der Tagesordnung stehen.

"Unser Ansinnen ist es, dass die DVB die Wartehäuschen übernehmen", so SPD-Stadtrat Stefan Engel. Wie es mit den Werbeverträgen weitergeht, könne man unabhängig davon klären.

Die Linke will auch die Werbung in die Hände einer städtischen Tochter wie den DVB geben. Schließlich sei damit viel Geld zu verdienen. In Berlin laufe es beispielsweise seit einigen Jahren so und bringe Geld für den generell defizitären öffentlichen Nahverkehr.

"Verschwendung von begrenzten Ressourcen"

"Angesichts heftig diskutierter finanzieller Probleme bei den Dresdner Verkehrsbetrieben ist ein Verzicht auf Einnahmen aus der Werbung an Fahrgastunterständen nicht zu verstehen", so Linke-Stadtrat Tilo Kießling. "Darüber wird nun im Stadtrat gesprochen."

Stadtrat Tilo Wirtz (Linke) verweist nochmal auf die Bedeutung der Unterstände und wie sinnlos aus seiner Sicht der Abriss wäre. "Wartehäuschen sind vollwertige Hochbauten. 800 davon abzureißen bedeutet die Vernichtung und Verschwendung von begrenzten Ressourcen an Energie und Material. Das ist wirtschaftlicher und ökologischer Irrsinn."

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Nach dem Angebot der Firma Wall, alle Wartehäuschen für zwei Millionen Euro zu übernehmen, bekäme Dresden ein Wartehäuschen für 2.500 Euro. Bei diesem Preis solle die Stadt zuschlagen. "Außerdem könnten nicht alle Wartehäuschen sofort ersetzt werden und die Leute ließe man buchstäblich im Regen stehen", so Wirtz.

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